ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:38 Uhr

Lieberose
Sorbisches für alle ab drei Jahre als Begegnungssprache

Kitaleiterin Manuela Urspruch und Amtsdirektor Bernd Boschan am Dienstagabend im Bildungsausschuss des Kreistages.
Kitaleiterin Manuela Urspruch und Amtsdirektor Bernd Boschan am Dienstagabend im Bildungsausschuss des Kreistages. FOTO: Frank Pawlowski
Königs Wusterhausen. Rückmeldungen von Eltern sind auf die neue Situation laut Kitaleiterin gut.

 Der Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald, Bernd Boschan, hat im Bildungsausschuss des Kreistages die Kritik an der Beendigung des sorbischen Sprachprojekts Witaj in der Neu Zaucher Kita  Spreewaldspatzen in seiner bisherigen Form zurückgewiesen. In dem Projekt werden Kinder spielerisch mit der sorbischen Sprache vertraut gemacht. „Gerade diejenigen, die sich für die Sprachtumspflege engagieren, werden an den Pranger gestellt. Das ist ungerecht und sehr bedauerlich. Wir waren entsetzt. Das wird den Mühen der Mitarbeiter nicht gerecht“, sagte Boschan in der Ausschusssitzung am Dienstagabend in Königs Wusterhausen.

In einem Fernsehbericht hatte jüngst der Sorbenbeauftragte Dahme-Spreewalds, Dieter Freihoff, das Projekt-Aus als Qualitätsverlust bezeichnet. „Es geht auch Sprachschatz verloren“, sagte Freihoff, der zugleich eine finanzielle Unterstützung des Landes für Kommunen forderte, die derartige Angebote machen. In der Neu Zaucher Kita gab es seit 2002 eine sorbisch-wendische Sprachgruppe. Das sogenannte Witay-Projekt stieß anfangs auf sehr große Resonanz, wie Kita-Leiterin Manuela Urspruch im Ausschuss berichtete. Eine speziell ausgebildete Erzieherin betreute die Kinder. Doch die Anmeldungen gingen deutlich zurück, in diesem Jahr waren nur noch sechs Kinder in der Witaj-Gruppe.

Deshalb sei sie aufgelöst worden, auch weil der Raum wegen der wachsenden Kinderzahl für den regulären Kitabetrieb gebraucht wurden, so Urspruch. Doch das sorbische Sprachangebot gibt es nun in anderer Form weiter. Seit September werde Sorbisch für alle Kinder ab drei Jahren als Begegnungssprache angeboten, jede der Gruppen kann das ein Mal in der Woche  jeweils eine Stunde lang freiwillig nutzen. Von 33 Kindern seien 27 angemeldet worden, berichtete Urspruch. „Das läuft gut an, die Rückmeldungen von Eltern und Kindern sind sehr gut“, sagte die Kita-Leiterin. „Witaj ist als Gruppenprojekt nicht gestorben.“ Das neue Angebot habe sogar den Vorteil, dass mehr Kinder erreicht würden.

Amtsdirektor Bernd Boschan informierte darüber, dass der Brandenburger Rat für sorbische und wendische Angelegenheiten in der kommenden Woche in Neu Zauche tagen wird. Er forderte ebenfalls eine bessere Unterstützung durch die Landesregierung. „Ich erwarte, dass man sich in Potsdam dazu positioniert. Der Landkreis hat mehr als offene Ohren“, sagte er. Im Ausschuss stießen die Informationen aus Neu Zauche auf ein positives Echo. Vorsitzende Martin Mieritz (SPD) war beeindruckt, wie gut das neue Angebot angenommen werde. „Das ist im Sinne der Kinder, ich finde das ganz toll“, sagte sie. Sozialdezernent Carsten Saß würdigte die Bemühungen ebenfalls. Es seien Missverständnisse durch eine „Fehlkommunikation“ entstanden, wie er sagte. „Wenn der Bedarf wieder da ist, kann es auch wieder ein formelles Projekt werden“, sagte Carsten Saß.