Von Katrin Kunipatz

Konsequenz hat sich in dem kleinen Ort Wußwerk ausgezahlt. Einige Jahre ist es her, dass eine Seniorin vier kleine Kätzchen aus einem Brunnen rettete. „Wahrscheinlich waren sie der Mutter gefolgt und dort hineingefallen“, erinnert sie sich. Die kleinen Miezen kletterten in den Korb zum Futter und ließen sich heraufziehen. Selbst behalten konnte und wollte die Rentnerin die Tiere nicht, und das Tierheim nimmt verwilderte Hauskatzen nicht auf. Sie lassen sich schlecht vermitteln, weil sie oft sehr menschenscheu bleiben.

Aber die Katzen einfach ihrem Schicksal überlassen, wollte die Wußwerkerin auch nicht. Der entscheidende Hinweis kam von ihrer Nachbarin Franziska Fischer. „Für herrenlose Katzen ist das Ordnungsamt zuständig“, erläutert sie gegenüber der RUNDSCHAU. Gesunde Tiere dürfen aber nicht getötet werden, doch wenn sie vor Ort bleiben, vermehren sich diese Katzen unkontrolliert. Immer mehr Tiere konkurrieren um Nahrung, die selten für alle reicht. Die Folge sind schwache, anfällige und oft kranke Tiere, die sogar zur Gefahr für Haustiere werden können.

Die einzige Lösung ist es, die herrenlosen Katzen einzufangen und beim Tierarzt kastrieren oder sterilisieren zu lassen. Aber das geht nicht umsonst. Tierärztin Anke Brauer ist Vorsitzende des Lübbener Tierschutzvereins. Sie hat 40 Jahre lang als Tierärztin Klein- und Großtiere behandelt und erläutert, dass der Deutsche Tierschutzbund auf Antrag für Katzen 50 und für Kater 20 Euro an den Tierarzt bezahle. Diese Summe decke zwar nicht alle Kosten, ermögliche es jedoch die Behandlung durchzuführen, so Brauer. Ziel sei es, die weitere Vermehrung der Katzen zu unterbinden.

In Wußwerk jedenfalls haben die beiden engagierten Damen innerhalb weniger Jahre das Problem in den Griff bekommen. Etwa ein Dutzend Katzen besuchten anfangs regelmäßig die Futterstelle. Alle wurden eingefangen und kastriert oder sterilisiert. An einer kleinen Markierung am Ohr ist erkennbar, dass die Tiere nicht mehr potent sind. Im vergangenen Jahr gab es noch einmal zwei Jungtiere. Sie und ihre Mutter wurden ebenfalls eingefangen und operiert. Seitdem bleibe die Population stabil, beobachtet Franziska Fischer. Einige zahme Tiere konnten sogar vermittelt werden.

Jetzt erscheinen zwischen acht und neun Katzen an der Futterstelle, um die sich die Rentnerin kümmert. Futter erhalte sie vom Tierschutzverein Lübben. Zuvor habe sie teilweise bis zu 100 Euro für die herrenlosen Katzen ausgegeben, so die Wußwerkerin. Ans Herz gewachsen ist ihr eine dreibeinige Katze, die sie Susi getauft hat. Nun hofft die Seniorin ihr Zutrauen zu gewinnen, um sie als neue Katze ins Haus zu holen. Denn ihre eigene Hauskatze sei vor wenigen Wochen im Alter von 18 Jahren gestorben. Etwas zutraulicher sei Susi schon und folge der Rentnerin bis auf den Hof.

Für Anke Brauer vom Tierschutzverein Lübben sind engagierte Menschen, wie die fütternde Wußwerkerin und Franziska Fischer wichtig. „Dankbar sind wir auch für die vielen Futterspender, die beim NP-Markt an der Berliner Chaussee regelmäßig etwas in die Futterspendenbox einwerfen“, sagt Brauer. Schön sei es auch, dass die Marktleitung dies ermögliche. Im vergangenen Jahr habe der Tierschutzverein außerdem 500 Euro von Marktkauf erhalten. Dort waren die Kunden aufgefordert worden, Pfandzettel für den Lübbener Verein zu spenden.

„Alles hilft“, freut sich die Vereinsvorsitzende. Ein Teil der Futterspenden gehe an Rentner, die es sich sonst nicht leisten könnten ein Haustier zu halten und ganz allein wären. Weiterhin unterstützt der Verein mit den Futterspenden die Betreuer einer Futterstellen, wenn die Tiere zuvor kastriert oder sterilisiert wurden. Diese festen Treffpunkte erlauben es, einen Überblick über die herrenlosen Katzen zu behalten. Irgendwann laufen diese Futterstellen aus, wenn keine jungen Katzen nach kommen, weiß Brauer.