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Solidarität am Lagerfeuer

Die Wolfswache Freitagnacht (10. Februar 2017) an einer Koppel bei Neuendorf am See war gut besucht. Etwa 100 Leute waren gekommen, um die Rinder auf der Weide vor Wölfen zu schützen.
Die Wolfswache Freitagnacht (10. Februar 2017) an einer Koppel bei Neuendorf am See war gut besucht. Etwa 100 Leute waren gekommen, um die Rinder auf der Weide vor Wölfen zu schützen. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Neuendorf am See. Das Signal ist deutlich. Landwirte wollen ihre Tiere nicht dem Wolf überlassen. Zahlreiche Bürger solidarisieren sich mit ihnen und folgten der Einladung des Bauernbunds Brandenburg. Andreas Staindl / asd1

Geschätzte 100 Leute waren während der Wolfswache Freitagnacht an einer Koppel in Neuendorf am See (Unterspreewald) dabei.

Landwirte, Jäger, Familien mit Kindern, Nachbarn versammelten sich am Lagerfeuer und diskutierten über den Wolf. Das Feuer loderte in Sichtweite der Rinder von Jörg Dommel. Die Versorgung der Teilnehmer war gesichert. Es gab Deftiges vom Grill, Stockbrot für den Nachwuchs, warme und kalte Getränke. Fotos und Videos von gerissenen Nutztieren machten die Runde. Unruhe verbreiten war angesagt. "Wir hoffen damit, den Wolf abzuschrecken, ihn zu vergraulen", erklärt Frank Michelchen. "Je mehr Menschen bei der Wolfswache dabei sind, umso besser."

Die erste Wache fand vor zwei Wochen an seiner Koppel im benachbarten Leibsch statt (die LR berichtete) - noch mit deutlich weniger Teilnehmern. "Seitdem", sagt Frank Michelchen, "gab es dort keinen Wolfsriss mehr."

Seit einigen Monaten ist auch Jörg Dommel betroffen. Fünf Jungrinder seien im vergangenen halben Jahr auf dessen Kuhweide bei Neuendorf am See gerissen worden, erst vor wenigen Tagen eine einjährige Färse. "Das kann so nicht weitergehen", sagt Klaus Dommel. "Es muss endlich etwas passieren."

Der Bruder des betroffenen Landwirts ist froh über die große Resonanz an der Wolfswache: "Ich bin erstaunt, dass so viele Leute gekommen sind, und das nicht nur aus der direkten Umgebung." Jens-Werner Dettmann lebt an der Oder bei Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland). Der Naturfotograf will die Landwirte im Unterspreewald unterstützen. "Die Wolfswache ist sehr sinnvoll", sagt er. "Das Feuer irritiert den Wolf." Seine Erfahrung: "Wölfe haben die Scheu vor den Menschen verloren. Wir müssen also raus in die Natur und etwas dagegen tun."

Das sieht auch Christa Diemer so. Die Landwirtin aus Krugau (Märkische Heide) hat Angst um ihre kleine Herde: "Wir sind noch nicht betroffen, doch der Wolf wird kommen, wenn wir nichts dagegen unternehmen." Ihr Sohn Christoph will gar nicht daran denken: "Wenn die Wölfe immer mehr Nutztiere reißen, ist die Weidehaltung tot. Dann können die Bio-Bauern einpacken. Sie müssten ihre Tiere im Stall halten. Das wäre das Ende unserer Kulturlandschaft."

Frank Michelchen will gegensteuern, die Menschen wachrütteln. Die Wolfswache ist für ihn "eine Chance, sich auszutauschen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie wir unsere Tiere vor dem Wolf schützen können". Hans-Georg Embach ist aus Niewitz nach Neuendorf am See gekommen. Er betreibt ein Wildgehege, war selbst schon von einem Wolfsriss betroffen. Der Landwirt und Jäger verfolgt die Verbreitung der Wölfe in Brandenburg mit Sorge. Ihm zufolge leben auf etwa einem Viertel der Fläche schon heute etwa 180 Wölfe, Tendenz steigend. Hans-Georg Embach geht davon aus, dass die Wölfe in ein paar Jahren nicht mehr genügend Wildtiere als Nahrung zur Verfügung haben. Nutztiere dagegen seien eine leichte Beute.

Dietmar Felix ist ebenfalls Jäger. Der Niewitzer hat verändertes Verhalten der Wildtiere festgestellt, seitdem Wölfe in der Region unterwegs sind. "42 Sauen wurden im vergangenen Herbst in einem Maisschlag gegenüber dem Spreewald Parkhotel in Niewitz gezählt. Sie haben dort Schutz vor dem Wolf gesucht. Früher hat man dort kaum mal ein Wildschwein gesehen."

Diskutiert wurde am Lagerfeuer aber auch, dass die Angst der Menschen wächst. Immer mehr befürchten, beispielsweise während eines Waldspaziergangs auf einen Wolf zu treffen. Die Wolfswache war so gesehen ein symbolischer Hilfeschrei.