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| 01:03 Uhr

Strenge Herrin flirtete mit den Zwergen

Schönwalde.. Man hat es ja schon immer gewusst. Ganz so harmlos wie uns stets vorgegaukelt wird, sind die sieben Zwerge nicht. Sie lassen ganz schön die Sau raus, wenn sie dürfen. Auch Schneewittchen hat es faustdick hinter den Ohren. Doch das war auch gut so, denn es brachte jede Menge Spaß. Von ANDREAS STAINDL

Schließlich war am Samstag Maskenball in Schönwalde. Fünf Motive mit etwa 15 Akteuren stellten sich dem Publikum. Ein wenig enttäuscht war Bürgermeister Roland Gefreiter da schon. Immerhin wurden zur Neuauflage der Schönwalder Maskenbälle vor drei Jahren 16 Masken gezählt. Nach einigen Jahren Pause hatte sich der Dorfclub 2002 wieder an die Traditionsveranstaltung im Ort gewagt.
Doch so richtig zündet die Rakete noch nicht. „Schade, dass sich unsere Jugend mit der Rolle des Zuschauers begnügt. Sie ist doch kreativ. Wenn einer den Anfang machen würde, wäre das Eis sicher gebrochen“ , vermutet Gefreiter. Viele der jungen Gäste kamen auch erst nach der Demaskierung. Sie haben etwas verpasst.
Etwa, wie die strenge Herrin mit ihrem Sklaven durch den Saal zog und den Männern den Kopf verdrehte. Auch mit den Zwergen flirtete sie, ließ keine Gelegenheit aus. „Warum sollte ich? Schließlich ist Maskenball und es macht Spaß. Die Zeiten sind halt härter geworden, und man muss sehen, wie man sein Geld verdient“ , verriet die strenge Herrin geheimnisvoll. An drea Becker fühlte sich offensichtlich wohl in ihrer Rolle. Im wahren Leben ist die Schönwalderin Krankenschwester.
Einen schweißtreibenden Job hatte ihr Sex-Sklave, der ihr oft auf allen Vieren durch den Saal folgte. Jene, die in diese Rolle schlüpfte, spielte sie jedenfalls gut. „Schreiben sie bloß nicht meinen Namen in die Zeitung“ , bat sie nach der Demaskierung, wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und lachte über den gelungenen Spaß.
Auch Wolfgang Klausch strahlte mit den Scheinwerfern um die Wette. Er war in weißen Tüll geschlüpft und gab das Schneewittchen. „Eigentlich keine Rolle für mich, weil zu brav. So richtig wohl fühle ich mich, wenn ich über Tische springen kann“ , gestand er. Ganz leugnen konnte er dieses Verlangen aber auch am Samstag nicht. Klausch wohnt in Staakow, stammt aber aus Schönwalde. „Ich liebe Maskenbälle, war schon oft dabei“ , schwärmt er.
Für Yvonne Laser und Markus Pehla sind diese Veranstaltungen Neuland. Das junge Paar zog erst im Vorjahr von Dürrenhofe nach Schönwalde. „Prima, dass es hier Maskenbälle gibt. Das erleichtert die Integration zusätzlich“ , sagt der junge Mann, der am Samstag gleich noch Bekannte mitbrachte. Als Scheichs zogen er und seine Freundin durch den Saal, „demnächst als echtes Brautpaar durch das Haus Kulick“ , verriet der Bürgermeister.
Eine Zusatzschicht legte der Weihnachtsmann ein. Mit Wintermantel und dicken Stiefeln stapfte er durch das Sportlerheim. „Ich hatte noch kurz zuvor überhaupt keine Idee. Da hab' ich halt den Weihnachtsmann gemacht“ , erklärte Gritta Laurenz. Eine schweißtreibende Entscheidung, wie sich später herausstellte. „Jetzt geht's erst einmal unter die Dusche und dann bin ich wieder hier“ , kündigte sie an.
Eine gut durchblutete Haut zeigte sich auch unter den Masken der beiden Marktfrauen, hinter denen ein junges Paar aus Zützen steckte. Mit kleinen Häppchen verwöhnten sie das Publikum und wollten so punkten.
Am Ende ging keine Maske leer aus. Jeder Teilnehmer erhielt einen Preis. Nur die Torte blieb einsam zurück. Die hatte Wirtin Angela Dominik extra gebacken - und schließlich doch nicht umsonst. Das Organisationsteam ließ sich die Leckerei schmecken.
Im Saal war inzwischen die Tanzfläche für alle Gäste freigegeben. „Im nächsten Jahr gibt es wieder einen Maskenball“ , kündigte Roland Gefreiter an. Vielleicht erfüllt sich ja dann tatsächlich der Wunsch des Schönwalder Bürgermeisters nach ein paar Masken mehr.