Von Katrin Kunipatz

Seit einem Jahr führt Grit Trefz Besucher durch Lübben. Die Route, die historischen Hintergründe und alles Wissen über die Stadtgeschichte hat sich die 43-Jährige selbst erarbeitet. Den Anstoß gab Reiseleiter Uwe Neumann. „Er fragte, ob ich nicht auch Stadtführungen in Englisch machen könnte“, sagt Grit Trefz.

Für die junge Frau kein Problem. Viele Jahre habe sie in den Vereinigten Staaten gelebt. Ihre Ausbildung hat die gebürtige Herzbergerin in der Gastronomie- und Hotelbranche absolviert und danach unter anderem in München und anderen deutschen  Großstädten gelebt. „Mein Traum war es immer, eine Pension zu betreiben“, verrät sie. Damit dieser Traum wahr werden konnte, zog die Familie vor einigen Jahren nach Lübben. Dies sei vor allem eine strategische Entscheidung gewesen, so Grit Trefz. Hier gab es die passenden Grundstücke, und ihr Mann habe es nicht weit bis zur Arbeitsstelle in Berlin.

Mit dem Umzug erwachte das Interesse für die Geschichte ihrer neuen Heimat. Vielleicht auch, weil das Putzen des Ferienhauses keine erfüllende Beschäftigung sei, ergänzt die zierliche Frau schmunzelnd. Sie las die von Rolf Ebert zusammengestellte Stadtchronik, studierte den Heimatkalender des Heimatvereins, bekam Einblick in eine Sammlung historischer Postkarten und Zeitungsartikel der Lausitzer Rundschau und recherchierte zu Paul Gerhardt im Internet.

Das Ergebnis der einjährigen Vorbereitung ist ein etwa eineinhalbstündiger Rundgang durch Lübben, den sie im vergangenen Jahr mehrmals mit verschiedenen Reisegruppen unternommen hat – bisher aber nur einmal in Englisch. Was Grit Trefz bei den Rundgängen auffiel, für Kinder sind die vielen Jahreszahlen und Anekdoten selten interessant. Sie selbst ist Mutter zweier Kinder im Alter von fünf und zehn Jahren.

Der Weg bei einer Kinderführung muss kürzer sein und sie darf nicht länger als eine Stunde dauern. Aus diesen Eckdaten entwickelte die Wahllübbenerin ihre Familienführung. Gerade in Lübben biete sich dies an, da die Stadt als Urlaubsort für Familien mit Kindern gut geeignet sei. So konzentriert sich die Familienführung auf die wichtigsten Objekte und versucht Fragen zu beantworten, die Kinder in Lübben stellen würden. Nicht fehlen dürfe deshalb die Rolle des Teufels bei der Entstehung des Spreewalds und die Zweisprachigkeit. Am Schloss, am Ständehaus und der Paul-Gerhardt-Kirche erklärt Grit Trefz, wie die Menschen in der Hauptstadt der Niederlausitz früher lebten.

Für Kinder sei es vor allem wichtig, Dinge begreifen zu können, berichtet die Stadtführerin aus der Erfahrung mit ihren eigenen Kindern. Deshalb führt sie die Familien beispielsweise um die Kirche herum, sodass Kinder die Mauern anfassen können. Oder fragt, ob der Weg vom Ständehaus zur Kirche bergauf- oder bergab führt. Die Beobachtung komplettiert Grit Trefz mit Erläuterungen zu den häufigen Stadtbränden. Und weil der Weg vom Rathaus zur Schlossinsel weit ist, erzähle sie unterwegs die Sage der Liuba. Die Idee dazu lieferte das gleichnamige Restaurant und die Frage ihrer Tochter bei einem Probelauf.

Um den Kindern schon während der Führung einige Dinge anschaulich zu machen, entwickelte Grit Trefz ein Begleitheft. Nach ihren Ideen bebilderte der Lübbener Künstler Sebastian Franzka beispielsweise die Liuba-Sage oder das Lübbener Schloss. Und mit der Karte der Schlossinsel können die Kinder den Weg zum Wasserspielplatz selbst finden.