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Singen war seine Leidenschaft

Das Weihnachtssingen 2016 in der Aula des Paul-Gerhardt-Gymnasiums in Lübben war der letzte große Auftritt von Heinz Lehmann (vorn. li.) mit dem Männergesangsverein "Liedertafel 1927".
Das Weihnachtssingen 2016 in der Aula des Paul-Gerhardt-Gymnasiums in Lübben war der letzte große Auftritt von Heinz Lehmann (vorn. li.) mit dem Männergesangsverein "Liedertafel 1927". FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Am 29. Mai ist Heinz Lehmann verstorben. Er wurde fast 83 Jahre alt. Mit ihm verliert der Männergesangsverein "Liedertafel 1827" in Lübben nicht nur einen leidenschaftlichen Sänger, sondern auch seinen langjährigen Vorsitzenden. asd1

Seit 1955 war der Maurermeister Mitglied im Gesangsverein. Von 1982 bis 1991 führte er den Verein als Vorsitzender. "Heinz war unser Ruhepol, immer um Harmonie und Ausgleich bemüht", sagt Harry Wergula (79), der seit 1981 in der "Liedertafel" singt. "Und er war ein ganz eifriger Sänger, Feuer und Flamme für unseren Chor, hat auch andere Männer für uns geworben und selbst kaum gefehlt." Auch Lothar Szameit kannte Heinz Lehmann gut. Der 82-Jährige hat jahrzehntelang mit ihm gemeinsam im Männergesangsverein gesungen, ist seit 1952 Vereinsmitglied. "Heinz war immer sehr optimistisch", erinnert er sich. "Und er war stolz darauf, dass auch sein Sohn Thomas und sein Enkel Michael in unserem Chor singen." Drei Generationen einer Familie schreiben Lübbener Männerchorgeschichte. Thomas Lehmann (54) ist seinem Vater nicht nur in den Chor gefolgt, er hat den Verein auch einige Jahre bis zu Beginn 2017 als Vorsitzender geführt. "Ich bin gern in den Chor eingetreten und war immer stolz, dort mitsingen zu dürfen", sagt der Sohn des Verstorbenen. Er erinnert zudem daran, dass es sein Vater war, der den heutigen ersten Dirigent des Chors, Peter Ewald, von einem Engagement im Männergesangsverein überzeugte.

Ewald kam damals als Kantor nach Lübben, war erst zweier Dirigent und leitet den Chor seit 1991. Unter dem Vorsitzenden Heinz Lehmann hatte die "Liedertafel" auch regelmäßige Treffen mit anderen Männerchören der Region. "Er kam als Bauleiter auch mit Mitgliedern anderer Gesangsvereine in Kontakt und nutzte diese Begegnungen immer auch für unseren Verein", erzählt Thomas Lehmann. "Daraus sind zahlreiche Patenschaften entstanden." Heinz Lehmann hatte zudem die freundschaftliche Beziehung zum Männergesangsverein "Harmonie" in Hangard (Neunkirchen/ Saarland) angeschoben. "Ohne ihn hätte es diese Patenschaft nicht gegeben", sagt Harry Wergula. "Er war die treibende Kraft." Erste Kontakte knüpfte der damalige Vorsitzende schon 1987, als eine Delegation aus Neunkirchen im Rahmen der Städtepartnerschaft in Lübben war. Gäste aus dem Westen waren auch im Hotel "Spreeblick" untergebracht, wo Heinz Lehmann mit einem Kommunalpolitiker und Sänger aus Hangard ins Gespräch kam. "Heinz ist der Vater der Freundschaftsbeziehung zwischen beiden Chören", sagt Lothar Szameit. Der Chor im Saarland sei inzwischen jedoch aufgelöst worden.

Den Männergesangsverein in Lübben gibt es noch immer. Die etwa 40 Mitglieder feiern in diesem Jahr den 190.Geburtstag des Chors. Heinz Lehmann hat 62 Jahre mitgesungen, sich neun Jahre als Vorsitzender engagiert und damit viele Spuren hinterlassen. Er kam selbst noch zu Proben und Auftritten, als er schon sehr krank war und seine Kraft langsam zu Ende ging. Singen war seine Leidenschaft.