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| 01:00 Uhr

Schwimmschuhe gibt es jetzt motorisiert

Lübben.. Lautlos gleitet Frank-Uwe Groth über die Spree. Er sitzt auf einer Bank. Zwischen seinen Beinen bewegt er einen Steuerknüppel. „Tikker“ heißt das Wasserfahrzeug, das Groth gemeinsam mit dem Konstrukteur Wolfgang Alinsky entwickelt hat. Andreas Staindl

Vorgestern stellten es die beiden Schweriner Tüftler in Lübben vor.
Groth ist im Spreewald kein Unbekannter. Er hat die Schwimmschuhe weiterentwickelt, die im Sommer beim Pretschener Dorffest einen großen Auftritt hatten (die RUNDSCHAU berichtete). Sie werden nun vom Pretschener Günter Thiele vermarktet und vertrieben. "Obwohl erst zwei Monate auf dem Markt, sind die Schwimmschuhe auf großes Interesse gestoßen", sagt er.
In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Weiterentwicklung der Schwimmschuhe, der "Tikker", schon etabliert. Laut Alinsky sind die Gefährte bereits auf dem Schweriner See unterwegs.
Konstruiert hat Alinsky das Fahrzeug beispielsweise für Waldseen oder tote Flussarme ohne Fährbetrieb. "Jäger, Angler oder Vogelkundler etwa könnten sich auf dem Wasser bequem fortbewegen, in Ruhe die Natur beobachten, und bräuchten ihre Ausrüstung nicht mühsam durch das Gelände zu schleppen", sagt der Konstrukteur.
Der "Tikker" lässt sich leicht transportieren und wird über ein Stecksystem in rund fünf Minuten montiert. Eine Zwölf-Volt-Batterie mit Saft für vier Stunden treibt einen Elektromotor an. Über einen Steuerknüppel wird das Fahrzeug bewegt. "Etwa zehn Kilometer pro Stunde können erreicht werden", sagt Alinsky. "Wer zu schnell fährt, könnte nasse Füße bekommen."
Noch ist der "Tikker" nicht ausgereift. Doch Günter Thiele ist schon begeistert: "Das lautlose Dahingleiten auf dem Wasser, die kleine Bank, vielleicht eine Decke zum Kuscheln - das ist doch was für Verliebte", schwärmt er.
Auch Behinderte könnten den "Tikker" nutzen. "Statt der Bank kommt dann halt ein Rollstuhl drauf", sagt der Konstrukteur, der diese Möglichkeit gegenwärtig am Reißbrett prüft.
Das Biosphärenreservat Spreewald würde das Einsatzgebiet des Wasserfahrzeuges gern einschränken. "Wir müssen nicht auch noch die letzte Ecke im Spreewald erschließen, sondern sollten das Gebiet begrenzen", sagt Günther Stache von der Biosphäre. Bei den Schwimmschuhen sieht er "kein Problem. Da sind wir ohnehin am Ende unserer Regulierungsinstrumente. Bei Fahrzeugen mit Elektromotor aber gibt es einen Erlass."
Für Andreas Heidenreich von der Wasserschutzpolizei ist der "Tikker" ein "reines Sportgerät mit Motor". Dafür sei eine Ausnahmegenehmigung durch die Untere Wasserbehörde (UWB) nötig. "Wir sollten sorgsam prüfen, ob die ,Dinger‘ optisch überhaupt in den Spreewald passen."
Günter Thiele hofft auf eine breite Diskussion. "Die Präsentation war ein erstes Abtasten und Ausloten der Möglichkeiten." Er ist überzeugt: "Schwimmschuhe und ,Tikker‘ locken junges Klientel in den Spreewald und ergänzen die klassische Kahnfahrt."