ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:37 Uhr

Wendenfürst mit an Bord
Spezielle Gaumenfreude und Spreewald pur

Whisky pur bei Entspannung pur genossen Teilnehmer einer thematischen Kahnfahrt in Schlepzig.
Whisky pur bei Entspannung pur genossen Teilnehmer einer thematischen Kahnfahrt in Schlepzig. FOTO: Birgit Keilbach
Schlepzig. Whisky-Tasting auf dem Kahn im Unterspreewald. Von Birgit Keilbach

In das Universum des Whiskys kann man nicht nur in Schottland eintauchen. Das geht auch im Spreewald. Seit 2004 steht in Schlepzig die Whisky-Brennerei von Torsten Römer. Heute stellen die „Spreewood Distillers“ hier ihren „Stork Club“ (Storchen Club)-Whisky her. In der Brennerei beginnt der Ausflug in die traditionsreiche und weltweite Geschichte des Whiskys. Wendenfürst Graf Wussilo zu Schlepzig selbst nimmt die Gäste mit auf die Reise, gemimt von Frank Selbitz, den Kahnfährfrau Yvonne Huber unterstützt.

„Jetzt fahren wir über die Fließe in Pusch und Wiesen“, kündigt sie in niedersorbischer Festtagstracht an. Graf Wussilo kredenzt den Gästen den inzwischen vierten Whisky, einen Glenfiddich. Der besondere Tropfen wird in besonderen Gläsern gereicht – im tulpenförmigen Nosing Glas oder dem Tumbler, ein etwas schräg geformtes, sehr rustikales Glas. Während die Whiskygenießer den Geschmack auf der Zunge erspüren, wirkt das Naturerlebnis wunderbar auf dem sanft dahin gleitenden Kahn, wie Liane Topel-Zellmer und Marcus Topel aus Strasburg in der Uckermark feststellen. Sie verbringen ihren Urlaub in Lübben „und die Whisky-Kahntour habe ich meinem Mann geschenkt“, erzählt Liane Topel-Zellmer.

Frank Selbitz bringt ihnen indes die Geschichte des Wendenfürsten Wussilo nahe und holt die nächste Flasche hervor. „Auchentosan“, ein weiterer schottischer Whisky, funkelt in den Gläsern. „Dreimal destilliert und zwölf Jahre im Fass gelagert“, erfahren sie. Whisky werde in Schottland meist aus Gerste hergestellt. Er dürfe nicht höher als 92 Prozent abdestilliert werden und müsse mindestens drei Jahre in Eichenfässern lagern. Dass die Japaner am meisten Whisky trinken und die Inder den meisten Whisky als Rohprodukt herstellen, überrascht. „Sie stellen ihn aus Gerste nach schottischer Tradition her, das hat seinen Ursprung in der Zeit, als Indien britische Kronkolonie war“, erläutert Selbitz. Die Lagerung erfolge zum größten Teil in Schottland.

Dort wurde 1494 aquavite erstmals in Steuerunterlagen urkundlich erwähnt. Der Benediktinermönch John Core hatte eine entsprechende Menge Malz eingekauft, um daraus „Uisge Beatha“ – „das Wasser des Lebens“ für König James IV. herzustellen. Die Legende besagt, dass er den Rest in Fässern lagerte und dem Tod nur entging, weil sich der König von dem dann „braunen Zeug“ so angeregt fühlte, dass er John Core zum 1. Königlichen Hofbrennmeister ernannte.

Den Begriff Whisky verwendete als erster der schottische Nationalschriftsteller Robert Burns. Ihm zu Ehren ist auch ein Whisky benannt, der auf dem Kahn verkostet wurde. Dass der Whisky über eine Klemme in der Alkoholversorgung der Tories in London den weltweiten Siegeszug antrat und aus diesem Grund die verschnittenen (Blended) Sorten entstanden, auch das erfuhren die Gäste. Dazu kosteten sie einen weiteren Spreewald-Whisky: „Der Kolonist“, gebrannt in Burg-Kolonie.

„Ich war etwas skeptisch, wie Whisky aus Schlepzig schmecken wird, aber bin angenehm überrascht vom Geschmack und der Vorstellung“, resümierte Bernd Giese aus Grünheide bei Berlin. „Es war eine unterhaltsame, lehrreiche Kahnfahrt. Wir haben viel über den Whisky und die Geschichte erfahren “, sagte Marcus Topel. „Und wann kann man schon mal so viele Sorten testen?“