ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Spannende Lübbener Details entdeckt

Etwa 150 Leute haben sich am Weltgästeführertagam Sonntag in Lübben beteiligt. Foto: A. Staindl/asd1
Etwa 150 Leute haben sich am Weltgästeführertagam Sonntag in Lübben beteiligt. Foto: A. Staindl/asd1 FOTO: A. Staindl/asd1
Lübben. Das Interesse am Weltgästeführertag in Lübben war groß. Etwa 150 Leute haben sich am Sonntagnachmittag beteiligt. „So viele Teilnehmer – mir geht ganz schön die Muffe“, gestand Jutta Küchler schmunzelnd, als sie die vielen Gäste am Haintor in der Breiten Straße begrüßte. Von Andreas Staindl

Die Gästeführerin führte gemeinsam mit Hans-Georg Schmidt die interessierten Bürger durch die Innenstadt. Der Weltgästeführertag fand erstmals in Lübben statt. "Wir wollen auf unsere Arbeit aufmerksam machen", sagte Birgit Kalz. "Lübben hat kompetente Gästeführer und eine sehr interessante Geschichte." Die Schlabendorferin leitet die Interessengemeinschaft (IG) Lausitzer Gästeführer, zu der auch die Lübbener Jutta Küchler, Hans-Georg Schmidt und Gisela Christl gehören. Lübben ist reich an geschichtlichen Zeugnissen. Manches ist bekannt, anderes weniger.

Kleinode begutachtet

Der Weltgästeführertag hat auf Kleinode in der Kreisstadt aufmerksam gemacht. "Durch Tor und Tür" ist in diesem Jahr das bundesweite Motto. Die Organisatoren in Lübben haben sich intensiv mit Geheimnissen hinter Tore und Türen in der Kreisstadt beschäftigt und dabei Spannendes entdeckt.

Hans-Georg Schmidt wusste viele Details zum Lübbener Haintor zu berichten. Auch das dortige Haus der Diakonie - das frühere Hospital "Zum Heiligen Geist" - hat Schmidt zufolge eine bewegte Geschichte.

Seit 1726 präsentiere sich das Gebäude in der heutigen Form. Erste Informationen von einem Haus an diesem Platz stammten jedoch aus dem Jahre 1396. Gut, dass sich auch Paul Gerhardt unter die Teilnehmer gemischt hat. So konnte er bestätigen, dass er oft den mühsamen Weg von der Kirche zum Friedhof durch den Hain gehen musste. Helmut Haß schlüpft traditionell in die Rolle des Liederdichters, führt Gäste durch Lübben und war auch am Sonntag mit dabei.

Während Hans-Georg Schmidt wenig später Interessantes über die Postsäule erzählte, wartete "Tommy" Schwiesow schon vor seiner alten Buchbinderei. Ein Blick in das Traditionsgeschäft in Hainnähe lohnt immer, wie der Inhaber sagt. Zahlreiche Gäste nutzen die Chance.

Den nächsten Stopp gab es ein paar Häuser weiter. Das Fotogeschäft Brunkhorst blickt auf eine lange Geschichte zurück. JGK 1767 steht über der Eingängstür des Gebäudes. Die Jahreszahl steht für den Umbau des Hauses, JGK für Johann Gottfried Kotte, wie die Teilnehmer von der Familie Brunkhorst erfuhren.

Interessant war auch, dass der Großvater des heutigen Fotogeschäft-Inhabers Magnus Brunkhorst der königlich bulgarische Hoflieferant war. Er habe Postkarten mit Spreewaldmotiven an den königlichen Hof in Bulgarien geliefert. "Karten von damals sind inzwischen in der ganzen Welt aufgetaucht", erzählt Magnus Brunkhorst.

Geheimnisse gelüftet

Während der 90-minütigen Stadtführung wurden weitere Geheimnisse Lübbener Stadtgeschichte gelüftet. Die Brücken am Brückenplatz gehören ebenso dazu wie die Paul-Gerhardt-Kirche. Der Eingang des Gotteshauses gehört zu den bedeutendsten Türen in Lübben, wie Jutta Küchler sagt. Sie machte zudem auf die Köpfe am Eingangsportal aufmerksam. Bach und Händel, aber auch Luther und Melanchthon etwa sind dort verewigt.

Ein paar Hundert Meter weiter am Gerichtsgebäude sind die zehn Gebote dargestellt, wie Jutta Küchler erklärt. Der Innenhof des heutigen Landratsamts gegenüber habe für Hans-Georg Schmidt "das schönste Tor" in Lübben. Die Eingangstür zum Wappensaal am Schloss war dem Gästeführer zufolge einst Ehrenpforte für Kaiser Wilhelm II. Die Lübbener Organisatoren der Führung haben sich mit Details an Gebäuden befasst, die kaum wahrgenommen, noch seltener gedeutet werden.

"Ich finde es interessant, mal über den berühmten Tellerrand zu schauen", sagt Lieselotte Niepraschk. "Lübben hat so viel Historisches zu bieten, darauf will ich auch meine Gäste aufmerksam machen." Die Schlabendorferin ist ehrenamtliche Gästeführerin in Luckau.

So wie sie fachlich vom Weltgästeführertag profitiert, freut sich der Lübbener Hospizhelferkreis über die Spenden der Teilnehmer dieser Veranstaltung. "Es ist üblich, engagierte regionale Projekte zu unterstützen", sagt Jutta Küchler.