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Strahlender Mozart, glänzender Grieg

Lübben.. Gäbe es derzeit eine musikalische Olympiade, so wären die Damen und Herren des „Jungen Kammer-Orchesters Konstanz“ mit ihrem Dirigenten Studiendirektor Wolfgang Mettler sicher Anwärter auf einen Medaillenplatz.

Die hochmusikalischen Nicht-Profis, aber instrumentalen Könner gaben am Dienstagabend in der sehr gut besuchten Paul-Gerhardt-Kirche ein Konzert, dessen Erlös der Restaurierung des Gotteshauses gewidmet ist. Der Lübbener Lions-Club hatte das Konzert vermittelt, wofür Gemeinde wie Musikfreunde dankbar sind.

Frisch und unbeschwert
„Junges Kammer-Orchester“ - der Name stand für eine frische, unkonventionelle Spielweise. Schon das Programm war spannend. Es bot gut Bekanntes, aber auch Stücke mit Neuigkeitswert für die Lübbener Musikfreunde. Mozarts „Salzburger Symphonie“ in D-Dur - die erste von zweien gleichen Namens und komponiert 1772, als es dem jungen Genie persönlich gut ging - kam frisch und unbeschwert daher. Das Orchestertimbre weich und angenehm. Das Andante des zweiten Satzes in ihrer lieblichen, zarten Melodie doch immer leicht im Ansatz, wie überhaupt das ganze Werk heiter geboten wurde. Ein gelungener Einstieg.
Ebenso Vivaldis Concerto a-Moll für Violine und Streicher. Sebastian Korth spielte den schwierigen Solopart und wusste in allen drei Sätzen ein zuverlässiges Orchester hinter sich. Er meisterte die schwierigen Kadenzen des Allegro, fand den richtigen Ansatz für die leisen Töne des Largo, um ein furioses Solo im abschließenden Presto zu liefern. Das Publikum ging mit und hörte es gern.

Entdeckungen
Das Programm der Konstanzer war für Entdeckungen gut. Wer bis dato nicht wusste, dass Puccini nicht nur „schwere Kost“ wie die „Madame Butterfly“ komponiert hat, der lernte bei den drei Menuetten den Meister von einer völlig anderen Seite, nämlich von der spätromantischen Komposition her, kennen und schätzen.
Mit dem Kontrabassisten Philipp Stubenrauch kam eine weitere Entdeckung. Werke für sein Instrument sind eher rar. Stubenrauch, derzeit Akademist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und ehemaliger Student von Professor Günter Klaus an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main, gab mit dem Orchester das „Allegro di Concerto alla Mendelssohn“ von Giovanni Bottesini. Wahrscheinlich erklang dieses Werk des Komponisten in Lübben lange nicht, wenn überhaupt schon. Ohne jegliches Notenblatt lieferte Stubenrauch dieses romantische Werk virtuos ab - mit allen Schwierigkeiten, die die Partitur vorschreibt.
Er war es auch, der das Kontrabass-Konzert in D-Dur des tschechischen Komponisten Johann Baptist Vanhal - der war mit Haydn und Mozart bekannt - mit Leichtigkeit und der Liebe zum musikalischen Detail in musikalische Szene setzte. Er entlockte seinem Instrument warm-innige Töne, bestand die Prüfungen schwieriger Kadenzen und war immer eins mit dem Orchester. Nun weiß man, weshalb er mit Recht internationale und nationale Preise bei Musikwettbewerben mit nach Hause nehmen konnte.
Der Schlusspunkt musikalisch höchst erbaulicher zwei Stunden wurde mit Edvard Griegs Streichorchester-Suite „Aus Holbergs Zeit“ gesetzt. Frisch wie bei Mozart am Konzertbeginn spielten die jungen Musiker auf. Bekannte Themen wechselten mit nicht so bekannten Sätzen wie der innigen „Air“ und sorgten für den musikalischen Wissenszuwachs, der den Reiz jedes Konzertes ausmacht. Langer, herzlicher Beifall für einen Klangkörper, der hoffentlich nicht das letzte Mal in Lübben gastierte. Als Zugabe wiederholten die Künstler das Präludium aus der Orchestersuite von Grieg.
Pfarrer Olaf Beier bedankte sich für das Konzertereignis und überreichte dem Orchester eine CD mit Vertonungen auf Texte des bedeutenden Kirchenlied-Dichters nach Martin Luther, Paul Gerhardt. (-ds)