| 02:41 Uhr

Spreewaldbank erschließt neue Felder

Lübben. Vor vollem Haus im Lübbener Gasthof Burglehn haben die Spreewaldbank-Vorstandsmitglieder Doreen Hackenberg-Mathow und Sven Thamm am Mittwochabend Teilhaber und Vertreter über die Ergebnisse des Geschäftsjahrs 2016 informiert. Unterm Strich weisen die sechs- bis neunstelligen Zahlen einen Jahresüberschuss in Höhe von 796 000 Euro aus und einen Bilanzgewinn von 421 000 Euro. Ingvil Schirling

Ein Prozent davon, gut 41 000 Euro, wird diese Woche als Dividende an die Teilhaber ausgeschüttet. Diese können von weiteren 6,5 Prozent an Boni profitieren.

Trotz der guten Nachrichten und des soliden Wirtschaftens - das bilanzielle Eigenkapital ist von 29 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 34,6 Millionen Euro gewachsen - blickt die Bank mit Sorge auf die anhaltende Niedrigzinsphase. Vorstandsmitglied Sven Thamm: "Das Thema betrifft alle." Die Frage sei: "Wie tief können sie noch fallen, und wie lange noch?" Die Entwicklung der Spreewaldbank sei zu 70 Prozent abhängig von der Zinsentwicklung. 2012 erwirtschaftete die Bank noch zehn Millionen Euro der Einnahmen aus den Zinsen, 2019 werden es geschätzt 7,5 Millionen Euro sein. Geld werde in seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel insgesamt durch die Entwicklung in Frage gestellt.

Daher verschiebt sich der Fokus der Bank auf neue Geschäftsfelder. Die "Erlebniswelt Gold" bietet Kunden seit Dezember 2017 die Möglichkeit, Werte in Edelmetall zu sichern. "Das ist gut angelaufen. Wir haben einen Nerv getroffen", bilanziert Thamm. In Burg baut die Spreewaldbank eine neue Filiale auf einer Fläche von 175 Quadratmetern samt Ladenlokal, Ein-Zimmer-Wohnung und vier Wohnungen im Obergeschoss. Mitte 2019 soll das Haus fertig sein. Zwar wolle man nicht groß ins Immobiliengeschäft einsteigen, ordnete das Vorstandsmitglied ein. Dennoch gibt es auch in Lübben ein größeres Projekt. Die Spreewaldbank hat am Brückenplatz, direkt gegenüber der Kaffeebohne, drei Baugrundstücke gekauft. Hier soll kommendes Jahr ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen mit Ladenflächen im Erdgeschoss und Wohnungen darüber.

Über eine detaillierte und umfangreiche Befragung will die Spreewaldbank in den kommenden Monaten herausbekommen, was die Kunden digital von ihrer Bank erwarten und brauchen. Wer nutzt noch den Kassenschalter und wann? Was muss erfüllt sein, um vertrauensvoll online-banking durchführen zu können? Das filialzentrierte Geschäftsmodell soll zwar bleiben. Schließungen sind derzeit nicht geplant, versichert der Vorstand. Geprüft werden soll aber schon, ob alle Leistungen ständig vorgehalten werden müssen. Das Bargeldgeschäft ist teuer, und die Personalkosten übersteigen die Erlöse aus der Kontoführungsgebühr, sagte Sven Thamm auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Das Online-Angebot, auch das Telefon-Banking wächst. "Wir sind mit zwei Mitarbeitern gestartet, haben dort jetzt vier und bräuchten sechs", so Thamm weiter.

Kurz: Das Bankgeschäft verändert sich. Die genossenschaftlich organisierte Spreewaldbank will ihre Kunden und Teilhaber dabei mitnehmen, sich an ihren Bedürfnissen orientieren.

Zum Thema:
In den Aufsichtsrat wiedergewählt wurden Albrecht Netzker und Thomas Goebel aus Burg sowie Carsten Schulze aus Lübben Vorsitzender ist und bleibt Albrecht Netzker. Der Jahresabschluss samt Überschuss-Verwendung wurde bestätigt und der Vorstand entlastet. Am Wochenende des 7./8./9. Juli wird ein neues Computersystem installiert, die Geldautomaten der Spreewaldbank stehen dann nicht zur Verfügung. "Am 10. Juli sollte alles wieder wie gewohnt funktionieren", sagte Vorstandsmitglied Sven Thamm. Am 13. Oktober wird zum Bankteilhaberfest eingeladen.