ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:51 Uhr

Schwebende Granitschale am Kreisel

Die "zerbrochene Granitschale" am Lübbener Kreisel stammt von der Kunstpreisträgerin der Aquamediale, Franziska Möbius.
Die "zerbrochene Granitschale" am Lübbener Kreisel stammt von der Kunstpreisträgerin der Aquamediale, Franziska Möbius. FOTO: Rüdiger Hofmann
Lübben. Franziska Möbius ist die Kunstpreisträgerin der Aquamediale "Wetterwechsel". Die Leipzigerin gewann mit ihrem Kunstwerk "Schwebende Granitschale". Erstmals wurde der neue Lübbener Kreisel als Aufführungsort für zeitgenössische Kunst im öffentlichen Landschaftsraum des Spreewaldes ausgeschrieben. Rüdiger Hofmann

Die Freude ist riesig, als Franziska Möbius vom Gewinn des Kunstpreises erfährt. "Ich habe mich gefreut, wusste aber zugleich, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst bevorsteht", denkt sie an den Moment zurück, als sie von Kurator Christian Gracza informiert wird. "Ich habe so etwas noch nie gebaut. Gefordert war ein Erstlingswerk. Da kann ich nicht auf bisherige künstlerische Erfahrungen zurückgreifen", sagt die 47-Jährige.

Bisherige Kenntnisse auf künstlerischen Fachgebieten hat Franziska Möbius, die in Eisenach geboren und aufgewachsen ist, einige vorzuweisen. Sie studiert Malerei und Textil an der Hochschule für Kunst und Design "Burg Giebichenstein" in Halle/Saale und legt dort 1998 ihr Diplom ab. Fortan beschäftigt sich Franziska Möbius regelmäßig mit Installationen im öffentlichen Raum. Am Pfaffenteich Schwerin sind es im Jahre 2004 "Windfächer", am St. Elisabeth Krankenhaus Halle ein Jahr später "Rohrknäuel" als Lichtglaskörper, in Wurzen erarbeitet sie 2010 das Werk "Fliegender Teppich", das die Betrachter zum Nachdenken anregen soll. "Ich zeige in meiner Arbeit soziale Prozesse und wie die Gesellschaft funktioniert", so die Künstlerin. Dabei bewege sie sich im Spannungsfeld zwischen individuellen Ansprüchen des Menschen und seinen kollektiven Absprachen. "Denn nicht jeder kann machen, was er will."

Provozieren will Franziska Möbius mit ihren Arbeiten aber nicht. "Ich will mich auch nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen lassen", so die 47-Jährige. Stattdessen legt sie Wert auf Formen, wählt oft poetische Titel für ihre Kunstwerke und möchte vor allem, dass ihre Arbeiten harmonieren. Auffallend ist das Spiel mit den Elementen, oft eingebettet in verschiedene Farbmuster.

Wind nimmt eine große Rolle in ihren Arbeiten ein. So auch bei der Installation am Lübbener Kreisel. Auf einer Fläche von etwa fünf Quadratmetern installiert sie ihre "schwebende Granitschale". "Unterschiedlich geformte Bruchstücke stecken auf langen, dünnen Glasfaserstäben", erläutert Franziska Möbius ihr ausgezeichnetes Kunstwerk. In Summe und Anordnung ergibt sich die Form einer gewölbten Schale. Die Stäbe schwanken je nach Windlage, wodurch sich die Formen verwirren. "Dadurch verschwimmt die robust erscheinende Schale und wird Teil einer Unwirklichkeit", sagt die Kunstpreisträgerin. Ein Spiel mit Illusionen, virtuellen und realen Welten.

Ihre eigene reale Welt hat die Künstlerin inzwischen in Leipzig aufgebaut. "Hier befindet sich mein Lebensmittelpunkt, hier habe ich mein Atelier eingerichtet", sagt Möbius. In ihren eigenen vier Wänden sammelt sie Inspiration, werkelt an neuen Projekten und bereitet Ausstellungen oder Auftragswerke vor.

Franziska Möbius ist nicht nur als Soloschaffende unterwegs, sondern arbeitet auch gern mit anderen Künstlern zusammen. Da kamen ihr die Vorbereitungen für die Aquamediale gerade recht. "In Lübben konnten wir die Räumlichkeiten des Jugendwohnheimes nutzen", sagt Franziska Möbius. Sie kam mit anderen Experten ins Gespräch. "Es war wie ein Symposium. Ich war erfreut, dass das Klima so abläuft", lobt sie die Organisation für das bevorstehende Kunstspektakel im Spreewald.

Zum Thema:
Die Eröffnung der 10. Aquamediale findet am Samstag, 7. Juni, um 19.30 Uhr, in Lübben am Hafen 2 statt. Einlass ist ab 17 Uhr. Landrat Stephan Loge (SPD) und Kulturdezernent Carsten Saß (CDU) werden den diesjährigen Kunstpreis an die Leipziger Künstlerin Franziska Möbius übergeben. Im Anschluss eröffnet Kurator Christian Gracza die Aquamediale. Gegen 20.15 Uhr sind Kunstkahnfahrten möglich.