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| 01:37 Uhr

Staffelstab-Übergabe bei Straupitzer Chronisten

Auf dem Gelände des Straupitzer Speichers übergab Helmut Bittner die Ortschronik in jüngere Hände. Tobias Raband (links) und André Urspruch (Mitte, stehend) werden sie übernehmen. Bürgermeister Winfried Rekitt dankte Bittner mit Blumen und einem Präsent.
Auf dem Gelände des Straupitzer Speichers übergab Helmut Bittner die Ortschronik in jüngere Hände. Tobias Raband (links) und André Urspruch (Mitte, stehend) werden sie übernehmen. Bürgermeister Winfried Rekitt dankte Bittner mit Blumen und einem Präsent. FOTO: Ingvil Schirling
Die umfangreiche Straupitzer Ortschronik liegt jetzt in jüngeren Händen. Helmut Bittner übergab sie offiziell an André Urspruch und Tobias Raband. Beide wollen unter anderem mithilfe von Internet und Medienpräsentation an die anspruchsvolle Aufgabe herangehen. Von Ingvil Schirling

Für Bürgermeister Winfried Rekitt war es ein „bedeutsamer Anlass für die Gemeinde“. Es sei ein „fulminanter Einschnitt“ und keineswegs nur eine Übergabe der Chronik von einer Hand in die nächste. Denn erstens besitze Straupitz eine außergewöhnliche Dokumentation von ungewöhnlicher Breiter. Zweitens sollten mit dieser Übergabe alle Chronisten gewürdigt werden, die an dem Werk in der Vergangenheit mitgearbeitet und das Leben des Ortes über viele Jahrhunderte festgehalten hatten. Und drittens sei Helmut Bittner ein Chronist gewesen, für den Heimatgeschichte ein unverzichtbares Element im menschlichen Leben bedeute.

Beginn in den 50er-Jahren

Dieser sieht sich in der Tradition von Heimatkundler und Lehrer Walter Mak, der die handschriftlichen Aufzeichnungen zu Beginn der 1950er-Jahre begonnen hatte. Aus der Sicht seiner Generation hatte er Wissenswertes über Straupitz seit seiner urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1294 zusammengetragen. „Er hat wertvolle Tongefäße und –scherben, die bei Ausgrabungen in der Nähe von Byhlen und Byhleguhre, am weißen Berg, gefunden wurden, in der Schule ausgestellt, bis sie ins Landesarchiv nach Potsdam kamen“, erinnert sich Bittner an Mak. „Ich habe von ihm eine Menge gelernt. Als Unterstufenlehrer schaute ich begeistert zu, wie er den Schülern alles erklärte.“

Mak wiederum steht in der Tradition der Heimatforscher Gerd Koppatz, Wilhelm Urspruch, Wolfgang Raband, Helmut Klinke und Martina Kommol. Wilhelm Urspruch wiederum ist der Vater von Hans-Ulrich Urspruch, Leiter der Straupitzer Grundschule, und Großvater von André Urspruch. Und Wilhelm Raband ist der Vater von Tobias Raband.

Diese Zusammenhänge bezeichnete Winfried Rekitt als „Glücksfall“: „Nicht überall erklären sich junge Leute so deutlich bereit, die Ortschronik weiterzuführen. Bei André Urspruch und Tobias Raband liegt das sicher auch am Familienerbe.“ Sie wollen die vier Ordner mit Fotos und zwei Ordner mit Schriftstücken, darunter sehr viele Beiträge aus der Lausitzer Rundschau, in moderne audiovisuelle Archive überführen, die über Computer und Internet dann leichter zugänglich wären. „Wir wissen, dass die Aufgabe viel Engagement erfordert und schwierig ist, aber wir fühlen uns ihr gewachsen“, sagte André Urspruch. Aufbauend auf der Historie wollen die beiden die Forschung intensivieren, Lücken vervollständigen und auch Anekdoten einfügen. Er sei „Heimatkundler aus Leidenschaft“ und habe sich von Kindheitsbeinen an für das Thema interessiert.

Mit Liebe zum Detail

Gleiches gelte für ihn, ergänzte Tobias Raband. „Seit mehr als 25 Jahren, seit Beginn meiner Schulzeit und inspiriert von Lehrer Helmut Klinke“ interessiere er sich dafür. Er sehe die Chronistentätigkeit nicht nur als Arbeit am Schreibtisch, sondern wolle auch „raus in die Natur, in die Orte, wo die Geschichte erlebt wurde, zu Zeitzeugen, um sie zu befragen.“ Die Arbeit wolle er mit „Liebe zum Detail“ angehen, „mit fortschrittlichem Blick auf das, was kommen wird, und liebevollem Blick auf das, was war.“

Helmut Bittner hatte die Chronik seit 1999 geführt und dabei rückwirkend die Jahre ab 1995 vervollständigt. In der RUNDSCHAU sei er einmal als „das gute Gedächtnis von Straupitz“ bezeichnet worden. „Aber auch das wird einmal müde“, begründete er seinen Abschied als Ortschronist. „Ich möchte nicht mehr müssen, ich möchte nur noch wollen“, sagte er.

Info zum Thema
Die Straupitzer Chronik
umfasst neben Aufzeichnungen und Bildern viele Dias und weitere Dokumente. Sie beinhaltet die Daten von der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1294 bis zum Jahr 2009.
Helmut Bittner , in Straupitz und der Region auch bekannt durch seine je nach Publikum maßgeschneiderten Vorträge, wird während des Kunstmarktes im Speicher am 16. Mai Bilder zeigen. Ein weiteres Mal wird er bei einem der kommenden Straupitzer Freitage zu erleben sein, wenn er gemeinsam mit dem Straupitzer Mundart-Duo Marie und Pauline zum 160. Geburtstag des Mühlen-Gebäudes an dessen Geschichte erinnert.