Von Andreas Staindl

Mit Gesang und Blasmusik sind Einheimische und Gäste in die Hauptsaison gestartet am Samstagvormittag in Schlepzig (Unterspreewald). Zudem wurde zur zünftigen Kahnfahrt eingeladen.

Auch wenn die niedrigen Temperaturen nur wenige Grad über Null nicht gerade einladend waren – irgendwann muss angestakt werden. Bürgermeister Werner Hämmerling überreichte symbolisch das geschmückte Rudel an Kahnfährmann Mike Böttcher und schob gewohnt wenige Worte hinterher: „Für den Rest müsst ihr selbst sorgen.“  Mike Böttcher dankte im Gegenzug allen, die am Programm der Veranstaltung beteiligt waren.

Siedlungsgebiet jetzt offiziell

Seit Samstag kann der Ort im Unterspreewald nicht nur mit touristischen Angeboten und einer idyllischen Landschaft, sondern auch mit dem Zusatz „sorbisch-wendisches Siedlungsgebiet“ punkten. Der Bürgermeister bekam jetzt für seine Gemeinde offiziell bestätigt, dass immaterielles Kulturerbe in Schlepzig gepflegt wird.

Rudolf Keseberg vom Kulturministerium des Landes Brandenburg überreichte ihm ein Schild mit der Aufschrift „Deutsch-sorbische/wendische Gemeinde-Nimsko-serbska gmejna“. Diese Ehre kam für die Akteure vor Ort überraschend.

„Wir werden für die Tafel einen würdigen Platz finden“, versprach Werner Hämmerling. „Sie wird Einheimische und Gäste zusätzlich anregen, sich mit der Geschichte unseres Dorfs auseinanderzusetzen.“

Top-Tourismus-Adresse

Das Werben um Gäste ist in der Region seit Jahren erfolgreich. Schlepzig hat sich längst zu einer Top-Adresse im Tourismus entwickelt. Den Start in die Hauptsaison verfolgten zahlreiche Besucher – wie es auch während der nächsten Monate am Hafen in Nachbarschaft des Weidendoms zu erwarten ist.

Nur wärmer sollte es dann schon sein: „Heute ist es doch etwas frisch“, sagte der Gästeführer Uwe Neumann. Er dürfte dabei auch das Anstaken bei sonnig-warmem Frühlingswetter vor einer Woche in Lübben im Hinterkopf gehabt haben. Im vergangenen Jahr war es genau umgekehrt.

Für Wärme im Herzen sorgte auch diesmal der Spreewald-Frauenchor aus Lübben. Die Frauen sangen Lieder in deutscher und sorbischer Sprache. Sie waren in ihren Trachten zudem ein echter Hingucker und ein begehrtes Foto-Motiv. Klar, Frauen in Spreewaldtracht, die ihre Heimat besingen, und das unmittelbar am Wasser sowie in idyllischer Umgebung – das kommt nach wie vor an.

Wärme von innen

Die singenden Frauen waren nicht die Einzigen, die am Samstag musikalisch für Stimmung sorgten. Auch die Goyatzer Blasmusikanten heizten den Gästen ein. Und das nicht nur an Land, sondern auch im Kahn. Fünf der flachen Boote legten nach der Rudelübergabe im Hafen ab. Ihr Ziel: Die Brennerei im Ort. Der Spreewald-Frauenchor und die Blasmusikanten waren mit an Bord. Auch zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit. Kahnfahren geht immer, solange die Fließe eisfrei sind.

„Der Wintertourismus lebt auch in Schlepzig“, bringt es Uwe Neumann auf den Punkt. Das Anstaken ist so gesehen ein symbolischer Akt, der die Hauptsaison einläutet, allerdings ein attraktiver, der Lust auf die nächsten Monate macht.

Kahnfahrten sind nicht nur vom Hafen am Weidendom, sondern auch vom benachbarten großen Hafen möglich. Dessen Kahnfährfrauen und -männer – Jacqueline Fischer, Yvonne Huber, Burkhard Henschelchen und Jörg Tschirschke – sind offiziell mit in die Hauptsaison gestartet.

Im September tanzt die Tracht

Sie laden schon jetzt für den 1. September zu einer besonderen Veranstaltung ein. Das inzwischen 7. Spreewälder Volks- und Trachtenfest findet diesmal im großen Hafen in Schlepzig statt. Ein zaghaften Vorgeschmack auf das Motto „Die Tracht tanzt – tanzt mit“ gab es am Samstag: Zumindest geschunkelt wurde schon zum Gesang und zur Musik.