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Studenten lüften Geheimnisse der Stöbritzer Kirche

Studenten haben die Stöbritzer Kirche vermessen.
Studenten haben die Stöbritzer Kirche vermessen. FOTO: S. Wagner
Luckau. Gotische Fenster sind verändert und einige Gebäudeteile sind älter als bislang angenommen: Vermessungsarbeiten von Studenten haben zu neuen Erkenntnissen über die Stöbritzer Kirche geführt. red/bt

Rege Betriebsamkeit hat kürzlich in dem sonst so ruhigen Ortsteil Stöbritz von Luckau geherrscht. Auf Anregung des Fachgebiets Bauforschung des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) führten Studenten eine Übung in der Nahbereichs-Photogrammetrie, einem speziellen Messverfahren, an der Stöbritzer Kirche durch. Betreut und angeleitet wurden sie von Prof. Martin Kähler und seinen Mitarbeitern vom Photogrammetrielabor der Berliner Beuth-Hochschule.

Die Studenten setzten moderne Vermessungsmethoden ein, um die Außenhülle des Gebäudes zu erfassen und ein dreidimensionales Computermodell zu erstellen. Die entstehenden Bildpläne und das Raummodell können innerhalb eines Kooperationsvertrags zwischen der Hochschule und dem Denkmalpflegeamt zur Erforschung der Bau- und Restaurierungsgeschichte genutzt werden.

Die von den Studenten geschaffenen Unterlagen sind Grundlage für ein Sicherungskonzept, um das Gemäuer auch in der Zukunft erhalten zu können. Nach bisherigem Kenntnisstand ging man davon aus, dass der rechteckige Feldsteinbau mit westlich angefügtem Turm aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts stammt. Erste bauhistorische Beobachtungen durch die Mitarbeiter des BLDAM zeigten jedoch, dass die Kirche in mehreren Etappen errichtet wurde. Es gibt auch einige Hinweise, die eine frühere Entstehungszeit einzelner Gebäudeteile vermuten lassen. In barocker Zeit veränderte man die gotischen Fenster und versah sie mit Korbbögen. Zusätzlich entstand spätestens zu dieser Zeit im Norden und Süden jeweils eine Loge für die Patronatsherren.

Mitte der 1950er Jahre wurde die südliche Loge abgebrochen und die barocke Innenausstattung der Kirche durch schlichtere Einbauten ersetzt. Besonders wertvoll sind die erhaltenen mittelalterlichen Putzreste an den Außenwänden der östlichen Gebäudehälfte, die eine Quaderritzung aufweisen. Darüber hinaus war der gerade Ostgiebel reich gestaltet, der als Rahmungen um die ursprünglichen Spitzbögen der drei Fenster eine Quadermalerei im Wechsel von roten und putzfarbenen Feldern aufwies. Das wiederholt sich als Band oberhalb dieser Fenster. Unterhalb des obersten Blindfensters im Giebeldreieck vervollständigen aufwendige kreisrunde Ritzungen mit Resten von Rotfassungen in einer Frieszone die ursprüngliche Gestaltung. Sie sind damit eines der wenigen in wesentlichen Teilen noch erhaltenen Beispiele für eine farbig gestaltete mittelalterliche Putzfassade im Land Brandenburg.