Das Konzert mit dem Musiker und Komponisten war der Auftakt der neuen Saison der "Straupitzer Freitage". Cheforganisator Olaf Döbel holt traditionell bekannte und erfolgreiche Künstler in den Oberspreewald. Günther Fischer gehört ohne Zweifel dazu. Er hatte schon im Jahr 1967 seine eigene Jazzband gegründet, gab Konzerte etwa mit Uschi Brüning und Regine Dobberschütz, komponierte beispielsweise für Veronika Fischer und Manfred Krug. Und er schrieb zahlreiche Filmmusiken. Einige der bekanntesten präsentiert Günther Fischer am Freitagabend seinem Publikum.
"Schon mal was vom ,Schattenmann' gehört?" Klar doch, die Zuhörer wissen Bescheid, kennen auch den "Kapitän". Fischer schmunzelt, schnappt sich sein Instrument und spielt los. Dabei schließt er die Augen und taucht ein in seine Welt.
Jazz gehört zu seinen Vorlieben. Seit dem Jahr 1989 arbeitet er in erster Linie als Komponist mit Schwerpunkt Filmkompositionen. Zu Beginn des Konzerts plaudert er darüber mit Ralf Jußen, dem Moderator des Abends: Fischer erzählt, wie es sich im irischen Cork - seiner jetzigen Heimat - so lebt, was er an der grünen Insel liebt: "Da sind die Pubs, die Gelassenheit und Freundlichkeit der Leute."
Der Moderator möchte mehr wissen. Doch Günther Fischer will musizieren: "Gleich weiter, nicht so viel quatschen", sagt er und fordert den Tontechniker auf, das nächste Lied einzuspielen. Dabei zieht er einen Spickzettel aus seiner Jackentasche, ruft dann über die Köpfe der Zuhörer hinweg: "Jetzt die Nummer zwei."
Dieses Prozedere wiederholt sich vor jedem Lied. Günther Fischer hatte verschiedene Filmmusiken auf einen kleinen Zettel geschrieben und jeweils nummeriert. "Jetzt die 14, aber lauter, ich hör' nichts." Das Konzert lebt von der Improvisation, aber vor allem von der Spontaneität und Klasse des Künstlers.
Seine Ideen leben in zahlreichen Musiken für Filme und Fernsehserien: zum Beispiel in "Für alle Fälle Stephanie" oder "Unser Lehrer Doktor Specht", auch in "Das Versteck" mit Manfred Krug. Als sich Fischer sein Saxophon schnappt und die Melodie aus "Solo Sunny" spielt, gibt es erste Pfiffe der Lust und leidenschaftliches Klatschen. Der Künstler hat sein Publikum längst elektrisiert. Ralf Jußen bittet zum Abschluss ein zweites Mal um "Solo Sunny". Auch Günther Fischer ist wohl zufrieden mit seiner Solopremiere: "Ein ungewöhnlicher Freitag", sagt er nach mehr als zwei Stunden Streifzug durch die Filmwelt. Es wird vielleicht nicht das letzte Gastspiel des Künstlers in Straupitz gewesen sein. Der Moderator kündigt an: "Günther Fischer soll im nächsten Jahr wiederkommen. Wir haben schon ein paar verrückte Ideen."