Von Katrin Kunipatz

Seit der Verkehr wieder in beiden Richtungen über den nagelneuen Houwald-Damm rollt, kehrt für die Anwohner Normalität ein. Dort treiben sie einige Sorgen um: Während auf der Fußgängerinsel jedes Auto, das von der Straße abkommt von einer senkrechten Granitplatte gestoppt würde, gibt es in Richtung Bubak und Architekturbüro keine vergleichbaren Barrieren. Die Inhaberinnen fürchten deshalb, dass ein Lkw, der die Kurve zu schnell nimmt und von der Straße abkommt, erst an den Gebäuden zum Stehen kommt.

Lübbener Gaststätte am Houwald-Damm wieder sichtbar

Trotzdem ist Verena Jung, Inhaberin der Gaststätte Bubak, erleichtert, dass ihr Restaurant für die Gäste wieder sichtbar ist. Andererseits fürchtet sie den Winter. „Normalerweise muss ich in der Saison Rücklagen erwirtschaften, um über den Winter zu kommen“, sagt sie.

Diese Möglichkeit wurde ihr in diesem Jahr durch die Baustelle genommen. Über die Hälfte des Umsatzes habe sie verloren. Gleichfalls ist Jung erleichtert, dass ihre Vermieterin die Pacht vorläufig reduziert habe.

Unterstützung durch die Stadt gab es dagegen kam, so die Bubak-Inhaberin. Das einzige Werbeschild, das für die Unternehmen hinter dem Bauzaun aufgestellt wurde, sei viel zu klein und unauffällig gewesen.

Ein eigenes Banner, das Jung selbst anbrachte, wurde dagegen ohne Rücksprache einfach abgeschnitten. Zwar werde das Bubak – beauftragt durch die Stadt – bei der Eröffnungsfeier für die Getränke sorgen, damit ließen sich die Einnahmeausfälle der vergangenen sieben Monate nicht auffangen.

Grünanlage am Houwald-Damm beschäftigt Anwohner

Und noch ein drittes Problem beschäftigt die Anliegern des Ernst-von-Houwald-Damms 5 bis 9: die noch fertigzustellende Grünanlage schräg gegenüber dem Schloss. Während der Bauarbeiten wurde diese Fläche zum Parken genutzt.

„Ganz automatisch hat sich eine Parkordnung quer zur kleinen Zufahrtsstraße ergeben“, sagt Dietmar Komorowski. Nun, wo bereits Erdhügel aufgeschüttet wurden, halten und parken die Autos zur Hälfte auf der Straße und der künftigen Grünanlage.

So könnte es bleiben, wünschen sich die Anwohner. Komorowski erläutert die Idee: „Etwa ein Meter der gepflasterten Zufahrt wird mit Rasengittersteinen befestigt. Erst danach beginnt die eigentliche Grünanlage, die auch wie bisher mit einer niedrigen Metallabgrenzung vor dem Befahren geschützt wird.“ Eine andere Variante wären feste Stellflächen, die sich von einer Hecke – ähnlich wie an der Kupka – umgeben in die Grünanlage einfügen könnten.

Lübben lehnt zusätzliche Stellplätze ab

Grundsätzlich wollen die Anlieger verhindern, dass die niedrigen Metallabgrenzungen wieder so nah an der Straße aufgestellt werden, dass nur ein Fahrzeug entlangfahren kann. Denn sobald ein Auto in der Sackgasse hält oder parkt, könne niemand durchfahren.

Komorowski berichtet die Stadt habe ihn an Ordnungsamt und Abschleppdienst verwiesen, wenn er wegen falsch parkender Autos sein Grundstück nicht erreichen könne. Dies sei wenig praktikabel, wenn Zeiten am Wochenende oder in den frühen Morgenstunden betroffen sind, ergänzt er. Für Feuerwehr und Rettungsdienst sei es besonders problematisch, wenn sie die Zufahrt in einem Notfall nicht passieren könne. Andere Anrainer bestätigen, dass es immer wieder zu Schäden an den eigenen Fahrzeugen oder denen ihrer Kunden oder Gäste kommt, die an dem Metallband hängen bleiben.

Im August wandten sich die Anwohner deshalb gemeinsam an die Stadtverwaltung. Nicht zum ersten Mal. Die Antwort der Stadt fiel ernüchternd aus. Zusätzliche Stellplätze lehnt die Stadt ab. „Dies würde zu einer unerwünschten Erhöhung des Verkehrsaufkommens an diesem städtebaulich und denkmalrechtlich exponierten Standort führen“, schreibt die damals noch verantwortliche Stadtplanerin Karin Jacobsen.

Sanierungsgebiet Lübbener Innenstadt

Und die niedrige Metallabgrenzung – Tiergartenband genannt – soll an die gleiche Position wie vor den Bauarbeiten kommen. Der gepflasterte Zufahrtsbereich für die vier Privatgrundstücke sei breit genug, damit sich zwei Fahrzeuge begegnen können, argumentiert die Stadtverwaltung. Und da auf der Zufahrt Fahrzeuge nur abgestellt werden dürfen, wenn Vorbeifahrende nicht behindert würden, seien auch keine baulichen Veränderungen nötig.

Das gesamte Areal befinde sich im Sanierungsgebiet der Lübbener Innenstadt, so Stadtsprecherin Dörthe Ziemer. „Als Kommune ist es unsere Aufgabe, das öffentliche Interesse im Blick zu behalten und gemäß übergeordneter Gesetze, Regelungen und unserer Satzungen zu handeln“, teilt sie mit.

Auf der Grünfläche zwischen Bubak und Gärtnerhaus werden deshalb drei Pflanzhügeln für Sträucher und Sommerblumen angelegt. Entlang der Straße sollen voraussichtlich ab Mitte November vier Bäumen gepflanzt und der Rasen gestaltet werden. Neben der Grundstückszufahrt wird auch die Grenze zum Gehweg am Gärtnerhaus mit Tiergartenband eingefasst. Die Fläche am Bubak soll unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Anwohner ebenfalls bepflanzt werden, so Dörthe Ziemer.