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Spreewald
Straupitzer Paar pflegt Storch mit gebrochenem Bein

Der Pflegestorch in Neu Zauche.
Der Pflegestorch in Neu Zauche. FOTO: Jürgen Harnath
Neu Zauche. Die Storchenheilung im Ort grenzt an ein Wunder: Im vergangenen Frühsommer hat Gärtnermeister Werner Staritz beobachtet, wie ein Storchenjunges aus dem Nest gefallen war. Da er mit seiner Frau Ingrid schon zweimal Jungstörche mit der Hand aufgezogen hatten war klar: Auch diesem muss geholfen werden! Und so richtete sich der Tagesablauf der Familie ab sofort nach dem gefiederten Findling.

Das Gärtnerehepaar wohnt in Straupitz. Bei der täglichen Autofahrt zur Gärtnerei nach Neu Zauche und zurück hatte es einen kleinen zusätzlichen Fahrgast. Dieser nahm das Ganze ziemlich gelassen. Auch der Trubel in der Gärtnerei und die neugierigen Kunden schienen ihm eher zu gefallen. Hauptsache, er bekam pünktlich sein Futter und die dazugehörigen Streicheleinheiten.

In den folgenden Wochen entwickelte sich der Kleine prächtig, und Ende August stand seinem Abflug nach Afrika nichts mehr im Wege. Er verließ die Gärtnerei auch bald, kam aber immer noch abends zur Fütterung. „Irgendwann war er dann doch weg. Wir dachten, er wäre wie die anderen Störche abgeflogen. Doch am folgenden Samstagmorgen stand ein ‚Häufchen Elend’ wieder auf unserem Hof und blutete. Ein Bein war gebrochen“, erzählte Ingrid Staritz.

Das Ehepaar fuhr mit dem Pechvogel zum Tierarzt. Gerhard Wangerin und eine Vogelexpertin machten wenig Hoffnung. Das Bein würde absterben, lautete die Prognose. Tierarzt Wangerin wusste allerdings, dass Werner Staritz so schnell nicht aufgeben würde. Und so wagte er, das Bein zu retten, was eigentlich unmöglich schien. Es war ein glatter Bruch. Dieser wurde mit kleinen Holzstäbchen fixiert. Der gefiederte Patient bekam schließlich einen Gipsverband verpasst.

Die folgenden Wochen verbrachte der kleine Storch mit Antibiotika-Gaben und in völliger Ruhe im Spreewald. Und plötzlich geschah das, woran keiner geglaubt, aber alle gehofft hatten: Der Kleine fing bald wieder an, in der Gegend herumzulaufen. Ende Oktober stieg die Spannung noch einmal für alle Beteiligten: Gerhard Wangerin entfernte den Gipsverband. „Es war alles wunderbar verheilt, man sieht nichts mehr von der Verletzung und der Storch ist in keinster Weise eingeschränkt“, sagte Ingrid Staritz freudig.

Nun überwintert der Adebar in der Gärtnerei und kann sich der Aufmerksamkeit aller gewiss sein, sowohl von Familie Staritz als auch der Kundschaft der Gärtnerei. Da Werner Staritz derzeit krankheitsbedingt ausfällt, kümmert sich Ehefrau Ingrid um das Wohl des Wintergastes. Allerdings fehlen Würmer und Mäuse auf seinem Speiseplan, dafür gibt es Hunde- und Katzenfutter. „Darum muss sich Werner kümmern, wenn er wieder gesund ist“, sagte Frau Staritz.