„Ich weck’ Dich, wenn der Frühling kommt“ heißt ein bekanntes Kinderbuch. Diese Titelzeile hat derzeit die Straupitzerin Ingrid Walter im Kopf, wenn sie an den Kornspeicher im Oberspreewald-Ort denkt. Das historische Haus ist, wenn man das Jahr seiner Erbauung zugrunde legt, auf das sich die Historiker geeinigt haben, exakt 222 Jahre alt. Zu feiern aber gibt es noch mehr, nämlich den Geburtstag des ungleich jüngeren Freundeskreises, der den Kornspeicher als Begegnungsstätte seit 15 Jahren betreibt. Wenn man an dieser Stelle noch kurz bei verrückten Zahlen bleiben will, sollte man erwähnen, dass der Verein exakt 15 aktive Mitglieder hat. Einige von ihnen sind derzeit dabei, den Winterstaub aus dem Haus zu fegen, Blümchen zu pflanzen und die neue Ausstellung vorzubereiten. Es wird österlich, und Ostern ist bekanntlich eine gute Zeit, um etwas Neues zu beginnen.

Historie und „schöner Ort“ in Straupitz

Oder etwas Neues zu lernen. Auch dafür ist die Ausstellung in dem geschichtsträchtigen Haus da, das, 1798 errichtet, noch bis 1992 in seiner ursprünglichen Form als Kornspeicher genutzt, in den Jahren 2004/05 komplett saniert wurde und heute Begegnungszentrum ist. Dabei gibt es zwei große Haupt-Ausrichtungen: Zum Einen wird spreewälder Bauerngeschichte unprätenziös und lebensnah präsentiert. Wie sah es in einer Stube aus? Welche Geräte wurden genutzt? Welche Bräuche bestimmten den Jahreslauf? All das können sich Gäste und Einheimische anhand von originalen Gegenständen anschauen – um dann auf einem der Stühle oder Sessel mit langer Geschichte Platz zu nehmen, um sich unter alten Balken oder schattigen Bäumen ein Stück Kuchen schmecken zu lassen und dabei in die Geschichte oder aufs Wasser des Hafens zu schauen.

Diesen zweiten Punkt unterstreicht Simone Seeliger, Allgemeinärztin im Ort und engagiertes Vereinsmitglied, besonders für die beginnende Saison. „Wir wollen einer der schönen Orte in Straupitz sein“, gibt sie die Ausrichtung des Freundeskreises vor. Die Attraktivität soll nicht nur darin bestehen, Neues über alte Bräuche zu erfahren, sondern auch, in schöner Umgebung mit dem Familienbesuch einen gemütlichen Kaffee trinken zu können.

Frühlingseröffnung am 19. März

Neues wird die Gäste dabei ab kommenden Donnerstag anlachen. Bis zum 19. März sollen alle Blümchen gepflanzt, Spinnräder abgestaubt und die Ausstellungsstücke neu zusammengestellt sein. Denn die Frühjahrsschau greift die sorbisch-wendischen Osterbräuche auf. Gezeigt werden Fahnen des Osterreitens, ebenso erklärt die Farben und Verzierungen auf den Eiern. Soweit, sogut – aber was sind „Pingel“? Wer darunter einen Menschen versteht, der es oft ganz besonders genau nimmt, darf eine zweite Bedeutung des Wortes in der sorbisch-wendischen Tradition kennenlernen. Mit „Pingel“ sind dabei die Geschenke gemeint, die es von Paten zum Osterfest gab. Ob Eier, Socken, Kinderschuhe oder Süßigkeiten – so war es Brauch. „ich bin als Junge mit dem Fahrrad nach Siegadel zu meinen Paten gefahren, um die Pingel zu holen“, erzählt Hans-Ulrich Urspruch. Der Straupitzer wurde in Siegadel geboren und ließ sich zunächst von seiner Mutter auf der nicht ganz kurzen Strecke begleiten, ehe er sie alleine unter die Räder nahm. Ostersemmeln oder Osterzöpfe waren ebenfalls gute „Pingel“, ergänzt Ingrid Walter. „Und mit ganz viel Glück gab es fünf Mark“, weiß Simone Seeliger.

Vortrag über Symbolkraft der Osterzeit

An derlei Geschichten erinnert die Ausstellung. Ergänzt wird sie am 23. März um 19 Uhr von einem Vortrag der sorbisch-wendischen Sprachschule. Dozentin Ute Henschel referiert über die „Symbolkraft in der Osterzeit“. Am 5. April lädt der Freundeskreis zur Gestaltung sorbisch-wendischer Ostereier in den Kornspeicher ein. Ab 13 Uhr zeigen Brigitte Thiel und Sabine Tropf, wie die Muster entstehen und welche Techniken es gibt.

Bis zum 30. April dürfte der Kornspeicher dann nach der Winterruhe endgültig hellwach sein. Denn dann wird einmal mehr die legendäre Hexennacht gefeiert. Um zum Abschluss auf die (Schnaps-)Zahlen zurückzukommen: am 15. August feiert der Freundeskreis seinen 15. Geburtstag – mit einem Ausflug in die 60er-Jahre und einem Theaterstück der Neuen Bühne Senftenberg unter dem Titel „Elvis, der King und ich“.