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| 18:27 Uhr

8. Spreewälder Kirchennacht
Mystisches in Kirchen und Ruinen

Historiker Andreas Weigelt stellte zum Auftakt der Spreewälder Kirchennacht in der Ruine der Lieberoser Stadtkirche das Projekt zur Gestaltung einer Freiluftausstellung im nächsten Jahr vor. Anlass ist das Jubiläum 500 Jahre Standesherrschaft der Schulenburgs in Lieberose.
Historiker Andreas Weigelt stellte zum Auftakt der Spreewälder Kirchennacht in der Ruine der Lieberoser Stadtkirche das Projekt zur Gestaltung einer Freiluftausstellung im nächsten Jahr vor. Anlass ist das Jubiläum 500 Jahre Standesherrschaft der Schulenburgs in Lieberose. FOTO: Ingrid Hoberg
Goyatz/Lieberose/Zaue/Neu Zauche/Straupitz. 8. Spreewälder Kirchennacht bietet unerwartete Einblicke in die Geschichte der Region. Von Ingrid Hoberg

Wer hat schon Lust, sich bei Temperaturen um die 30 Grad im Schatten mit Fakten, Zahlen, Ereignissen vergangener Zeiten zu beschäftigen? Trotz der Hitze sind bis zu 50 Gäste und Einheimische der Einladung zur 8. Spreewälder Kirchennacht gefolgt.

„Wir haben das Thema ,Mystische Wanderung durch die Kirchen‘ benannt, doch was dann von den vier Kirchengemeinden vorbereitet wurde, da haben wir nichts vorgegeben“, sagt Jana Lopper, Geschäftsführerin der Tourismus-Entwicklungsgesellschaft Goyatz (TEG). Und so lässt sie sich auch davon überraschen, wie an den einzelnen Stationen das Thema umgesetzt wird.

In der Landkirche Lieberose erwartet Historiker Andreas Weigelt die Besucher. Selbst im Kirchenraum ist es nicht mehr so kühl wie erhofft. Doch es ist spannend, was er über die Lieberoser Geschichte, die Herrschaft der Schulenburgs, die Wenden/Sorben und die Deutschen zu berichten weiß. Er erklärt, welchen Einfluss die Kirche auf die Verbreitung der Sprachen hatte, welche Rolle die Standesherrschaft spielte.  „Von verlorenen Grafen und zerstörten Kirchen“ lautet das Motto, zu dem auch eine Besichtigung der Ruine der Stadtkirche gehört. Das Gelände ist ansonsten für  Besucher nicht zugänglich. Wie Andreas Weigelt ankündigt, soll es im nächsten Jahr eine Freiluftausstellung geben, die sich dem Thema „500 Jahre Standesherrschaft der Schulenburgs“ widmet.  

Es gäbe noch viel zu berichten über die gräflichen Grabstätten, vorhandene wie vermisste, über das Zusammentreffen von Slawen und Deutschen, doch die Glocke der Kirchturmuhr schlägt sechs Mal – es geht weiter zur nächsten Station: Zaue. Die einen steigen wieder in den Bus ein, der in Goyatz an der Touristinformation gestartet ist, andere sind mit dem eigenen Fahrzeug da und folgen seiner Spur.  In der um 1280 erbauten Marienkirche Zaue, eine der ältesten Dorfkirchen der Niederlausitz, erwartet Volkhard Dietrich die Besucher. Der Bielefelder ist auch in diesem Sommer die Urlaubsvertretung für Pfarrerin Dörte Wernick und weiß Interessantes  zu berichten darüber,  „Wo  Leichhardts Lehrer ruht und was der Taufengel zu erzählen hat“, so das Thema. Die gotischen Wandmalereien sind freigelegt und die Madonna aus Lindenholz überlebte die Jahrhunderte.  Der Taufengel, der über allem schwebt, stammt aus der Zeit des Barock. Auf dem Kirchhof ist das Grab von Pfarrer Anton Friedrich August Rödelius (1779 bis 1858) zu finden.  Er unterrichtete Ludwig Leichhardt, bereitete ihn auf den Besuch des Gymnasiums in Cottbus vor.

Mit Applaus bedanken sich die Gäste nicht nur für die interessanten Worte, sondern auch für das Büfett, das von drei Frauen der Kirchengemeinde angerichtet worden war. Solch eine Wissenstour macht eben auch hungrig und durstig sowieso. Doch allzu lange darf die Pause nicht dauern. Roland Schöne wartet mit dem Bürgerbus schon, um zur evangelischen Kirche Neu Zauche zu starten. „Herrschafts-Zeiten: Von Kirchen, Schlössern und ihren Hausherren“ lautet dort das Motto.  Mit einer erfrischenden Bowle oder Zitronenwasser werden die Gäste begrüßt. Tatjana Süß lässt die Orgel erklingen, während Pfarrer Thomas Jaeger vom Kirchenportal  forteilt, um kurz darauf als Ritter Jobs von Bredow wieder zu erscheinen. Was er über die Wenden/Sorben zu erzählen hat und wie er mit ihnen umging, das steht im Gegensatz zu den Schulenburgs in Lieberose. Die Einen setzten sich dafür ein, dass die christliche Botschaft in der Sprache vermittelt wird, die die Menschen verstehen. Der Andere führte die deutsche Sprache in den Gottesdienst ein und  ärgerte sich über das schwer zu erschließende Land, die ärmlichen Verhältnisse. Die Schlösser beider Herrschaften suchen gegenwärtig nach neuen Eigentümern, einer neuen Nutzung.

Von der 1859 bis 1862 errichteten Kirche geht es weiter zur etwa gleich großen Schinkelkirche in Straupitz. 1832 war die nach den Bauplänen von Karl Friedrich Schinkel errichtete Kirche mit mehr als 1000 Plätzen eingeweiht worden. Wie es dazu kam, dass der bekannte Bauherr  im Spreewalddorf Straupitz seine Spuren hinterließ, weiß Pfarrer Christoph Hanke in seiner unterhaltsamen Lehrstunde über Heraldik und „Straupitzer Grabgeschichten“ zu berichten.  Auch wenn Wappen nichts mit Mystik zu tun haben, geht um halb zehn zur Nacht die wissensreiche Wanderung durch die Kirchen zu Ende.