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Sieben Schafe bei Briesensee gerissen

Wenn Manfred Bogula "Wuschel, Wuschel!” ruft, dann drängen sich die Schafe um ihn. Darunter ist auch der Liebling der Familie (vorn links), das letzte noch lebende Tier aus einem Vierlingswurf des Jahres 2008. Nach der Wolfsattacke hat der Landwirt alle Tiere auf einer Fläche neben seinem Wohnhaus in Sicherheit gebracht. Er überlegt, die Schafhaltung abzuschaffen, weil mehr Schutz auch mehr Kosten bedeuten.
Wenn Manfred Bogula "Wuschel, Wuschel!” ruft, dann drängen sich die Schafe um ihn. Darunter ist auch der Liebling der Familie (vorn links), das letzte noch lebende Tier aus einem Vierlingswurf des Jahres 2008. Nach der Wolfsattacke hat der Landwirt alle Tiere auf einer Fläche neben seinem Wohnhaus in Sicherheit gebracht. Er überlegt, die Schafhaltung abzuschaffen, weil mehr Schutz auch mehr Kosten bedeuten. FOTO: Ingrid Hoberg
Groß Leine. Sieben tote Schafe und fünf verletzte Tiere hat Manfred Bogula in seiner Herde auf der Weide bei Briesensee gefunden. Ein Wolf wird als Verursacher nicht ausgeschlossen, der Landwirt im Nebenerwerb soll den Schaden aus der freiwilligen Beihilfe des Landes reguliert bekommen. Ingrid Hoberg

Wenn Manfred Bogula den Körnereimer schüttelt und die Tür des Gatters aufmacht, dann kommen seine Schwarzkopf- und Kamerunschafe angetrabt. Auch auf "Wuschel!" hören sie gemeinschaftlich. Ob sie den Übergriff eines Wolfs gut überstanden haben, wird sich vielleicht in der kommenden Woche erst richtig zeigen. Dann sollen die Muttertiere mit dem Lammen beginnen. Insgesamt hält Manfred Bogula über 130 Schafe.

Dass ein Wolf sieben gerissen und fünf verletzt hat, das war für den Schafhalter schnell klar. Als er am Donnerstagmorgen in der vorigen Woche zur Weide auf der Gemarkung Briesensee kam, lief ihm schon ein Schaf entgegen. Und dann sah er die anderen liegen, alles voller Blut. Kehlen waren durchgebissen, Bäuche aufgerissen. Sein Verdacht ist nun von Sachverständigen bestätigt worden. "Aufgrund der Spuren ist nicht auszuschließen, dass ein Wolf der Verursacher war", sagt Steffen Butzeck nach Sichtung der Unterlagen. Er ist beim Landesumweltamt für die Koordinierung und Beratung im Rahmen des Wolfsmonitorings tätig und sorgt für die zügige Abwicklung.

Robert Frank war als ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter vor Ort und hat sich die toten Schafe genau angeschaut. Die Wunden wurden vermessen: der kräftige Kehlbisse, die Fraßspuren und der Zahnabstand. Robert Frank sieht seine Aufgabe auch darin, Landwirte zu beraten, wie sie ihre Tiere besser schützen können. "Sie bekommen Tipps, damit so etwas nicht wieder passiert." Dazu gehören Zäune bis in den Boden, Stromdrähte und ausgebildete Hütehunde. "Und im nächsten Jahr gibt es vielleicht wieder Fördermittel für zusätzliche Schutzmaßnahmen", erklärt er.

Ob das Manfred Bogula nutzen wird, weiß er noch nicht. Er ist jetzt erst einmal froh, dass sein Betriebsschaden aus der Landesbeihilfe ausgeglichen werden soll, wie Steffen Butzeck am gestrigen Dienstag zugesagt hat.

Von der Ansiedlung des Wolfs hält der Schafhalter nicht viel. Jäger hätten ihm schon vor dem Übergriff erzählt, dass sie das Raubtier in der Nähe gesehen hatten. Der Lübbener Rudi Auert bestätigt das. Drei Mal hätten er und sein Sohn, der ebenfalls Jäger ist, Wölfe oder ihre Spuren gesehen. "Einmal ist es am helllichten Tag, so gegen 10.30 Uhr, gewesen. Da wollte einer etwa 50 Meter vor der Buswendestelle über die Landstraße laufen, die nach Klein Leine führt", erzählt er. "Und am Verhalten des Wildes ist zu beobachten, dass der Wolf da ist." So würde Rehwild erst spät nachts zur Äsung auf Lichtungen kommen und immer in Richtung Wald schauen.

Steffen Butzeck sieht anhand der Risszahlen, die auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlicht sind, keine steigende Tendenz. Im Januar waren zwei Schafe in Mehßow (Calau/OSL) gerissen worden, am 24. Oktober 2013 gab es einen Fall bei Luckau.

Zum Thema:
Die zentrale Schadenshotline für Tierhalter bei Übergriffen durch den Wolf: Telefon 0172 5641700.Ausführliche Informationen über die Wölfe in der Lausitz, ihre Lebensweise, ihre Verbreitungsgebiete und zum Wolfsmanagement in der Lausitz gibt es im Internet auf den Seiten www.wolfsregion.lausitz.de und www.lugv.brandenburg.de über die Stichpunkte Natur/Arten- und Biotopschutz/Tier- und Pflanzenwelt/Wolf.