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Syrien – wie es nie wieder sein wird

Fotografin Sabine Steputat und Autorin Anna Löfken im Jahr 2005 nahe Palmyra. Sie bereisten Syrien für eine Reisereportage gemeinsam. Anna Löfken wird auch zur Ausstellungseröffnung nach Lübben kommen.
Fotografin Sabine Steputat und Autorin Anna Löfken im Jahr 2005 nahe Palmyra. Sie bereisten Syrien für eine Reisereportage gemeinsam. Anna Löfken wird auch zur Ausstellungseröffnung nach Lübben kommen. FOTO: pr
Luckau/Lübben. Für eine Reisereportage ist Sabine Steputat 2005 in Syrien unterwegs gewesen. Ihr gefielen das Land und seine Menschen. Ihre Fotos von damals stellt sie nun Bildern aus dem heutigen zerstörten Syrien in einer Ausstellung in Lübben gegenüber. Birgit Keilbach / bkh1 bkh1

"Es ist eine Welt, die geht gerade unter. Ein großer Teil des Weltkulturerbes ist schon für immer unwiederbringlich vernichtet", sagt Sabine Steputat. Die heute in einem kleinen Ort bei Luckau lebende freiberufliche Fotografin reiste 2005 mit der Bagdadbahn von Istanbul über Aleppo, Hama und Palmyra bis Damaskus. Sie erlebte Syrien als ein wunderschönes Land voller Kulturschätze und Freundlichkeit. "Überall begegnete uns große Gastfreundschaft. Ich bin entsetzt darüber, wie innerhalb nur weniger Jahre aus dem Land ein Kriegsschauplatz werden konnte, der den Menschen unsagbares Leid bringt und sie veranlasst, ihre Heimat zu verlassen." Seit Ausbruch des Bürgerkrieges denke sie an jene Menschen, denen sie während ihrer Reise begegnete.

Besonders stark bewegte sie das Pressefoto vom zerstörten Yarmouk-Viertel in Damaskus, das um die Welt ging. "Es ist mein Herzensfoto. Es hat mich motiviert, meine Fotos von Syrien vor dem Bürgerkrieg den heutigen Bildern gegenüberzustellen", erklärt Sabine Steputat. Ihr sei es wichtig zu zeigen, aus welcher Kultur die geflüchteten Menschen kommen, wie sie in ihrer Heimat lebten und was sie durch den Krieg verloren haben. Auf zehn Aufstellern veranschaulicht sie unter anderem, wie das Leben im Basar von Aleppo pulsierte. Heute ist das zwölf Kilometer lange Gewirr überdachter Einkaufsstraßen, dessen Ursprung auf Alexander den Großen zurückgeht, weitgehend zerstört. Die von ihr fotografierten Szenen im Café vor der Zitadelle von Aleppo wird es so nie wieder geben. Heute sind dort Bomben trichter zu sehen. "Über 4000 Jahre alte Kulturstätten sind teilweise oder ganz zerstört, Bomben fielen auf den Krak de Chevaliers, die älteste Kreuzritterburg des Vorderen Orients. Über Palmyra heute wissen wir nichts, haben auch keine Bilder", sagt Sabine Steputat. Sie will mit ihrer Schau dazu anregen sich mit Syrien, seiner Geschichte und den Menschen, die ihre Heimat wegen des Krieges verlassen mussten, zu beschäftigen.

Zum Thema:
Die Fotoausstellung von Sabine Steputat mit dem Titel "Woher-Wohin" wird am Montag, 11. Januar, um 17 Uhr in der Vertikale Galerie im Lübbener Landratsamt im Beethovenweg eröffnet. Zu Gast ist Prof. Dr. Mamoun Fansa, der in Aleppo geboren wurde, und über die Zerstörung des Weltkulturerbes in Syrien sprechen wird. bkh1