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Strippenzieher und Nachtgefährten

Die Lübbener Schmorgurken in echt und in Öl - mit Künstlerin Monika Schubert in der Mitte. Zur Feier des Bildes - eines der Hauptwerke der Ausstellung - und der Vernissage gab es am Mittwoch im Lübbener Landratsamt einen kurzen Auftritt der Combo.
Die Lübbener Schmorgurken in echt und in Öl - mit Künstlerin Monika Schubert in der Mitte. Zur Feier des Bildes - eines der Hauptwerke der Ausstellung - und der Vernissage gab es am Mittwoch im Lübbener Landratsamt einen kurzen Auftritt der Combo. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Ob sie wollten oder nicht – Monika Schubert hatte sie alle. Naja, fast. Eine ganze Reihe sehr bekannter Lübbener und Menschen aus dem Spreewald hängt seit dieser Woche in Öl auf dem Flur des Landratsamts an der Lübbener Reutergasse, der Horizontale-Galerie. Ingvil Schirling

Realistisch porträtiert von der Lübbenerin, durch den Bildhintergrund, der Fantasie der Malerin entsprungen, allerdings in einen verfremdeten Kontext gestellt. Nicht alle wussten, dass sie zum künstlerischen Objekt wurden. Von denen, die eingeweiht waren, gehen nicht alle mit dem Ergebnis hundertprozentig mit. Müssen sie auch nicht, schließlich ist es eine künstlerische Arbeit. Manche aber waren sehr zufrieden.

Sylvia Lehmann beispielsweise, Kreistags- und Landtagsabgeordnete und derzeit Bundestagskandidatin, bekannte lachend, sie würde das Bild von ihr am liebsten direkt als Wahlkampf-Plakat verwenden. Es zeigt sie mit typischem Halstuch, zwischen zarten Herbstzweigen, ein Regierungsgebäude im Hintergrund, ein Mädchengesicht neben sich. Kreistagsvorsitzender Martin Wille, der auch die Laudatio hielt, ist unter dem Titel "Leitfaden" gemalt. Wer ihn sieht, hinter langen Fäden stehend, denkt unwillkürlich an einen Strippenzieher - was der Lübbener eher der Vergangenheit als früherer Landrat zuordnet. Sein Nachfolger Stephan Loge ist ebenfalls verewigt und schaut durch mit vielen Augen besetzte Zweige auf den Betrachter.

Ein prominentes Gesicht nach dem anderen hängt somit an den Wänden. Doch um den Menschen dahinter soll es nicht gehen, sondern um das Bild, das die Künstlerin mit dem bekannten Antlitz im Zentrum kreiert. "Mir geht es im Prinzip darum, dass es einen Inhalt bekommt", erklärte sie im Künstlergespräch. Die Person, die porträtiert wird, soll somit in den Hintergrund treten. Sie wird "im Prinzip egal", sagte Monika Schubert.

Die Frage ist also: Steckt nicht ein bisschen Strippenzieher, Nachtgefährte oder Sternenfänger in jedem von uns? Der Lübbener Frank Selbitz ist als Nachtwächter verewigt, der in dieser Rolle für Sicherheit in dunklen Zeiten sorgen soll - so, wie einer dem anderen ein Licht in den schwärzesten Stunden sein kann.

Ob diese Idee bei allen Bildern aufgeht, ist allerdings zumindest fraglich. Gerade dass die Personen realistisch dargestellt sind, steht dem grundsätzlich entgegen. Die Arbeiten spiegeln vor allem, wie die Lübbener Malerin die prominente Person sieht. Entstanden sind sie aus Fotografien, die - zumindest in einem Fall - heimlich aufgenommen wurden, wie Monika Schubert beim Künstlergespräch sagte.

Am ehesten nachvollziehbar ist die Idee der vielseitig kreativen Lübbenerin im Porträt des Wander- und Reiseführers Uwe Neumann. Gedankenverloren lächelnd, sitzt er auf einer Bank, gelbe Blätter fallen um ihn her, eins lässt sich wie ein zarter Vogel auf seiner Hand nieder. So sieht man den umtriebigen Lübbener selten - und doch könnte dieser Moment des selbstvergessenen Ausruhens im Hier und Jetzt durchaus ein Sehnsuchtsort für viele Menschen sein.