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| 01:06 Uhr

Steinerne Zeugen der Eiszeit

Lübben/Schlabendorf.. RUNDSCHAU-Leser hatten gestern eine Begegnung der besonderen Art. Sie standen steinernen Zeugen der Eiszeit gegenüber. Die Findlinge sind in einem großen Steingarten bei Zinnitz zu sehen und dokumentieren einen Teil der Erdgeschichte. Einige von ihnen sind mehrere Millionen Jahre alt. Die Sommertour der Heimatzeitung führte gestern 35 Gäste in die Schlabendorfer Felder. Von Andreas Staindl

Etwas abseits des ehemaligen Tagebaus stoppt der Bus zum ersten Mal. Die Gruppe geht zu Fuß entlang des Naturlehrpfades. Wenn Karlheinz Nowotny die Besucher führt, kann man mit einem spannenden Ausflug rechnen. Seit 1991 beschäftigt sich der 73-Jährige intensiv mit den Veränderungen im früheren Tagebau. Inzwischen hat er mehrere Filme über das Gebiet gedreht. Der Findlingsgarten bei Zinnitz spielt in seinem aktuellen Streifen eine wesentliche Rolle.
Ein Gneis sei mit 45 Millionen Jahren der älteste Stein der Welt und Bestandteil des Gartens. „Etwas ganz besonders Wertvolles“ , betont Nowotny, „ist der Narwazit, den man sonst nur im Hamburger Raum findet.“ Die Eiszeit habe ihn vermutlich in unsere Region „geschwemmt“ .
„Jäger nach vorn“ , bittet Nowotny im schattigen Wald bei den Findlingen, schmunzelt und bleibt an einer steinernen Bodenplatte stehen. Darauf sind Tierspuren zu sehen, die zumindest gestern fast ausschließlich von Frauen erkannt wurden. Wenig später lädt ein Aussichtsturm zum Besteigen ein. Vom Turm aus schweift der Blick über den einstigen Tagebau und die heutigen Flächen der Heinz Sielmann-Stiftung.
Wieder festen Boden unter den Füßen verweist Nowotny kurz auf die Bedeutung von Fledermäusen und macht auf eine Tafel mit Informationen zum Goldschakal aufmerksam. Das Tier sei im einstigen Tagebau vor ein paar Jahren erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Auf dem Naturlehrpfad könnte man vermutlich Stunden verbringen, was einige Teilnehmer der Sommertour unbedingt machen wollen.
Am Kulturzentrum in Schlabendorf - der Ort sollte noch 1992 abgebaggert werden - gab es den nächsten Stopp. Per Video brachte Nowotny hier die Veränderung der Tagebaulandschaft näher. Ein technisches Problem mit dem Fernseher brachte den Zeitplan gehörig in Schieflage. An der Grubenwasser-Reinigungsanlage rückte die Gruppe dem Tagebau schon etwas näher. Über Zusatz von Kalk wird hier der PH-Wert eingestellt.
Ganz in der Nähe liegt der Schlabendorfer See. Die kühle Brise ist recht angenehm. Nowotny erzählt seine Visionen von der künftigen Nutzung des Sees, von Wassersportlern, aber auch Problemen mit den verschiedenen Eigentümern und Gefahren an den Restlöchern. Dann ist der Busfahrer gefragt, der die Gruppe auf dem aufgeschütteten Damm sicher transportiert.
Nowotny erzählt, dass sich der ehemalige Tagebau zum „Eldorado für Weidmänner“ entwickelt. Erich Reschke wird später tatsächlich Spuren von Wildschweinen entdecken. Auch zwei Hasen sind vom Bus aus zu sehen. „Vor 14 Tagen war ich schon einmal am Rand des Tagebaus. Nun wollte ich mir die Seen auch aus der Nähe anschauen. Dank der prima Erklärungen von Karlheinz Nowotny konnte mein Wissensdurst gestillt werden“ , lobte der Lübbener.
An der Narturschutzstation Wanninchen besichtigt die Gruppe die Uferschwalbenwand. Schwalben haben die Nisthilfe jedoch noch nicht angenommen. „Die sind noch am Stiebsdorfer See zu Hause“ , erklärt Nowotny. Dann geht es auf die „Asphalt-Achterbahn“ - den internationalen Fahrradweg mitten durch den einstigen Tagebau. „Nur Fliegen ist schöner“ , bemerkt einer. Wenig später lässt Nowotny den Bus stoppen. „Hier haben wir eigens für RUNDSCHAU-Leser Freilufttoiletten eingerichtet. Rechts für Frauen und links für die Herren. Aber Achtung Wildschweine“ , sagt er mit ernster Stimme.
Zu Fuß geht es weiter Richtung Grand Canyon - made by Schlabendorf. Im hellen Sand ziehen einige Frauen ihre Schuhe aus. Die zerklüftete Landschaft fasziniert. Der Blick vom Rodelberg bei Fürstlich Drehna erlaubt noch weitere Einblicke. „Ich war schon vor zwei Jahren mit der RUNDSCHAU hier. Das Wasser ist seitdem doch erheblich gestiegen. Der ganze Tagebau hat sich verändert“ , findet Gerhard Käppler. Marianne Olbrich nahm sogar Bernstein als Souvenier mit. „Mich begeistert, dass aus der einst wüsten Landschaft nun ein richtiges Eldorado wird“ , freute sie sich. Mit einer kurzen Ehrenrunde auf dem Schlosshof in Fürstlich Drehna endete eine Sommertour.

Info zum Thema Wiederholung gewünscht
 Für seine Führung erhielt Karlheinz Nowotny von den RUNDSCHAU-Sommertour-Teilnehmern viel Beifall. Nicht wenige von ihnen wollen mit ihm erneut in den Tagebau. Kontakt zu Karlheinz Nowotny: Tel. 035455/3333.