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„Thommy“ Schwiesow eröffnet Ausstellung im blauen Kittel

„Thommy“ Schwiesow im blauen Kittel, wie ihn die Lübbener kennen, und mit seiner Enkeltochter Pauline.
„Thommy“ Schwiesow im blauen Kittel, wie ihn die Lübbener kennen, und mit seiner Enkeltochter Pauline. FOTO: 3N
Lübben.. Ein Festakt im Lübbener Wappensaal und eine Sonderausstellung „100 Jahre Buchbinderei und Papiergeschäft Schwiesow“ mit Raritäten aus einem Jahrhundert Buchbinderei-Geschichte – damit beging Reinhard „Thommy“ Schwiesow ein Jubiläum. 3N

Das Geschäft in der Breite Straße 26 in Lübben wurde im Jahr 1907 eröffnet. Das Geschäft war das Hochzeitsgeschenk des Brautvaters Eduard Gohmert, Rittergutsbesitzer zu Blumenfelde bei Lübben, zur Vermählung seiner Tochter Pauline mit dem Buchbinder-Junggesellen Alfred Schwiesow sen. im Dezember 1907.
Neben Ex-Bürgermeister Hellmuth Franzka, Stadtverordneten, Handwerkern und Gewerbetreibenden waren viele Lübbener, Freunde und auswärtige Gäste in den Wappensaal gekommen. In der Laudatio war der Lübbener Historiker Rolf Ebert, gleichzeitig der ehemalige Geschichtslehrer des Schülers Reinhard Schwiesow, vor allem auf die im Geschäftseröffnungs-Inserat genannten Ziele der Buchbinderei und des Papiergeschäfts eingegangen. "Alle mich Beehrenden reel, billig und zur vollen Zufriedenheit zu bedienen", heißt es dort „und genau diese Eigenschaften sind die herausstechenden Charaktere des jetzigen Besitzers, der die Firma in dritter Generation als Familienbetrieb führt“ , so der Laudator Rolf Ebert.
Er verstand es, die firmenspezifischen Ereignisse in den großen historischen Kontex zu setzen und gleichzeitig Lübbener Stadtgeschichte einfließen zu lassen. Ob die hervorragende Ausbildung der Buchbinder-Meister Schwiesow, die er mit Worten Fontanes würdigte, oder die treue Seele des Jugendstil-Geschäfts Fräulein Susanna Ackermann - Rolf Ebert fand die passenden Formulierungen.
Die Herzenswärme, die "Thommy" Schwiesow ausstrahlt, lobte Bettina Richter vom Geschäft Haintor-Blümchen, dem Nachbarladen der Buchbinderei. Deshalb habe ihre Familie gern die Aufgabe übernommen, als Haintor-Quartett mit "Befiehl du meine Wege" und „Ave Maria“ den einstündigen Festakt musikalisch zu umrahmen.
Doch "Thommy" Schwiesow wäre wohl nicht die stadtbekannte Persönlichkeit, wenn er nicht auf die ihm eigene Art und Weise dem Festakt zum Höhepunkt, der Ausstellungseröffnung "100 Jahre Buchbinderei und Papiergeschäft" im Museum, verholfen hätte: Er warf sich seinen blauen Arbeitskittel über - "Erst jetzt bin ich der, den ihr alle kennt" -, holte er ein altes Telefon hervor, um mit Großvater Alfred Schwiesow auf Wolke 7 Kontakt aufzunehmen. "Dieser gab voller Stolz auf seine Nachfahren dann auch die Erlaubnis, mit Großmutter Paulines alter Schere die von ihr gedrehte Kordel zu durchschneiden." "Thommy" Schwiesow betrat dann als erster mit seiner Enkeltochter Pauline die Ausstellungsräume und stellte voller Stolz fest: "So schließt sich der Kreis von Pauline zu Pauline."
Sohn Matthias wird in vierter Generation die Buchbinderei Schwiesow übernehmen. Das Handwerkszeug ist anderes als bei Vater und Großvater, doch sein Handwerk, die Buchbinderei, versteht auch der Junior, wovon sich die zahlreichen Besucher der Ausstellung überzeugen konnten. Doch der Blickfang waren die im Goldrücken gefassten Buchexemplare des Großvaters, "auf die auch ich mächtig stolz bin", so Matthias, der das einstige Hochzeitsgeschenk künftig im Familienbesitz weiterführen will.
Die Sonderausstellung im Museum ist bis zum 15. Februar zu sehen. (fs)