"Heute ist das Hobby, Kleintiere zu züchten, aus der Mode gekommen", bekennt Mario Peschke aus dem Kleintierzuchtverein. Sein Herz gehört den großen Hühnern. Er weiß zu berichten, dass sich einst der deutsche Kaiser höchstpersönlich für die Zucht interessierte. Wilhelm II. regte an, ein Huhn hervorzubringen, das den Namen "Deutsches Reichshuhn" verdient hat. Bei einer Ausstellung 1908 wurde die urdeutsche Züchtung als Rasse anerkannt.

Aber nicht nur Tiere mit tragender Geschichte waren vertreten: Hühner, Tauben, Gänse, Enten und Kaninchen füllten das Zelt. Eine kräftige Laufente, an deren Körperbau man ihre Fähigkeit ablesen konnte. Oder ein Huhn namens Marans schwarz-kupfer, das kastanienbraune Eier legt. "Wir sind nur noch 15 Mitglieder", erzählt Peschke, "und haben darum nicht so viele Tiere, jeder züchtet in der Regel zwei unterschiedliche Rassen." Manch Mitglied hat sogar noch mehr Rassen in seinen Ställen, bei Peschke sind es vier. Und die Vielfalt könnte steigen: zwei weitere Kleintier-Fans haben ihr Interesse am Vereinsleben in Neu Zauche bekundet.

"Für die Schau haben wir uns Unterstützung von anderen Vereinen geholt, um auf 200 Tiere zu kommen." Derlei Hilfe ist bei Kleintierzüchtern durchaus üblich. Bei der Ortsschau in Straupitz war Geflügel aus einem Lübbener und einem Lieberoser Verein dabei.

Am Samstagvormittag haben die Preisrichter ihre Arbeit gemacht und jedes Tier begutachtet. Die Rassegeflügelzucht beruht auf drei Säulen: den aktiven Züchtern, den Preisrichtern und den Vereinen, die die Ausstellungen organisieren.

"Die Preisrichter beurteilen, ob Merkmale wie Farbschläge und Federkleid den Anforderungen an die Rasse genügen", erläutert Peschke. Dabei gehen die Preisrichter allein durchs Zelt, niemand darf dabei sein. Der anschließenden Bewertung der Tiere fiebern vor allem die Züchter entgegen. Ein V-Tier - der Buchstabe V steht für "vorzüglich" und entspricht der Schulnote 1 - macht den Züchter selbstverständlich stolz. "Aber die Note zeigt auch, ob er auf dem richtigen Weg ist und die Rasse in seiner Ursprünglichkeit erhält", sagt Peschke.

Er hätte sich gewünscht, dass mehr Zuschauer gekommen wären. Auf der einen Seite kann der Verein jeden Pfennig gebrauchen. Ein Huhn kostet 30 Euro, für eine Ente oder eine Gans muss man drauflegen. Aber es geht um mehr: "Wir wollen erreichen, dass die Rassen erhalten bleiben, sie haben bestimmte Fähigkeiten, ein besonderes Brutverhalten oder eine gute Widerstandsfähigkeit." Und dass diese Rassen nicht aussterben, findet Peschke, gehe alle etwas an. "Vom Deutschen Reichshuhn gibt es in ganz Deutschland nur noch etwa 1500 Stück. Die Rasse ist damit schon wieder gefährdet - nach gerade einmal 100 Jahren."