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| 17:59 Uhr

Lübben
Ausstellung über Speziallager in der Lübbener Kirche

In der Paul-Gerhardt-Kirche Lübben wird zurzeit eine bewegende Ausstellung über das Speziallager Ketschendorf gezeigt.
In der Paul-Gerhardt-Kirche Lübben wird zurzeit eine bewegende Ausstellung über das Speziallager Ketschendorf gezeigt. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. In Ketschendorf südlich von Fürstenwalde waren auch viele Menschen aus der Region inhaftiert. Von Schirling

In der Paul-Gerhardt-Kirche Lübben ist gegenwärtig eine Wanderausstellung zum Lager in Ketschendorf zu sehen. Unter dem Titel „Die Straße, die in den Tod führte“ sind zahlreiche Tafeln und Beiträge zur Geschichte des sowjetischen Internierungslagers zu sehen, das mit einer Sterberate von 44 Prozent als schlimmstes seiner Art galt. Von den weit mehr als 10 000 Insassen – Männer, Frauen und Kinder – starben 4620.

Neben den bewegenden Wandtafeln liegen in der Kirche auch Flyer aus, die über die Geschichte des Lagers informieren. Initiator der Ausstellung ist Eckhard Fichtmüller von der Initiativgruppe Lager Ketschendorf. Zeitweise ist zudem Zeitzeuge Heinz Schulz als Ansprechpartner vor Ort.

Das Speziallager Nr. 5 war eines von zehn und lag südlich von Fürstenwalde. Es wurde im April 1945 eingerichtet, wobei die vorhandene Wohnsiedlung von den Gefangenen selbst in ein befestigtes, ausbruchssicheres Lager umgebaut werden musste. Ein 2,5 Meter hoher Bretterzaun, weitere Stacheldrahtzäune und Wachttürme umgaben es.

Inhaftiert wurden neben ehemaligen NSDAP-Mitgliedern auch politische Oppositionelle sowie zahlreiche Jugendliche, denen vorgeworfen wurde, als Partisanen weiterhin gegen die Besatzungsmacht kämpfen zu wollen – auch „Werwölfe“ genannt. Eine Schuldfeststellung gab es aber nicht.

Im Sommer 1948 erfolgten die ersten Entlassungen. Verbunden waren sie jedoch mit einem Schweigegebot unter Androhung hoher Strafen. Für viele der Überlebenden war dies mit das Schlimmste.

Neben vielen detaillierten Informationen umfasst die Ausstellung persönliche Eindrücke und ergreifende Schilderungen beispielsweise des Massengrabes am „Wäldchen“.