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Skandalös! Als der Reformator mit der Nonne durchbrannte

Zu Hause bei Luthers: Mit einem Abend über die Privatleute Martin und Katharina samt Lesung und Musik zu diesem Thema beginnt die Volkshochschule Dahme-Spreewald ihr Herbstsemester. Hier ein Bild der Luthers auf großflächigen Schautafeln zum Reformationsjahr auf dem Berliner Gendarmenmarkt.
Zu Hause bei Luthers: Mit einem Abend über die Privatleute Martin und Katharina samt Lesung und Musik zu diesem Thema beginnt die Volkshochschule Dahme-Spreewald ihr Herbstsemester. Hier ein Bild der Luthers auf großflächigen Schautafeln zum Reformationsjahr auf dem Berliner Gendarmenmarkt. FOTO: dpa
Lübben. Die Volkshochschule Dahme-Spreewald steigt mit Martin und Katharina Luther ins neue Semester ein. In Lübben ist zudem eine Ausstellung über den Tierfilmer Heinz Sielmann zu sehen. Ingvil Schirling

Mit einem neuen, überarbeiteten und erweiterten Programm geht die Volkshochschule Dahme-Spreewald ins Herbstsemester. Zum Auftakt erfolgt ein Abstecher ins Reformations-Jubiläumsjahr: Am 8. September, 19 Uhr, steht in einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Lübbener Stadtbibliothek Martin Luther im Mittelpunkt. Diesmal aber nicht als großer Reformator, sondern als Privatmensch, Ehemann, Vater - und Liebhaber der entflohenen Nonne Katharina, damals ein Skandal.

Das Kalliope-Team, eine Zusammenarbeit zwischen der Journalistin Gisela M. Gulu und wechselnden Schauspielern sowie Musikerinnen, wird Auszüge aus den Tischgesprächen, Briefen und Lebenszeugnissen der beiden lesen. Umrahmt wird die Veranstaltung von alten Weisen, mittelalterlichen Impressionen auf dem Klavier und einer Auswahl aus dem Lutherschen Liedschatz.

Bereits seit Donnerstag ist zum Semesterstart eine Ausstellung in den Räumen der VHS an der Lübbener Logenstraße zu sehen. Nicht skandalös, aber dennoch öffentlichkeitswirksam hat Heinz Sielmann Millionen von Fernsehzuschauern die Tierwelt näher gebracht. Die Volkshochschule kooperiert seit längerem erfolgreich mit der Sielmann-Stiftung in Wanninchen, und auch diese Ausstellung ist aus der fruchtbaren Zusammenarbeit entstanden. Heinz Sielmann wäre im Juni 100 Jahre alt geworden.

Aus diesem Anlass stellen VHS und Stiftung sein Wirken als Naturfilmer in den Vordergrund. Seine Begeisterung für Technik wiederum nutzt die Stiftung in Wanninchen als pädagogischen Ansatz. Beim Camp für Naturfotografie gibt es einen Crash-Kurs in Technik, erklärt Leiter Ralf Donat. Die Kinder bekommen eine Digitalkamera zur Verfügung gestellt und lernen nicht nur Einstellungen und Bildaufbau, sondern auch Bearbeitung und Analyse.

"Am Ende ist es ein Naturerlebnisprogramm durch die Hintertür", sagt er. Denn während die Kinder sich damit beschäftigen, werden sie ruhiger, bringen die Geduld auf, auf den richtigen Moment zu warten, wenn der Frosch genau auf dem Seerosenblatt Platz nimmt. Wildnispädagoge Michael Hauptvogel nutzt solche Ansätze und stellt viele Fragen, um das Erlebnis Natur zu vermitteln.

Diese sorgt allerdings in Wanninchen derzeit von ganz allein für Furore. Mehr als 2000 Kraniche sind in der Bergbaufolgelandschaft schon da, rund 8000 könnten es diesen Herbst noch werden. Die Kranichrast hat längst überregionale Bedeutung, zieht mittlerweile sogar Gäste aus den Niederlanden, der Schweiz und aus England an, erzählt Ralf Donat. "Vergangene Woche konnte ich zwischen Kranichen sogar 20 Minuten lang Wölfe beobachten. Das ist dann schon ein einmaliges Naturerlebnis", berichtet er.

Zahlreiche Exkursionen und Führungen stehen daher auf dem Programm. Bis Ende Oktober werden sogar "Kranichsafaris" mit Kleinbussen und Spektiven angeboten. "Das wäre dann eine höherwertige Veranstaltungsreihe gemeinsam mit der VHS", schätzt Ralf Donat ein.

