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| 02:42 Uhr

Tolle Ideen von Glockenbaum bis Naschgarten

In Schlepzig haben Andreas Willsch und Chrisiane Schmidt (3. und 4. v. l.) ihre Freude an der Gartengestaltung mit vielen Gleichgesinnten am Tag der offenen Gärten geteilt.
In Schlepzig haben Andreas Willsch und Chrisiane Schmidt (3. und 4. v. l.) ihre Freude an der Gartengestaltung mit vielen Gleichgesinnten am Tag der offenen Gärten geteilt. FOTO: B. Keilbach/bkh1
Gießmannsdorf/Schlepzig. Vielfältig und liebevoll gestaltete Gartenlandschaften waren am Wochenende in der Region zu entdecken. Zum 15. Mal veranstalteten die Volkshochschule Dahme-Spreewald und der Naturpark Dahme-Heideseen die "Tage der offenen Gärten". Birgit Keilbach / bkh1

Wasserplätschern vom nahe dem Wohnhaus gelegenen Springbrunnen empfängt die Besucher nach den ersten Schritten auf dem Grundstück von Ursula Knoll und Andreas Hilbig in Gießmannsdorf. Zwei Wege führen in den weitläufigen Naturgarten. Geradeaus durch die Scheune, in der Trödelsachen und alte Landwirtschaftstechnik zu entdecken sind, oder über die Wiese neben der Scheune.

Von dort aus eröffnet sich der Blick auf einzeln oder in Gruppen platzierte Bäume und Sträucher, blühende Inseln und lauschige Ecken mit Sitzgelegenheiten auf dem weitläufigen Grundstück. Von jeder Ruhezone bietet sich dem Betrachter eine andere Perspektive. Leises Klingen dringt vom alten Apfelbaum an die Ohren der Besucher. Seine zwei Stämme wurden bereits vor Jahrzehnten so gelenkt, dass sie ein großes Öhr bilden. Eine Rundbank lädt an diesem Glockenbaum zum Verweilen ein. Auf dem nahen Komposthaufen picken Hühner und Hahn aus Holz, daneben steht ein Geräteschuppen mit Knick, den Andreas Hilbig gefertigt hat. Am kleinen Gartenteich lädt ein Strandkorb zum Verweilen ein. Von dort aus fällt der Blick auf einen alten Leiterwagen, auf dem Heu gesammelt ist, und auf eine künstliche Ruine, über deren Mauer wilder Wein rankt. Auch sie zieht die Blicke der Besucher auf sich.

Im Jahr 2007 zog das Paar auf den ehemaligen Dreiseitenhof. "Hier war nur eine Wiese mit alten Obstbäumen. Als erste haben wir die zwei Trauerweiden gepflanzt", erzählt Ursula Knoll. Schritt für Schritt entwickelten sie ihren naturnahen Garten weiter. "Wir haben experimentiert, die Pflanzen gezielt angeordnet, um die verschiedenen Sichtachsen zu gestalten, denn auch von der Terrasse aus wollen wir einen freien Blick haben", sagt die Gießmannsdorferin.

Den Besuchern am Samstagnachmittag gefällt es. "Sie haben witzige Ideen in ihrem Garten, wie die selbst gebastelten Klangkörper im Baum", sagt die Berlinerin Yvonne Dewerth. Ihr Bruder Dietrich ist von der künstlichen Ruine beeindruckt. "Und er hat auch noch eine witzige Geschichte dazu erzählt, wie der verkohlte Balken entstanden ist, beim Laub verbrennen", ist er begeistert. "Der Garten strahlt die Ruhe seiner Besitzer aus, es ist ein freundlicher Garten", fügt er an. Simone Beyer aus Kuschkow gefällt "vor allem das Rustikale. Die alten Fenster, die hier integriert sind und die Sitzecken." Gut finde sie auch die Kombination mit dem Trödel in der Scheune. Anregend findet Wolfgang Koebernik aus Zeuthen die Idee mit dem Glockenbaum. Goethes Frühlingsgedicht, "Leise zieht durch mein Gemüt…", sei ihm dabei sofort in den Sinn gekommen. Den eigenen Garten haben er und seine Frau schon seit 1968 gestaltet. "Und heute wollen wir uns umschauen, ob wir unseren auch einmal öffnen könnten", sagt der Zeuthener.

Empfang in grüner Oase

Diesen Entschluss haben Christiane Schmidt und Andreas Willsch in Schlepzig bereits in die Tat umgesetzt. Am Sonntag empfingen sie interessierte Gartenfreunde in ihrer grünen Oase. Vor zwei Jahren begannen sie hier, Hand anzulegen und haben den Mietgarten bereits nach ihren Vorstellungen geprägt. "Auf kleinstem Raum soll zu jeder Zeit etwas blühen", erläutert Christiane Schmidt das Prinzip. Vor einer Klinkermauer ranken Brombeeren im Holzgitter, davor locken reife Tomaten zum Hineinbeißen und farbenfroh grenzen Eisblumen den Weg ab. Blühende Hortensien, Gehölze und Blumenkübel sind großzügig in der Nähe des Hauses angeordnet und engen den Blick nicht ein. Wurzeln, gemauerte Hochbeete und Wege aus farbigen Pflastersteinen setzen auf dem Kies rustikale Akzente. Auf der großen Wiese belebt ein ovales Blumenbeet, auf dem auch Paprika, Tomaten und Zucchini gedeihen, das Grün.

"Das ist unser Naschgarten", sagt Christiane Schmidt. Zwischen der üppigen Blumenpracht geben Findlinge dem Auge Ruhe. Weiter entfernt hält ein Rosenbogen, in dem ein altes Fahrrad platziert ist, den Blick fest. "Das ist fantastisch, diese Weite und die Vorstellungen der Gärtner gefallen mir", sagt Ilse Kühnel aus Königs Wusterhausen. Von Anfang an nutze sie jedes Jahr die Tage der offenen Gärten, um sich einige anzuschauen. Am Sonntag hatte sie sich bereits einen Kakteengarten in Eichwalde angesehen. "Das hat mich beeindruckt. Jeder Garten ist anders und das ist das Gute daran. Und es gibt einem selbst wieder Auftrieb und neue Ideen für den eigenen Garten", ergänzt Ilse Kühnel.

Die Schlepziger Hobbygärtner sind bereits mit den nächsten Besuchern im Gespräch. "Mit so einer großen Resonanz hätten wir nicht gerechnet", resümiert Christiane Schmidt erfreut.