Welche behördlichen oder juristischen Folgen der Unfall vom Oktober des vergangenen Jahres haben wird, ist noch offen. Die Ermittlungen laufen.

Eines scheint aber klar. "Es wird künftig mehr auch ganzjährige Sperren von Gewässern geben als bislang gewohnt." Das sagt der Revierförster Lutz Balke. Denn nicht nur in seinem Revier Schützenhaus, in dem er für die Verkehrssicherung zuständig ist, häuft sich die Arbeit. Es sind verschiedene Ursachen, die mehr und mehr Bäume auf sozusagen wackligen Beinen stehen lassen.

Balke stakt durchs Nordfließ und zeigt auf die Ufer. Eine Krankheit hat eine Esche befallen, Wurzeln sind kaum mehr vorhanden. Ein anderer Pilz setzt Erlen zu, schwarze Flecken am Stamm deuten ebenso darauf hin wie kümmerliche Kronen. Manches seien Spätfolgen der Hochwasser der vergangenen Jahre; der Sturm dieser Tage tut sein Übriges. Manchen Bäumen sehe man diese Schäden aber nicht an, sagt Fachmann Balke. Sie fallen plötzlich um, und erst dann wird das Ausmaß deutlich. Hinzu kommen die Schäden an Bäumen, die etwas weiter drin im Gelände stehen, beim Umfallen aber andere am Ufer mitreißen. Auch das erhöhe den Aufwand an Prüfung und gegebenenfalls Eingriff. Zwischen 50 und 55 Kilometer Gewässer, so schätzt Balke, muss er im Blick haben. Es gebe "massive Probleme, die konzentriert auftreten".

"Früher haben wir die Verkehrssicherung im Winter durchgezogen." Heute sind allein zwei Leute ganzjährig damit beschäftigt, umstürzende Bäume zu schlagen oder Geäst aus den Fließen, aus Wehren und Schleusen zu fischen. Und es gibt ein touristisches Gegenstück: "Bis Weihnachten und dann zeitig im Jahr sind Paddler unterwegs, der Winter-Tourismus nimmt zu."

So sei von beiden Seiten Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft gefragt. Für die Sicherung von Waldarbeiten gebe es klare Regelungen. Sie reichen von Schildern, Sperrbändern bis hin zu Posten an den Fließen. Dennoch stellen die Waldarbeiter immer wieder fest, dass die Hindernisse umgangen werden. Balke: "Paddler ziehen ihre Kanus übers Ufer. Viele vergessen, dass sie sich im Naturschutzgebiet bewegen oder kennen die Schilder nicht." Schrägster Fall war, als sich ein Paddler samt Gefährt unter einem arbeitenden Seilkran, der Baumstämme aus dem Wald zieht, hindurch schlängelte.

Oft fehle es vor allem den Tagesausflüglern an den nötigen Informationen. "Viele wissen nicht mehr, wo sie eigentlich sind, und fahren dann in gesperrte Fließe." Vor allem Verleiher seien hier gefragt, um ihre Kunden besser zu unterrichten. Zudem stünden die aktuellen Sperrungen auf der Internetseite der zuständige Behörde, dem Landesamt für Bauen und Verkehr.

Balke will nicht jeden Baum sofort fällen lassen. Viele trügen ja zum Bild des Spreewaldes bei. Das erfordere jedoch einen erhöhten Kontrollaufwand. Und dann ist da noch der Biber. Mittlerweile flächendeckend im Hochwald unterwegs, nagt er sich durch Traubenkirschen, Pappeln und Eichen in Ufernähe. Am Nordfließ sind seine Spuren mehr als deutlich zu sehen.