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| 18:26 Uhr

Spreewaldmarathon
Tausende radeln ab Lübben durch den Spreewald

Renate und Rolf Annighöfer waren mit dem Liegetandem unterwegs. Für sie war der Spreewaldmarathon nach einem Schicksalsschlag Therapie und Ansporn zugleich.
Renate und Rolf Annighöfer waren mit dem Liegetandem unterwegs. Für sie war der Spreewaldmarathon nach einem Schicksalsschlag Therapie und Ansporn zugleich. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Spreewaldmarathon bricht erneut Teilnehmerrekorde. Bei frühsommerlichen Temperaturen waren große Starterfelder unterwegs. Von Andreas Staindl

So viele Radler wie am vergangenen Samstag sieht man nur ein Mal im Jahr in Lübben. 4000 Sportlerinnen und Sportler hat der Spreewaldmarathon in die Kreisstadt gelockt. Das Interesse am Radeln während der Veranstaltung ist damit ungebrochen hoch. Fast die Hälfte aller Teilnehmer kurbelt durch die Lagunenlandschaft.

„Der Spreewald ist traumhaft schön“, sagt Anke Reiher. „Radfahren macht hier besonders viel Spaß.“ Sie war aus Kiel an der Ostsee nach Lübben gekommen, um gemeinsam mit hunderten anderen Teilnehmern 110 Kilometer zu radeln, und das nicht zum ersten Mal.

Der Lübbener Georg Schaper führt das Kinderradeln an.
Der Lübbener Georg Schaper führt das Kinderradeln an. FOTO: Andreas Staindl

„Vor einem Jahr war der Wind so stark, zudem hatten wir eine Panne, so dass wir die Tour abgebrochen haben“, erklärt Karin Kremer, die ebenfalls aus Kiel stammt. „In diesem Jahr spielt das Wetter mit. Diesmal schaffen wir die gesamte Strecke.“

Ein Problem ist das für die beiden Frauen nicht, wie sie sagen: „Wir fahren gern und viel Rad. Die Aufgabe hier im Spreewald sollte für uns lösbar sein.“

Mit ihnen hatten sich mehr als 1200 Sportlerinnen und Sportler auf den Weg gemacht. Ein so großes Starterfeld gab es nur noch auf der 200 Kilometer-Runde. Teilnehmer dieser Distanz sind früh am Morgen um 7.30 Uhr gestartet. Den gesamten Vormittag über wurden Starterfelder auf die Reise geschickt. Die Familienradtour über 20 Kilometer startete als letzte gegen Mittag. Da waren die ersten Teilnehmer schon wieder im Ziel.

Mit Olaf Pollack (vorn rechts) war auch ein Olympiasieger am Start.
Mit Olaf Pollack (vorn rechts) war auch ein Olympiasieger am Start. FOTO: Andreas Staindl

Der Spreewaldmarathon schreibt spannende, aber auch emotionale Geschichten. Die von Renate und Rolf Annighöfer aus Bautzen ist eine solche. Das Ehepaar war bis vor fünf Jahren mehrmals mit dem Tandem dabei. Er lenkte, sie saß dahinter und trat kräftig in die Pedalen. Dann kam der Schlaganfall von Rolf Annighöfer.

Fünf Jahre lang kämpfte er sich wieder heran trainierte eisern, um wieder beim Spreewaldmarathon dabei sein zu können. Am Samstag war es soweit. Mit einem Liegerad gingen Annighöfers an den Start. Renate Annighöfer sitzt jetzt vorn, weil ihr Mann noch nicht so ganz wieder der alte ist. „Ich bin sehr froh, dass wir wieder gemeinsam Sport treiben können“, sagt sie. „Wir sind bei zahlreichen Sportveranstaltungen in der Lausitz mit unserem Liegerad dabei. Unser gemeinsames Hobby ist wie Ehetherapie.“

Diese Sportlerin hat alles im Einzelzeitfahren gegeben.
Diese Sportlerin hat alles im Einzelzeitfahren gegeben. FOTO: Andreas Staindl

Auch Nadine Graßmel aus Luckau hat den Wert des Sports für ihre Familie längst erkannt. Sie radelte am Samstag gemeinsam mit ihren drei Söhnen die Familientour mit, nach dem sie zuvor ihren Jüngsten während des Kinderradelns über einen Kilometer angefeuert hatte. „Sport gehört zu unserem Leben fest dazu“, sagt sie. „Angebote wie den Spreewaldmarathon nutzen wir gern.“

Immer mehr Familien entdecken den Reiz von Brandenburgs größter Breitensportveranstaltung. „Wir sind zum vierten Mal hier“, erzählte Kati Weinhold aus Birkenwerder (Oberhavel). „Mein Mann fährt die 150-Kilometer-Runde, unser Sohn ist beim Kinderradeln dabei und ich beteilige mich am Zehn-Kilometer-Lauf. Toll, dass für jeden etwas dabei ist.“

Olympiasieger gab es außerdem im Start- und Zielbereich auf der Schlossinsel zu sehen. Olaf Pollack, der aus Lübben stammt, hat sein Olympiagold im Radsport gewonnen, Claudia Pechstein ihre Goldmedaillen im Eisschnelllauf. Beide sind Stammgäste des Spreewaldmarathons, waren am Wochenende mit dem Rad (Pollack) und auf Skatern (Pechstein) unterwegs.

Den Auftakt zur Breitensportveranstaltung gab es am Freitagnachmittag in Straupitz mit dem Einzelzeitfahren im Skaten und Radfahren. Johannes Kläge aus Riedebeck (Heideblick) absolvierte die Radstrecke. „Ganz schön anstrengend“, sagte er anschließend. „Ich bin zu schnell losgefahren.“ Für den Elftklässler am Bohnstedt-Gymnasium in Luckau war das kurze Zeitfahren über acht Kilometer der Auftakt zu einem sportlichen Wochenende. Er ist auch die 150 Kilometer am Samstag ab Burg geradelt.

Zahlreiche Helfer haben erneut für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Dass manche Arbeit doppelt gemacht werden musste, ärgerte den Cheforganisator Hans-Joachim Weidner: „Der Landkreis Dahme-Spreewald hat unsere Beschilderung auf der Strecke teilweise wieder entfernt.“ Dennoch: „Es war ein super Radsportwochenende für Lübben“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Frank Neumann (parteilos).