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| 13:44 Uhr

Filiale wird geschlossen
Schönwalder sind fassungslos: Sparkasse macht dicht

 Die Sparkassen-Geschäftsstelle in Schönwalde wird zum 31. Oktober geschlossen. Besonders für die älteren Menschen des Unterspreewald-Ortes bedeutet das einen großen Einschnitt.
Die Sparkassen-Geschäftsstelle in Schönwalde wird zum 31. Oktober geschlossen. Besonders für die älteren Menschen des Unterspreewald-Ortes bedeutet das einen großen Einschnitt. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Schönwalde. „Wir sind stinksauer“, sagt der Bürgermeister – doch die Sparkasse verteidigt ihre Entscheidung. Es gibt aber auch Pläne, die Folgen zu mildern. Von Ingvil Schirling

Für die Schönwalder möge das vielleicht wie Hohn klingen, bestenfalls ein schwacher Trost sein, aber: „Die Sparkasse steht zu ihren Geschäftsstellen“, betont Robert Heiduck. Der Pressesprecher der Mittelbrandenburgischen Sparkasse hat dieser Tage eine Aufgabe, um die ihn wohl niemand beneidet: Er muss in der Öffentlichkeit vertreten, dass die Schönwalder Filiale zum 31. Oktober schließt.

„Wir haben uns diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht“, sagt er. Doch bei immer selteneren Bankbesuchen trage sich die Filiale mit ihren zwei Mitarbeiterinnen schon lange nicht mehr, obwohl diese gute Arbeit machen würden.

Hörbare Enttäuschung

Das können die Schönwalder nur bestätigen, für die die Schließung ein herber Verlust ist. Bürgermeister Roland Gefreiter ist die Enttäuschung an der Stimme anzuhören. „Das kann nicht sein“, sagt er, „gerade in einem Ort, in dem es aufwärts geht. Wir sind stinksauer.“

Für Bäckerin Liane Rieß-Meißner „ist das eine Katastrophe“. Sie nutzt die Filiale bevorzugt, um die Bareinnahmen einzuzahlen. „Wenn ich das in Lübben machen muss, bekomme ich erstens keinen Parkplatz. Und zweitens gibt es nur einen Ein- und Auszahlungsautomat. Wenn da nur ein Schein geknickt oder leicht beschädigt ist, sagt der sofort ,Error’ und bleibt stehen. Da sind die Leute in der Schlange hinter mir restlos begeistert“, sagt sie ironisch. Weil das manchmal lange dauert, habe sie mittlerweile auch Angst vor dieser Pflicht.

Problematisch für Ältere

Sie erinnert zudem an die älteren Schönwalder, die mit ihrer Papier-Überweisung zur Filiale ihres Vertrauens gehen. Manche würden sich sogar von den Mitarbeiterinnen den Überweisungsträger ausfüllen lassen. Das bestätigt Monika Kleemann, die am Donnerstagmorgen mit ihrer Mutter in der gewohnten Filiale war. „Es ist richtig schade, dass sie geschlossen wird. Wir wurden immer gut beraten. Für die ältere Generation wird das sehr schwer.“

Dass „Vertrauen die wichtigste Währung im Bankgeschäft ist“, weiß Robert Heiduck. Doch die Zahl derer, die häufig persönlich zur Bank müssen, sinkt. Das Kundenverhalten verändert sich hin zum bargeldlosen Bezahlen und zum Online-Banking.

Liane Rieß-Meißner ärgert zwar, dass Kreditinstitute durch die Kontobedingungen die Kunden „geradezu zwingen, ins Online-Banking zu gehen“. Doch Robert Heiduck sieht Deutschland in dieser Entwicklung noch deutlich hinter anderen Ländern, die beim bargeldlosen Bezahlen wesentlich weiter seien. „Dazu müssen aber auch die technischen Voraussetzungen da sein“, sagt die Schönwalder Bäckerin.

Sparkassen-Bus soll fahren

Um die Folgen abzumildern, will die MBS ab November den Sparkassenbus, der schon jetzt täglich eine Tour fährt, auch Schönwalde ansteuern lassen. Die künftige Kundennachfrage soll die Zeitdauer regeln, in der der Bus in dem Unterspreewald-Kleinzentrum halten wird. „Wenn der Busfahrer meldet, dass sich Schlangen bilden, wird er natürlich länger halten“, so Heiduck.

Die Sparkassenkunden erfuhren am Mittwoch per Post von der Schließung und haben nun die Wahl, ob sie ihr Konto künftig in der Golßener oder in der Lübbener Filiale führen möchten.

Unterdessen sucht Bürgermeister Gefreiter nach Möglichkeiten, wie die Schönwalder ohne die gewohnte Geschäftsstelle künftig Bargeld abheben können – möglicherweise beim Einkaufen in dem kleinen Markt, der in Schönwalde nur liebevoll „der Konsum“ genannt wird. Dort ist seit kurzem überhaupt erst Kartenzahlung möglich, die nun eventuell ausgebaut werden könnte.

Klar ist ihm: „Die Entscheidung der Sparkasse steht fest. Wir haben versucht zu diskutieren – vergeblich.“ Er vermutet, dass der Bargeldverkehr für das Kreditinstitut mehr und mehr zur Last wird und erinnert, dass es in seiner besonderen Form einen gesetzlich verankerten Versorgungsauftrag hat. Darüber hinaus werde in Schönwalde investiert, an die Schule und Kita angebaut, ebenso an die Verwaltung. Besonders bitter sei auch dies: Die Filiale ist so alt wie wohl so manche ihrer Kunden. Sie wurde am 19. Februar 1929 als Luckauer Zweigstelle eröffnet und besteht damit seit stolzen 90 Jahren.

All das bestreitet Heiduck nicht. Er ergänzt allerdings, dass die Sparkasse ebenso zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet sei. „Wir können nicht einen Geschäftszweig dauerhaft mit anderen subventionieren“, unterstreicht er. Die große Enttäuschung könne er verstehen. „Aber wir müssen nachhaltig wirtschaften.“