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| 01:39 Uhr

Spreewälder Kritik am neuen Windkraftplan

Dahme-Spreewald. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat zum Entwurf des neuen Teilregionalplanes Windkraftnutzung der Regionalen Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald eine ausführliche Stellungnahme abgeben. Darin findet sich zu zehn der zwölf geplanten Eignungsgebiete im Landkreis deutliche Kritik, die in die weitere Planung einfließen soll. Von Peggy Kompalla

Zunächst begrüßt die Kreisverwaltung die Konzentration der Eignungsgebiete von bislang 17 auf zwölf im Landkreis Dahme-Spreewald. Einschränkend wird in der Stellungnahme aber gefordert, dass für die Standorte eine Höchstzahl an Anlagen festgeschrieben werden sollte, um ein Überfrachten von Landschaften mit Windrädern – wie es sie beispielsweise bereits im Raum Luckau/Dahme gebe – zu vermeiden. Zudem wird gefordert, dass außerhalb der Eignungsgebiete keine Windkraftanlagen gebaut werden dürfen. Das müsse in dem Plan entsprechend formuliert werden. In diesem Zusammenhang verlangt die Kreisverwaltung einen Mindestabstand von fünf Kilometern zwischen den Eignungsgebieten, „zum Erhalt der gewachsenen Kulturlandschaft sowie zum Schutz des Landschaftsbildes“. Darüber hinaus sollten Naturschutzgebiete als Tabuzonen für Windkrafträder eingestuft werden und nicht wie im vorliegenden Entwurf formuliert mit einer Pufferzone von 500 Metern ausgestattet werden dürfen.

Deutliche Kritik gibt es vonseiten des Kreises auch an der in mehreren Fällen nicht eingehaltenen Abstandregelung von 1000 Metern zur Wohnbebauung. Dagegen hatte die Regionale Planungsstelle eigenen Angaben zufolge erklärt, das beachtet zu haben. So werde der bereits geringere Abstand zu Siedlungen in einigen Fällen nochmals reduziert. Dies sei beispielsweise bei den Plänen für die Eignungsgebiete in Trebitz und Neu Zauche der Fall. „Dies ist nicht zu akzeptieren“, heißt es in der Stellungnahme.

Anmerkungen zu den einzelnen Eignungsgebieten:

Trebitz Nord: Das Gebiet wurde um 156,8 Hektar in die umliegenden Waldbereiche vergrößert. Der Abstand der südlichen Grenze zur letzten Wohnbebauung sei gegenüber dem alten Teilregionalplan deutlich reduziert und betrage nur noch rund 600 Meter. „Hier ist die Einhaltung des 1000-Meter-Abstandes zu prüfen“, so die Stellungnahme.

Waldow/Brand: Das bestehende Eignungsgebiet wurde westlich der A 13 im Norden und Süden sowie östlich der A 13 auf insgesamt 425 Hektar vergrößert. Während der Erweiterung westlich der Verkehrstrasse zugestimmt werden könne, ist das laut Stellungnahme für die Flächen östlich nicht der Fall. Insbesondere durch die Inanspruchnahme von Grünlandflächen in diesem Bereich würde der ohnehin bereits eingeschränkte Nahrungsraum der zwei Schönwalder Weißstorchenbrutpaare weiter eingeengt. Zudem handele es sich bei diesem Gebiet um einen mit Kleingewässern, Hecken und einer Streuobstwiese strukturierten Naturraum, in dem laut dem Kreisgutachten unter anderem mit einer vielfältigen Fledermausfauna zu rechnen ist. Zudem könne nicht akzeptiert werden, dass Schönwalde von Windparks eingekreist wird, da es bereits südlich des Ortsteils ein Eignungsgebiet gibt. Beide Flächen wären überdies nur drei Kilometer voneinander entfernt.

Obendrein steht die Erweiterung des Windparks östlich der Autobahn gegen die touristischen Entwicklungspläne von Tropical Islands. Der Campingplatz und die geplanten Ferienhausanlage seien wichtige Wirtschaftsfaktoren in der Region und von landesweiter Bedeutung. „Dies bedarf aber auch der Erhaltung und Entwicklung der umgebenden Erholungslandschaft“, heißt es in dem Gutachten.