Diese wiederum hat ohnehin ihre Umweltbildungsangebote ausgebaut, informiert Kai Berdermann, in dessen Fachbereich dieser Zweig fällt. Spurenlesen im Winter, Exkursionen, Naturerfahrungen für die ganze Familie, Geheimsprache der Vögel, Gartenplanung, Bienen- und Hühnerhaltung: "Viele neue Angebote haben sich etabliert und werden angenommen", sagt er.

Etabliert hat sich mittlerweile auch der Bereich Deutsch als Fremdsprache und Integration. Insgesamt drei Fachbereichsleiterinnen kümmern sich unter anderem um diese Angebote wie um die Grundbildung und Alphabetisierung.

Die Volkshochschule Dahme-Spreewald hat sich auf die Fahnen geschrieben, neben der sprachlichen auch die berufliche und die gesellschaftliche Integration zu befördern, nennt Leiter Serge Lacombe drei wichtige Säulen.

"Der Landkreis ist multinational, unabhängig von der aktuellen Situation", ergänzt Beigeordneter Carsten Saß vom Landkreis Dahme-Spreewald. "40 bis 50 verschiedene Nationen sind bei uns vertreten. Diese Vielfalt bringt uns eher voran, als dass sie uns gefährdet", sagt er.

Die Aufgabe der Sprachvermittlung hat sich in kurzer Zeit zu einem bedeutenden Schwerpunkt der Volkshochschularbeit entwickelt. "Das spricht für die Flexibilität der Einrichtung", schätzt Carsten Saß ein. 150 000 Euro stellte der Landkreis der VHS im Jahr 2016 für die Sprachkurse zur Verfügung, 140 000 Euro warb diese aus Drittmitteln ein - bei einem Gesamt-Haushaltsumfang von 1,5 Millionen Euro und einem Kostendeckungsgrad von 57 Prozent. Die Anzahl der Unterrichtsstunden - hauptsächlich in Deutschkursen - stieg um 51 Prozent.

Mit großem Verwaltungsaufwand hat sich die VHS als Anbieter von Deutsch als Fremdsprache entsprechend zertifizieren lassen und bietet umgekehrt auch Bildungsfreistellungskurse in Arabisch und Persisch an.

Ehrenamtliche Integrationshelfer könnten sich fürs Arabisch- und Persischlernen demnach vom Arbeitgeber dafür freistellen lassen. "Im nächsten Schritt wollen wir berufsbezogene Sprachintegration anbieten", sagt Serge Lacombe. Sie soll über das BAMF finanziert werden. Die notwendige zusätzliche Anerkennung wurde im Sommer beantragt. Bei der gesellschaftlichen Integration sei "bisher kein Träger aktiv", skizziert er die Pläne. "Da wollen wir uns einbringen."

Nachdenklich fügt der gebürtige Franzose hinzu: "Das Beispiel Frankreich zeigt, dass Integration nur gelingen kann, wenn alle sich einbringen." Die Landessprache Französisch sprechen dort viele Geflüchtete von Hause aus - und doch gibt es im Nachbarland große Probleme mit dem Thema Integration. "Wenn die sprachliche Integration funktioniert, heißt das noch nicht, dass auch die gesellschaftliche erfolgt", warnt VHS-Chef Serge Lacombe davor, in diesem Punkt zu kurz zu denken.

Zum Thema:
Das Programmheft von August 2017 bis Juli 2018 liegt unter anderem in den Räumen der Volkshochschule an der Lübbener Logenstraße aus. Es ist weiterhin im Internet unter www.vhs-dahme-spreewald.de einsehbar. Es gibt Suchfunktionen nach den Kursen. Zu den nächsten Kursen gehört eine bunte Mischung aus einem Ringelnatzabend gemeinsam mit der Ninnemann-Stiftung in der Kulturkirche Luckau (22. November, "Gnädige Frau, bitte trösten Sie mich"), eine Lesung über den aktuellen Wissenschaftsstand zur Hirnforschung (20. September, 19 Uhr, Kulturkirche Luckau), ein Weihnachtstöpfern im Atelier von Karen Ascher und Sebastian Franzka in Lübben sowie kreative Adventsdekoration in der Kreativscheune von Gisela Christl in Lübben. In der Spreewaldstadt wird auch wieder ein Französisch-Sprachkurs angeboten. Freie Plätze gibt es in den Yoga-Kursen montags- und mittwochsvormittags.

Serge Lacombe und Ralf Donat vor einem Bild der neuen Ausstellung.
Serge Lacombe und Ralf Donat vor einem Bild der neuen Ausstellung. FOTO: is