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| 17:33 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour
Sorgen, Moos und Sterne

"Je verrückter die Unterkunft ist, desto stärker wird sie gebucht": Campingplatz-Betreiber Alexander Weber (M.) zeigt den Sommertour-Gästen die Safari Lodges.
"Je verrückter die Unterkunft ist, desto stärker wird sie gebucht": Campingplatz-Betreiber Alexander Weber (M.) zeigt den Sommertour-Gästen die Safari Lodges. FOTO: LR / Steven Wiesner
Groß Leuthen. Bei der RUNDSCHAU-Sommertour blicken die Besucher hinter die Kulissen vom Eurocamp Spreewaldtor. Betreiber Alexander Weber hat den einst tristen Campingplatz regelrecht wachgeküsst.

Das Eurocamp Spreewaldtor lockt Touristen aus ganz Europa an und gehört mit
20 000 Übernachtungen im Jahr zu den Attraktionen der Märkischen Heide. Was und wer dahinter steckt, konnten Besucher bei der RUNDSCHAU-Sommertour am Dienstag in Erfahrung bringen. Campingplatz-Betreiber Alexander Weber nahm sich die Zeit, führte die mehr als 20 Gäste zwei Stunden lang über das Areal und erklärte, wie er den unter der Obhut der Gemeinde lange Zeit eher kriselnden Platz wieder wachgeküsst hat – und was er noch alles zum Leben erwecken möchte.

Alexander Weber stellt den Besuchern die Baustelle für das neue Freibad vor. Spätestens 2019 sollen Campingplatz-Gäste hier planschen können.
Alexander Weber stellt den Besuchern die Baustelle für das neue Freibad vor. Spätestens 2019 sollen Campingplatz-Gäste hier planschen können. FOTO: LR / Steven Wiesner

Denn ein Campingplatz muss heutzutage weit mehr darstellen als nur eine große Wiese, auf der die Camper ihre Wohnmobile parken können. „Campingplätze entwickeln sich weiter zu Ferienparks“, sagt Weber. Der Anspruch auf Komfort steigt mit jedem Tag. Anbieter, die es tatsächlich wagen, mit Stellflächen ohne Internetverbindung zu werben, sind chancenlos. Gerade für den Nachwuchs muss ein Campingplatz genügend Abenteuer bereithalten. „Kinder bestimmen oft, wo der nächste Urlaub gemacht wird“, weiß Weber. Und auch für Mietobjekte gilt: „Je verrückter die Unterkunft, desto stärker wird sie gebucht.“

Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Darum haben die Webers erst kürzlich sechs neue Ferienwohnungen mit kompletter Ausstattung eingeweiht. Zuvor wurden schon ein paar Safari Lodges hergerichtet. Weber: „Wir mussten einiges umstrukturieren, weil der Platz lange nicht die Auslastung aufwies, die man sich gewünscht hätte.“ Seit der Eröffnung im Jahr 1993 war die Gemeinde für den Platz verantwortlich. „Ich weiß, dass die Gemeinde diesen lange hat abbezahlen müssen“, sagt Weber. „Das hat das Image des Platzes kaum verbessert, weil das Geld Groß Leuthen sicher auch woanders gut getan hätte.“ Unter der kommunalen Trägerschaft konnte das Eurocamp sein Potenzial letztlich nie entfalten. Das hat sich unter Alexander Weber geändert, der als privater Betreiber viel mehr Möglichkeiten hat und das Objekt auch mit mehr Herzblut gestaltet. Frei nach dem Motto „Ohne Moos nix los“ investiert er in die Anlage und macht sie konkurrenzfähig für die Zukunft. Auch Wellness-Bereich und Freibad sind bereits am entstehen.

Seit 2014/15 führt Familie Weber das Eurocamp Spreewaldtor. Allein im vergangenen Jahr zählte das Objekt bis zu 20 000 Übernachtungen.
Seit 2014/15 führt Familie Weber das Eurocamp Spreewaldtor. Allein im vergangenen Jahr zählte das Objekt bis zu 20 000 Übernachtungen. FOTO: LR / Steven Wiesner

Der 33-jährige Ostwestfale ist seit 15 Jahren in der Camping-Szene. Vor drei, vier Jahren hat er mit seinen Eltern den Platz in Groß Leuthen erworben. Zwölf Mitarbeiter bewirtschaften die
13 Hektar große Fläche. Der Platz ist einer von 165 Campingplätzen in Brandenburg. „8,6 Prozent macht das Camping im Tourismus von Brandenburg aus“, erzählt Weber, um gleich zu erklären, warum der Wert im Vergleich zu anderen Bundesländern so niedrig ist: „Es gibt hier viele Naturschutzgebiete. Und die erschweren es vielen Betreibern, ihre Campingplätze zu entwickeln.“

Des Weiteren erzählte Weber den Gästen von seinen Sorgen rund um den möglichen Flugplatz in Groß Leuthen. Er führte ihnen sein neues Kraftwerk vor, mit dem das Eurocamp eigenhändig Wärme und Strom produzieren kann. Und er erklärte ihnen auch, dass es sich der Campingplatz nicht leisten kann, das Thema Digitalisierung zu verschlafen. Weber: „Wir müssen einfach online buchbar sein. Keiner ruft mehr an oder kommt persönlich vorbei, um einen Platz zu mieten.“

Einen Stern aber hat das Eurocamp noch nicht. „Wir lassen uns erst klassifizieren, wenn alles fertig ist, sprich nächstes Jahr“, sagt Weber. „Mir ist es am Ende auch lieber, einen Vier-Sterne-Platz zu haben, bei dem die Leute sagen, der hätte auch fünf verdient, als umgekehrt.“

Wären die Sommertour-Besucher für die Klassifizierung zuständig, dürfte sich Alexander Weber aber sicher über die volle Punktzahl freuen. Nicht nur Karin Moser (69, ehem. Roscheck) aus Lübben zeigt sich angetan von der Entwicklung des Areals. „Ich war seit mehr als zehn Jahren nicht mehr da und bin begeistert.“ Da sie zwischen 2000 und 2002 selbst Betreiberin des Eurocamps war und mit dem Platz unter die zehn schönsten Campingplätze Deutschlands gewählt wurde, kann sie das Wirken der Webers noch besser einordnen. „Ich hatte mich damals in den Platz verliebt, und jetzt habe ich mich neu verliebt. Dieser fortschrittliche Betreiber ist ein Glücksfall für das Eurocamp.“

Auf der Eurocamp-Internetseite  im Übrigen führt Annette Weber unter spreewaldtor.blogspot.com ein Online-Tagebuch, auf dem sie in Bild und Schrift über das Geschehen auf dem Campingplatz berichtet.