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| 02:45 Uhr

Sicherheitsgurt für Lübbener Platanen-Ast

Hauke Rudolph klettert geschickt in der Krone der Platane am Brückenplatz in Lübben. Er hat dort einen Ast gesichert.
Hauke Rudolph klettert geschickt in der Krone der Platane am Brückenplatz in Lübben. Er hat dort einen Ast gesichert. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Baumkletterer waren kürzlich in Lübben im Einsatz. Die Firma "BerlinerBaumpflege" aus der Märkischen Heide hat zwei Platanen auf unkonventionelle Art im Stadtgebiet gesichert und gepflegt. Die Stadt hatte die Arbeiten in Auftrag gegeben. Andreas Staindl / asd1

Flink klettert Hauke Rudolph den hohen Baum empor. Nicht etwa am Stamm, sondern an einem Seil. Das hat er zuvor an einem stabilen Ast befestigt. Dazu musste er das Seil mit einem Wurfsäckchen in die Krone werfen. Das Seil benutzt der Kletterer als Aufstiegshilfe. Er zieht sich mit entsprechender Technik daran hoch. Oben in der Krone ist er doppelt gesichert. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Baumkletterer müssen gut ausgebildet und topfit sein, sollten möglichst einen grünen Beruf haben und nicht mehr als 80 Kilogramm wiegen, um sich mit eigener Muskelkraft frei in der Krone eines Baums bewegen zu können. "Und sie müssen schwindelfrei sein", wie Dennis Krüger, Chef der "BerlinerBaumpflege", sagt. "Wir klettern schließlich bis in 35 Meter Höhe."

Ganz so hoch musste Hauke Rudolph diesmal nicht. Etwa zwölf Meter hoch ist die Platane am Brückenplatz. Und sie ist verletzt, hat ein tiefes Loch, eine Art Höhle am Ansatz eines dicken Astes. Der Ast ragt in den Kreuzungsbereich hinein. Nicht auszudenken, wenn er abbricht, einen Fußgänger oder anderen Verkehrsteilnehmer verletzt oder gar tötet.

Die Gefahr besteht bei starkem Sturm, wie Christina Resag vom Baubetriebshof in Lübben sagt. "Um das zu verhindern, führen wir die Verkehrssicherung durch."

Die Firma "BerlinerBaumpflege" wurde mit der Sicherung des Astes beauftragt. Sie hat einen Gurt mit einer Systembruchkraft von zehn Tonnen installiert - eine Art Auffangsicherung. Sie soll verhindern, dass der Ast auf die Straße kracht. "Wir kontrollieren den Gurt regelmäßig, stellen so Veränderungen fest und können reagieren", erklärt Dennis Krüger.

Während der Arbeiten am Brückenplatz haben die Baumkletterer auch Totholz aus der Krone entfernt. "Mit einer Hebebühne kommen wir nicht an das Innere der Krone heran, ohne äußere Äste zu beschädigen oder zu beseitigen", erklärt Christina Resag. "Die Pflege und der Schutz der Bäume durch Baumkletterer dagegen ist eine sanfte, schonende Methode. Unser Ziel ist es, möglichst viele Bäume im Stadtgebiet zu erhalten."

Die Spezialfirma kümmert sich um gefährliche und gefährdete Bäume vor allem an komplizierten Standorten. Sie hat sich auf denkmalgeschützte Bäume spezialisiert, wie Dennis Krüger erzählt: "Wir wollen den Charakter eines Baumes und sein Gesamtbild bewahren." Die Platane am Brückenplatz ist ihm zufolge zwar kein Denkmal, dennoch unbedingt erhaltenswert. Er schätzt das Alter des prägenden Baums auf etwa hundert Jahre. Die Platane dort war nicht der einzige Baum, den die Firma aus der Märkischen Heide kürzlich pflegte. Auch an der Platane Ecke Puschkinstraße/Luckauer Straße waren die Baumkletterer aktiv. Eine Pilzerkrankung hat diesen Baum befallen, wie Christina Resag erzählt. "Die kranken Äste müssen weggeschnitten werden."

Wie sie sagt, arbeitet die Stadt Lübben schon länger mit den Spezialisten aus der Märkischen Heide zusammen: "Dank ihrer hohen Fachkompetenz konnten wir schon viele Bäume im Stadtgebiet erhalten." Ein Gutachter schätze jeweils den Zustand der Bäume ein. Auch der Baubetriebshof kontrolliere regelmäßig. Wenn Handlungsbedarf ist, die räumliche Situation jedoch den Einsatz großer Technik nicht zulässt, kommen die Baumkletterer zum Einsatz. "Manchmal sitzen wir mit mehreren Leuten bis zu acht Stunden im Baum", erzählt Dennis Krüger. "Wir klettern jedoch nicht bei Sturm oder Starkregen - das wäre zu gefährlich."

Baumkletterer haben ihm zufolge nur ein halbes Jahr Saison - von Oktober bis März, in Ausnahmefällen auch länger. Das sollten Auftraggeber berücksichtigen und Arbeiten an Bäumen langfristig planen.