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Gedenken
Erinnerungsarbeit an Ringgrab

Zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus sind im Ringgrab an der Mahn- und Gedenkstätte Lieberose Kränze niedergelegt worden.
Zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus sind im Ringgrab an der Mahn- und Gedenkstätte Lieberose Kränze niedergelegt worden. FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Lieberose. Gedenken an Szmul Kohn in einer Veranstaltung zur Auflösung des KZ-Nebenlagers Lieberose. Von Ingrid Hoberg

Die Zahlen der Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, in Konzentrationslagern litten und ums Leben kamen „sind so monströs, dass sie nicht vorstellbar sind“, sagte Eberhard Richter zur Eröffnung der Gedenkveranstaltung am Freitagnachmittag in der Mahn- und Gedenkstätte Lieberose. „Jedes einzelne Opfer ist unfassbar“, betonte der Vorsitzende des Ortsvorstandes der Linken und Stadtverordneter in Cottbus.

Den Tag der Opfer des Nationalsozialismus nehmen Lieberoser alljährlich zum Anlass, an die tragischen Ereignisse vor nunmehr 73 Jahren zu erinnern. Am 2. Februar 1945 wurden zur Auflösung des KZ-Nebenlagers Lieberose fast 2000 Häftlinge auf den Todesmarsch nach Sachsenhausen geschickt. Viele fanden den Tod, wurden zum Teil von den SS-Wachmannschaften erschossen. Der Verein zur Förderung der antifaschistischen Mahn- und Gedenkstätte Lieberose nimmt diesen internationalen Gedenktag zum Anlass, an eine Gruppe von Häftlingen in der aktuellen Ausstellung zu erinnern. „Diesmal stehen die sowjetischen Häftlinge im Mittelpunkt“, sagte Peter Kotzan, Vorsitzender des Vereins. Er hat diese Ausstellung gestaltet und erinnert an Viktor Baraschnikow. Er war Lagerarzt im KZ-Nebenlager Lieberose. 1985 erhielten das Landambulatorium und die Kinderkrippe seinen Namen verliehen.

„Wir wollen an das Schicksal des Einzelnen erinnern“, erklärte Peter Kotzan. Diesmal wurde im Anschluss zur Kranzniederlegung im Ringgrab eine Tafel für den polnischen jüdischen Häftling Szmul Kohn enthüllt. Peter Kotzan hatte ihn bei einer seiner Israel-Reisen kennengelernt. Ob der am 26. Dezember 1927 in Lodz geborene Kohn noch lebt, ist in Lieberose nicht bekannt. Doch sein Schicksal wurde nun dokumentiert. Er entstammte demnach einer wohlhabenden jüdischen Familie mit sieben Kindern. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen wurde der Vater von Szmul Kohn im November 1939  erschossen, die Familie kam ins Ghetto. 1944 wurde er bei der Auflösung des Ghettos nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Nach einem Vierteljahr Ausbildung in der Maurerschule und schwerer körperlicher Arbeit wurde Szmul mit den meisten seiner Kameraden zum KZ Sachsenhausen und von dort zum Nebenlager Lieberose transportiert. Es folgte das KZ Mauthausen, ehe im April 1945 ein weiterer Marsch nach Gunskirchen führte. Das war die letzte Etappe seines Leidenswegs, am 4. Mai wurden die Häftlinge von amerikanischen Truppen befreit. Nach der Befreiung ging Kohn nach Italien, reiste nach Palästina weiter – so hat Peter Kotzan die Geschichte von Szmul Kohn zusammengetragen.

„Es ist die Aufgabe der weltlichen und der geistlichen Gemeinde von Lieberose, der vergessenen Menschen zu gedenken“, sagte Pfarrerin Susanne Brusch. Die evangelische Kirchengemeinde ist Träger der Gedenkstätte in Jamlitz. Das in den 1930 Jahren errichtete Konzentrationslager war nach dem Krieg das Speziallager Nr. 6 der sowjetischen Militäradministration. Die Grauen der Lager sind unvorstellbar, aber harte Realität“, sagte die Pfarrerin. Sie habe Menschen aus beiden Lagern kennengelernt.

Mit dem Song „Imagine“ von John Lennon, den Susanne Brusch vortrug, brachte sie die Hoffnung auf eine bessere Welt zum Ausdruck.