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| 19:15 Uhr

Lübben
Stipendium soll junge Mediziner an Dahme-Spreewald binden

Lübben. Richtlinie wird derzeit in den Fachausschüssen diskutiert. Von Ingvil Schirling

Auch wenn die offiziellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung ein anderes Bild vermitteln: Der Ärztemangel in Dahme-Spreewald besteht. Immer wieder – und nicht nur im Landkreis – machen Erkrankte die Erfahrung, dass sie lange auf einen Facharzttermin warten – oder weite Strecken in Kauf nehmen müssen.

Eines von mehreren Problemen ist, dass kaum geeignete Bewerber zur Verfügung stehen, wenn tatsächlich Facharztpraxen frei werden. Das wird noch verschärft dadurch, dass die Zahl der Ärzte, die demnächst in den Ruhestand wechseln, voraussichtlich deutlich steigen wird.

Ansiedlungswillige Jungmediziner zu haben, wenn Praxen frei werden – da will die Landkreisverwaltung mit einer neuen Richtlinie und etwas Geld ansetzen. Diese Woche wurde in den Fachausschüssen ein Papier vorgestellt, das über eine Studienbeihilfe für Medizinstudenten darauf abzielt,  dass junge Ärzte und Ärztinnen in die Region kommen um zu bleiben.

Die Idee ist, das Stipendium den Medizinstudenten nach der ersten, entscheidenden Prüfung anzubieten. „Das Bestehen dieser umfangreichen Prüfung stellt die größte Hürde bei der Absolvierung des Medizinstudiums dar“, heißt es erklärend in der Vorlage. Wer diese Prüfung schafft, habe gute Aussichten, das ganze Studium erfolgreich abzuschließen.

Ab dann könnte sich der oder die Studierende um das Stipendium vom Landkreis Dahme-Spreewald bewerben. Im Haushalt des Landkreises sind dafür für dieses Jahr bereits 15 000, für nächstes 30 000 Euro eingestellt. Wer das Stipendium erhält, muss sich umgekehrt verpflichten, nach dem Studium vier Jahre lang im Landkreis ärztlich tätig zu sein und damit sechs Monate nach dem Abschluss beginnen.

„In dieser Zeit befindet sich der Arzt beziehungsweise die Ärztin in der Weiterbildung zum Facharzt“, heißt es in der Vorlage. Diese dauere mindestens fünf Jahre, finde eventuell in verschiedenen Kliniken statt und sei Voraussetzung für die Anmeldung zur Facharztprüfung bei der Landesärztekammer. Erst danach kann der junge Mediziner oder die junge Ärztin eine Facharztpraxis übernehmen und in Dahme-Spreewald „die ambulante Versorgung der Bevölkerung mit absichern“. Von dem Stipendium verspricht sich die Verwaltung, dass – weil genau in dieser Lebensphase Familien gegründet und Häuser gebaut werden – die jungen Ärzte in Dahme-Spreewald „kleben bleiben“.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass ein junger Arzt oder eine junge Ärztin nach vier Jahren ärztlicher Tätigkeit in der Region im Landkreis beruflich verbleibt, ist sehr hoch“, heißt es weiter.

Das Stipendium ist nach jetzigem Stand an strenge Bedingungen geknüpft.  Es muss zurückgezahlt werden, tritt der Jungmediziner seine Tätigkeit in Dahme-Spreewald nicht an. Die Förderung ist daran gebunden, dass er sein Studium in der Regelstudienzeit von sechs Jahren und drei Monaten abschließt. Wird es wegen Erkrankung oder Elternzeit unterbrochen, so ist in dieser Zeit auch keine Studienbeihilfe vorgesehen.

Genau darüber diskutieren nun die Kreistagsabgeordneten. Im Gesundheitsausschuss diese Woche wurde die Vorlage  laut Gesundheitsdezernent Carsten Saß (CDU) „wohlwollend aufgenommen“. Einen Hinweis habe es von Birgit Uhlworm als sachkundiger Einwohnerin gegeben, bei familienbedingten Unterbrechungen des Studiums die Beihilfe anteilig weiter zu zahlen. Michael Wolter (CDU) habe angeregt, die Bindungsfrist zu verlängern und auf sechs statt vier Jahre zu erhöhen. „Das müssen wir rechtlich prüfen“, so Saß.

In der ersten Diskussionsrunde diese Woche sei es vor allem darum gegangen, für die Richtlinie „die Leitplanken festzulegen“. Parallel zur Diskussion mit den Abgeordneten soll der Abgleich mit den Geschäftsführern der Kliniken im Landkreis und mit der Kassenärztlichen Vereinigung gesucht werden. Geklärt werden müsse auch, welche Bedarfe konkret bestehen und wie an den Universitäten „intensiv geworben“ werden soll.

Da dieses Jahr im Haushalt bereits Geld zur Verfügung steht, könnten – stimmt der Kreistag der Vorlage zu – die ersten Verpflichtungen schon dieses Jahr erfolgen und damit die ersten Jungärzte dem Landkreis in vier Jahren zur Verfügung stehen. Am liebsten, sagt Carsten Saß schmunzelnd, „hätten wir einen Hausarzt mit Facharztprüfung als Kinder- und Augenarzt – in Luckau“. Genau so jemand wird dort nämlich dringend gebraucht.