Von Katrin Kunipatz

Versteckt mitten im Kiefernwald befindet sich das Spreewerk Lübben. Einziger Hinweis ist ein schlichtes Schild an der Straße nach Schlepzig. Für den Munitionsentsorger gelten besondere Sicherheitsbestimmungen. Ein Zaun umgibt das Firmengelände, und der Zugang ist für Betriebsfremde nur mit Anmeldung möglich.

Der Umgang mit Explosivstoffen mache diese Dinge nötig, erklärt Geschäftsführer Rudolf Meinhardt. Beim Rundgang, den das Spreewerk in dieser Woche für die Lübbener Stadtverordneten und sachkundige Einwohner angeboten hat, betont er gleichzeitig: „Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich direkt an uns.“ Diese Offenheit sei Teil der Firmenpolitik.

Test: Batterien im Brennofen recyceln

Deshalb macht Meinhardt auch kein Geheimnis aus der Ursache für den Brand vor zwei Wochen. Eine Holzdecke am Ausgangsbereich des Drehbrennofens habe Feuer gefangen. Sie dient als Splitterschutz. Wenn im Ofen aufbereitete Munitionsreste verbrannt werden, seien Explosionen nicht völlig auszuschließen. Aber in diesem Fall testete das Spreewerk ein neues Verfahren, bei dem in Zukunft Batterien aus E-Autos oder andere Akkus recycelt werden sollen. „Die Stoffe kamen brennend aus der Anlage, was normalerweise nicht passieren soll“, sagt Meinhardt. Dementsprechend würde jetzt der Test analysiert, damit dies in Zukunft ausgeschlossen werden könne.

Munitionsentsorgung ist rückläufig

Mit der Aufbereitung von Batterien wolle das Spreewerk einen weiteren Geschäftszweig erschließen, erläutert Ramon Kroh. Er ist der Projektleiter für die geplante Neuausrichtung. „Es geht dabei um die Sicherung der Arbeitsplätze der knapp 50 Mitarbeiter, die jetzt hier tätig sind“, so Meinhardt. Zwar habe sich das Spreewerk Lübben in den zurückliegenden 30 Jahren einen guten Ruf in der Branche erarbeitet, doch insgesamt sei die Munitionsentsorgung rückläufig. Deshalb arbeitet die Geschäftsführung seit drei Jahren an neuen Konzepten, um die vorhandenen Gebäude und Werkstätten weiterhin auszulasten.

Sprengstoff für zivile Anwendungen

Zwei Ideen sind einschließlich der nötigen Sicherheitskonzepte bereits genehmigt worden, führt Projektleiter Ramon Kroh aus. Das erste beschäftigt sich mit der Weiterverarbeitung des aus der Munition gewonnenen Sprengstoffs, der bisher verkauft oder verbrannt wurde. Daraus sollen neue Sprengkörper für zivile Anwendungen hergestellt werden, die beispielsweise bei Sprengungen in Bergwerken zum Einsatz kommen. Ein zweiter neuer Geschäftsbereich soll die Beseitigung ziviler Feuerwerkskörper sein, die entweder vom Zoll beschlagnahmt oder Silvester nicht verkauft wurden. Unter Wasser werden diese Dinge zerschnitten und anschließend verbrannt. Der dritte Bereich könnte die Bearbeitung verbrauchter Akkus aus Elektroautos, E-Rollern, E-Bikes oder Kleingeräten sein, erläutert Geschäftsführer Meinholdt. Konkret gehe es darum, die Elektrolyte in den Zellen zu verbrennen und aus den gefährlichen ungefährliche Akkus zu machen.

Fast alles klar für drei neue Projekte

Für alle drei Projekte seien Technologien und räumliche Kapazitäten im Spreewerk vorhanden. Neue Gebäude seien dafür nicht nötig, so der Geschäftsführer. Aber auch für die Umnutzung der bestehenden Häuser sei eine Baugenehmigung nötig. An diesem Punkt ist das Spreewerk auf die Unterstützung der Stadt Lübben angewiesen. „Wir wünschen uns, dass die Formalitäten, beispielsweise die Umgestaltung des Flächennutzungsplans so zügig wie möglich erarbeitet werden“, antwortet Rudolf Meinhardt auf die Frage von Annett Kaiser. Die Hartmannsdorferin sitzt als sachkundige Einwohnerin im Bauausschuss der Stadt und hat genau wie Manfred Dreiucker sowie den Stadtverordneten Peter Schneider und Steffen Sternberger (beide Stadtfraktion) am Rundgang teilgenommen.

Explosionen sind bis Hartmannsdorf zu hören

Meinhardt führte die kleine Gruppe bis zum Drehbrennofen, in dem normalerweise mit einer Gasflamme die Munitionsreste portionsweise verbrannt werden. Im Moment sei er etwa viermal im Jahr für insgesamt acht Wochen in Betrieb. Die Explosionen seien dann sogar bis Hartmannsdorf zu hören, so Annett Kaiser. Selbst der zwölf Zentimeter starke Stahl halte den Belastungen nicht auf Dauer stand, so der Betriebsleiter. Überwacht wird die gesamte Anlage vom Leitstand. Hier hat der Leitwerker auch die Abgasreinigungsanlage im Blick und notiert Grenzwertüberschreitungen, regelt nach oder schaltet im Zweifelsfall die Anlage ab. Im Zusammenhang mit der Neuausrichtung würde die bestehende Anlage an neue Prozesse angepasst, so Ramon Kroh. Die Gefährdungsanalyse spiele dabei eine wichtige Rolle.

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