„Wir haben das Massengrab in Jamlitz noch nicht finden können“ , sagte Geert Piorkowski, stellvertretender Sprecher des Innenministeriums, resigniert. In der Nähe des Waldfriedhofes, schon im Spree-Neiße-Kreis gelegen, wird ein Massengrab jüdischer ungarischer Häftlinge des Außenlagers Lieberose des Konzentrationslagers (KZ) Sachsenhausen vermutet.

Mehr als 1000 Häftlinge erschossen
Nach vorliegenden Erkenntnissen erhielt die Lagerführung Ende Januar des Jahres 1945 den Befehl zur Evakuierung des Lagers und zur Ermordung der nicht marschfähigen Häftlinge. In der Folge wurden in dem KZ-Außenlager zwischen dem 2. und 4. Februar des Jahres 1945 mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 1300 und 1600 jüdische Häftlinge erschossen. In den Jahren 1959 und 1971 sind die Gebeine eines Teils der Opfer gefunden worden. Wo die anderen ermordeten KZ-Häftlinge liegen, ist bis heute ungeklärt.
Die am 25. September begonnenen Grabungen wurden am 12. Oktober abgeschlossen. Das Team der Denkmalpflege fand laut Geert Piorkowski abgegrenzte Grabstätten mit den Gebeinen mehrerer Toter. Nach Untersuchungen unter Einbeziehung der Rechtsmedizin handele es sich dabei zweifelsohne nicht um die gesuchten KZ-Opfer, sondern offenbar um Opfer aus dem sowjetischen Speziallager Nummer sechs, das von den Jahren 1945 bis 1947 bestand. Das Speziallager war auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers errichtet worden.
Mit den jüngsten Grabungen ist die Suche nach den jüdischen KZ-Opfern jedoch nicht abgeschlossen. Das Innenministerium werde seine Bemühungen fortsetzen, das jüdische Massengrab zu finden, erklärte Geert Piorkowski. Würde das Massengrab gefunden werden, wäre es sofort ein Thema für die Staatsanwaltschaft, sagte er weiter. Da Völkermord nie verjährt, käme es womöglich zu Anklagen gegen die Täter.

Gewissheit über das Schicksal
„Darüber hinaus könnte den Hinterbliebenen endlich Gewissheit über das Schicksal der Häftlinge gegeben werden“ , so der Pressesprecher. Wann allerdings die Sucharbeiten wieder aufgenommen werden, ist bislang noch offen.

Hintergrund Vier Jahre Lager
 Das Außenlager Lieberose des Konzentrationslagers Sachsenhausen wurde im Jahr 1943 östlich von Jamlitz errichtet. Die Häftlinge mussten beim Aufbau des Truppenübungsplatzes „Kurmark“ helfen. Bei der Lager evakuierung im Winter 1945 kam es zur Massenerschießung jüdischer Häftlinge. Ab Herbst 1945 wurde das Gelände als sowjetisches Speziallager Nummer sechs genutzt. Von den über 10 000 Gefangenen überlebten rund 4000 die unmenschlichen Bedingungen nicht. Im April 1947 erfolgte die Auflösung des Lagers.