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| 01:06 Uhr

Stahlhelme, zerbeulte Töpfe, Munitionskörper im Trümmerschutt

LÜBBEN.. Stahlhelme und Reste von Munition, das alles inmitten von Trümmerschutt – gab es so etwas schon einmal im Wappensaal des Lübbener Schlosses„ Am Internationalen Museumstag, der in diesem Jahr mit dem 60. A. Wawro

Tag der Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus zusammen fiel, wurde an denkwürdigem Ort eine Sonderausstellung des Stadt- und Regionalmuseums Lübben eröffnet: "Kriegsende in Lübben", so der schlichte Titel der Exposition. Die rührte die zahlreichen Besucher am Eröffnungstag stark an.

Erinnerungen kommen hoch
„Wenn man die Bilder des zerstörten Lübben wieder sieht, da kommen Erinnerungen hoch“ , so Hildegard Pullwitt, selber Ur-Lübbenerin, die 60 Jahre zurückdenkt und vieles wiedererkennt. „Ich selber war am 20. April 1945 noch auf den Spielbergen zu einer Versammlung. Man hatte schon die Ahnung, dass der Krieg bald vorbei sein würde. Aber dass Lübben dann so kaputt sein könnte, das hatte keiner gedacht.“
Hildegard Pullwitt steht unweit eines besonderen Exponates, das so noch nie im Wappensaal zu sehen war: In einer der Nischen liegen inmitten von Trümmerschutt Stahlhelme, zerbeulte Töpfe, verschossene Munitionskörper. Daneben steht eine hölzerne Krücke - sie mag damals einem Kriegsversehrten hilfreich gewesen sein.
„Das alles haben wir bei Grabungen auf dem Lübbener Marktplatz, am Waldrand von Ellerborn, wo es heftige Kämpfe gab, und bei anderen Bauarbeiten in Lübben gefunden“ , erklärt Museumschefin Christina Orphal. „Die Innenstadt gab es nach dem Krieg praktisch nicht mehr. Aber Zeugen des Lebens wohl. Die bargen wir und brachten sie in diese Ausstellung ein.“
Die kleine, aber feine Sonderausstellung ist gewissermaßen ein "Schnellschuss", wie Christina Orphal einräumt. Der Ausstellungskalender des Museums ist mit Veranstaltungen zur Brandenburger Kulturland-Kampagne "Der Himmel auf Erden" ohnehin schon attraktiv.
"Wir wollten aber zum 60. Jahrestag der Befreiung etwas von Lübbenern für Lübbener gestalten. Diesmal hat uns der Zufall ein bisschen geholfen", sagt Orphal. Der "Zufall" heißt Alfred-Georg Anlauf, ein Neffe des in Lübben in den Kriegs- und Nachkriegsjahren renommierten Fotografen Erich Hinkelmann. Der hat nach Kriegsende vieles vom alten Stadtzentrum abgelichtet, und so sind bisher wenig bekannte schwarz-weiße Fotografien in diese sehenswerte Ausstellung gelangt.
"Guck doch mal, dieses Foto vom Brückenplatz. Musste das über 300 Jahre alte Haus an der Ecke damals wirklich weg“" Die nachdenkliche Gisela Christl ist selbst in der Heimatgeschichte engagiert. Aus der Betrachtung der alten Fotos entspinnt rasch eine Diskussion über Sinn und Unsinn des städtischen Um- und Neubaus. Wer weiß, ob die Neugestaltung des Marktes eben so schön wie die Gestaltung des Marktes vor seiner Zerstörung im Krieg wird? Gesprächsstoff gibt die Ausstellung genug.

Eindrucksvolle „Hingucker“
Bild-Leihgaben aus der Sammlung Hinkelmann, der Sammlung Heß und von Erika Haschenz sind in dieser Schau echte "Hingucker". Doch aus Lübbener Haushalten und dem Museums-Fundus wird auch Bemerkenswertes gezeigt, so die Kriegsgefangenen-Meldung, die Entlassungs-Papiere wie die Wehrmachts-Vermissten-Erklärung für den Lübbener Werner Lehmann.
Eine andere Vitrine zeigt den legendären Befehl Nummer 1 vom 28. April 1945, in dem neben der Abgabe von Waffen, Munition, Vervielfältigungsapparaten und Radiogeräten ebenso eine Ausgangssperre zwischen 23 Uhr und 5 Uhr befohlen wird. Zeichnungen und Broschüren über die NKWD-Lager Jamlitz und Ketschendorf belegen, dass auch nach der Befreiung vom Faschismus die Verfolgung Andersdenkender weiter ging.
Die Ausstellung, in der hilfreiche Zeittafeln und Erklärungen zu sehen sind, ist außer montags bis zum 25. Mai von 10 Uhr bis 17 Uhr im Wappensaal des Lübbener Schlossturms geöffnet. (-ds)