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Trachtenträger-Treff in Lübben

So viele verschiedene Trachten wie während des Trachtentags am Wochenende in Lübben sieht man nicht alle Tage. Da kann man schon mal mit dem Hut rumgehen.
So viele verschiedene Trachten wie während des Trachtentags am Wochenende in Lübben sieht man nicht alle Tage. Da kann man schon mal mit dem Hut rumgehen. FOTO: A. Staindl/asd1
Lübben. Das Bild war beeindruckend: Mehr als Hundert Trachtenträger sind am Wochenende in Lübben unterwegs gewesen. Sie haben sich zum Deutschen Trachtentag in der Spreewaldstadt getroffen. Andreas Staindl / asd1

Die Delegierten aus den verschiedenen Regionen Deutschlands haben über aktuelle Probleme und Aufgaben des Bundesverbands beraten.

Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) hatte sie am Freitagabend im "Haus Burglehn" begrüßt - auf deutsch und auf sorbisch. Er war in sorbischer Tracht erschienen. Die hat ihm die junge Designerin Sarah Gwiszcz aus Lübbenau geschneidert. "Ich werde die Tracht künftig zu besonderen Anlässen tragen", kündigt der Verwaltungschef an. Dass er eine Tracht angelegt hatte, honorierten die Gäste mit viel Beifall und mit Humor. "Es ist besser, eine Tracht zu tragen, als welche zu bekommen", sagt Knut Kreuch, Oberbürgermeister von Gotha, scherzhaft. Und "dass ein Bürgermeister eine Tracht trägt, ist etwas Besonderes in Deutschland." Der Thüringer wurde am Wochenende in seinem Amt als Präsident des Bundesvorstands bestätigt. Er sprach während der Beratung die "weißen Flecken in der deutschen Trachtenlandschaft" an und mahnte zudem, den Begriff Heimat immer individuell für jeden Verein zu definieren. Heimat sei täglich zu erkämpfen. Man dürfe sie nie kampflos aufgeben oder vergessen.

Marga Morgenstern trägt ihre Tracht mit Stolz. Die Lübbenerin freute sich, "so viele Trachten in unserer Stadt zu sehen. Schön, dass ich das noch erlebe". Sie war nicht die einzige aus der Gastgeberstadt, die am Wochenende in Tracht unterwegs war. Der Spreewald-Frauenchor aus Lübben hatte den dreitägigen Trachtentag musikalisch eröffnet, natürlich in Trachten.

Trachtenträger pflegen kulturelles Erbe, wie Lars Kolan sagt. Lübbens Pfarrer Olaf Beier schlägt in die gleiche Kerbe: "Eine Tracht ist textiler Ausdruck der Heimatverbundenheit. Sie erzählt wertvolle Heimatgeschichte und zeigt ein Stück unserer eigenen Identität." Er feierte gemeinsam mit den zahlreichen Trachtenträgern und Gästen den ökumenischen Gottesdienst gestern Vormittag. Der Geistliche freute sich über das große Interesse: "Dass die Gesangsbücher nicht reichen, ist nicht jeden Sonntag der Fall."

Nach dem Kirchgang zogen die Trachtenträger zum Hafen. Dort starteten sie zu einer Rundfahrt unter dem Motto "Die Tracht fährt Kahn". Schon am Vorabend hatte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die kurz zuvor gekürte Tracht des Jahres geehrt. "Dass unsere Tracht gekürt wurde, ist eine Überraschung für uns", sagte Karin Marsch aus Paplitz (Teltow-Fläming). "Wir freuen uns darüber." Die Ehrung der Flämingtracht des Heimatvereins Fläming-Freunde war einer der Höhepunkte des Deutschen Trachtentags.

Der Ministerpräsident würdigte die Arbeit der Trachtenträger in ganz Deutschland. Er hob besonders das Engagement der Vereine in Brandenburg hervor. Charles Koppehele, Vorsitzender des Mitteldeutschen Heimat-und Trachtenverbands, war begeistert, "dass Leute aus ganz Deutschland zum Trachtentag nach Lübben gekommen sind. Danke, dass wir hier zu Gast sein dürfen". In zwei Jahren treffen sich noch mehr Trachtenträger in Lübben - etwa 2500 werden erwartet. Dann ist die Kreisstadt Gastgeber des Deutschen Trachtenfests. Am Wochenende wurde schon kräftig geworben.