Schönwalde Südost: Eine maßvolle Ergänzung südlich und westlich des vorhandenen Eignungsgebietes – jedoch nicht auf Grünlandstandorten – sei möglich und sinnvoll. Dagegen spricht der Artenschutz gegen die Ausweisung nördlich der Ortsverbindungsstraße Schönwalde und Lubolz sowie östlich des vorhandenen Eignungsgebietes. Dies seien Nahrungsflächen der Schönwalder, Freiwalder und Lubolzer Weißstörche sowie Brutplätze für Rotmilan und Baumfalken.

Klein Leine: Das vorhandene Windeignungsgebiet wurde von rund 99 Hektar unter Einbeziehung des östlich anschließenden Waldes auf etwa 220 Hektar vergrößert. Für die Ortslagen Groß und Klein Leine seien die geforderten Abstandsflächen von 1000 Metern nicht eingehalten. „Die Abstände sind zu prüfen“, so die Stellungnahme.

Briesensee West: Der Erweiterung des Windgebietes stimmt die Kreisverwaltung nicht zu. Das Gebiet soll laut Entwurf von derzeit rund 103 auf 193 Hektar vergrößert werden. Die Grenze sei jedoch nur rund 900 statt der geforderten 1000 Meter von Radensdorf und Briesensee entfernt. Zudem würde die Erweiterung in westlicher und nordwestlicher Richtung erheblich in den Tabubereich des Schwarzstorchhorstes eingreifen. „Darüber hinaus wird die Zuglinie von Kranichen und nordischen Gänsen zwischen Kockrowsberg in Richtung Landgrabenniederung im Bereich Dürrenhofe, Gröditsch, Pretschen weiter eingeschränkt und beeinträchtigt“, heißt es im Gutachten.

Neu Zauche Nord: Das Eignungsgebiet wurde um rund 28 Hektar verkleinert. Trotzdem wird laut Kreis hier nicht der 1000-Meter-Abstand zu den Ortslagen Neu Zauche und Caminchen eingehalten. Durch die Verschiebung des Gebietes in Richtung Südwesten geraten das Kleingewässer Torfstich Neu Zauche sowie ein weiterer Abschnitt des Klein Leiner Fließes in den Einflussbereich der Windräder. Das würde in den Tabubereich des Brutplatzes der Rohrweihe und des Neu Zaucher Weißstorchpaares eingreifen. Aus diesen Gründen erklärt der Kreis: „Der Erweiterung im Südwesten wird nicht zugestimmt, zumal die Eignungsgebietsgrenze weiter zur Ortslage Neu Zauche verschoben wurde.“

Duben West: Erhebliche Bedenken gibt es vonseiten des Landkreises auch zur Erweiterung dieses Windparks. „Die negativen Wirkungen auf das Landschaftsbild, die Fledermausfauna und die Vögel durch den bestehenden Windpark sind jetzt schon sehr hoch. Die Umgebung der Stadt Luckau mit seiner denkmalgeschützten Silhouette wird weiter beeinträchtigt“, argumentiert die Verwaltung. Das vorhandene Eignungsgebiet mit einer Fläche von rund 676 Hektar soll laut dem Entwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft im Westen und Nordwesten um weitere 275 Hektar vergrößert werden.

Dabern Nord: Für den Landkreis ist es in diesem Fall „unverständlich, weshalb diese Fläche in die Eignungsgebietsplanung aufgenommen wurde“. Das Gebiet liegt im nördlichen Teil in Dahme-Spreewald und ist Teil des Naturparks „Niederlausitzer Landrücken“ und dem Lausitzer Grenzwall zuzuordnen. Dieses Gebiet sei der höchsten Empfindlichkeitsstufe zuzuordnen, heißt es im Gutachten und weiter: „Es muss abgesichert werden, dass der Landrücken nicht durch Windkraftanlagen visuell beeinträchtigt wird.“ Das Gebiet habe eine wichtige ökologische Funktion als Rückzugsraum und Fortpflanzungsstätte für die Tierwelt. Darüber hinaus würde durch den Windpark eine Zugroute von Kranichen und nordischen Gänsen aus dem Luckauer Raum in das Lugkteichgebiet erheblich gestört. Das Gebiet soll laut Entwurf von 26 auf rund 105 Hektar erweitert werden.