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| 17:27 Uhr

Kritik zur Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald
Spreewaldstiftung zu mehr Engagement um Lübben gefordert

Lübben/Lübbenau. Einrichtung hat Fördermittel für Wiesenpflege bekommen und will Marketingkonzept aufbauen, um bekannter zu werden. Von Ingvil Schirling

Die Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald hat seit einigen Jahren eine Reihe von Projekten für den Naturschutz und den Erhalt der Kulturlandschaft Spreewald auf den Weg gebracht. Ihren Sitz hat die Stiftung in Lübbenau, zu den Gründern und Stiftern zählen neben dem Landkreis Dahme-Spreewald und der Stadt Lübben auch zahlreiche Organisationen und Firmen, etwa die Agrargenossenschaften Spreetal in Neu Lübbenau und Unterspreewald in Dürrenhofe. Doch spielen sich die Projekte dementsprechend verteilt in der gesamten Region ab, zu der auch Spree-Neiße gehört? Diese Frage stellt Thomas Fischer. Der Lübbener ist auch zweiter Vorsitzender des Nabu und hat die Situation sowohl vor Lübbener Stadtverordneten als auch im Kreistag geschildert – jeweils verbunden mit der Nachfrage, was von beiden Seiten getan werden könne, um die Situation möglicherweise zu verändern. Doch da scheint sich bereits etwas zu bewegen, wie eine LR-Recherche ergab.

„Die Bürgerstiftung gibt es seit mehr als zehn Jahren“, sagte Fischer im Kreistag, „auch der Landkreis Dahme-Spreewald ist beteiligt“. Umweltamtschef Wolfgang Braschwitz sitzt mit im Kuratorium. „Unser Eindruck ist aber, dass es speziell in Dahme-Spreewald an Akzeptanz mangelt und das tolle Anliegen gar nicht wahrgenommen wird“, so Fischer. Seine Frage an den Landkreis war: „Wie hoch war der finanzielle Beitrag aus Dahme-Spreewald, und welche Projekte sind im Landkreis realisiert worden?“

Stieß Fischer im Kreistag auf eher wenig Resonanz, so war die Situation in der Stadtverordnetenversammlung deutlich präsenter. Auch dort stellte er die Lage dar: „Die Stadt Lübben ist selbst Stifter und zahlt Beiträge.“ Er signalisierte, dass es beispielsweise aus Lübben-Steinkirchen Interesse gäbe, an Projekten der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald mitzuwirken.

Bürgermeister Lars Kolan (SPD) dankte Fischer für die Initiative und stellte in Aussicht, das Thema beim Bauausschuss nach der Sommerpause zu diskutieren. „Da haben die Stadtverordneten ausreichend Zeit gehabt, sich damit zu befassen. Auch wir haben erkannt, dass da noch Luft nach oben ist“, sagte Kolan und äußerte die Hoffnung, dass sich mehr entwickle „als das, was uns alljährlich widerfährt“ in Anspielung auf die Beiträge.

Die Bürgerstiftung entstand aus einem Leader-Projekt der Jahre 2005/06. Ziel war es, in den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft Spreewald Einrichtungen, Institutionen und Einwohner mit einzubinden – beispielsweise über die bekannte Wiesenaktie. Damit können Freunde des Spreewalds die aufwendige Mahd der Feuchtwiesen unterstützen. Andere Projekte beschäftigen sich mit der Pflege einer Streuobstwiese in Stradow und einer Wasserschlagwiese bei Lehde. Zudem gab es mehrere Bildungsprojekte mit Lübbenauer Schülern.

Es gab – wenn auch in der Vergangenheit – zwei größere Projekte im Lübbener Raum. Die Spreewaldstiftung erinnert an das Projekt Bürgerarbeit in Schlepzig, das mit einer zusätzlichen Förderung des Landkreises von 2011 bis 2013 durchgeführt wurde.

Etwas bekannter ist die Schau-Imkerei in Neu Lübbenau als Umweltbildungs-Projekt, die seit 2016 läuft und durch einen Insekten-Lehrpfad erweitert wurde.

„Im Rahmen unserer Spenden-Aktion anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Stiftung wurden unter dem Motto ,zehn Schober für den Spreewald’ Heuschober in Schlepzig, Lübben und Pretschen errichtet“, ergänzt die Stiftung auf LR-Nachfrage. Der Landkreis hatte dafür 1000 Euro gespendet.

Ganz aktuell habe man „einen Fördermittelbescheid über 5000 Euro für die Förderung von Wiesenpflegemaßnahmen außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen im Umfeld der Stadt Lübben/Steinkirchen“, bekommen, wird weiter informiert. Wo diese genau eingesetzt werden sollen, ist noch nicht bekannt. An weiteren Projekten auf Dahme-Spreewald-Gebiet wird also bereits gearbeitet.

Erst kürzlich hatte die Stiftung zudem einen Fördermittelbescheid über 8000 Euro erhalten, die mit 2000 Euro an Eigenmitteln aufgestockt werden, um ein Marketingkonzept zu erarbeiten. Ziel ist es, die Stiftung bekannter zu machen und somit langfristig auch mehr Geld einzunehmen. Eine neue Idee war medienwirksam zur Übergabe der Mittel publiziert worden: Kleine Heuschober, die als Spardosen Geld für „echte“ Heuschober sammeln sollen.

Gründungsstifter wie Dahme-Spreewald haben neben Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße jeweils 10 000 Euro ins Grundkapital eingebracht, welches laut Stiftungsgesetz nicht angetastet werden darf, informiert die Organisation weiter. Es wird also nicht für Projekte verwendet. Lediglich die sich daraus ergebenen Zinsen können für laufende Projekte ausgegeben werden. Die Gründung erfolgte 2007.