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Schwarze Socke – rote Socke?

Lübben/Luckau. Eine witzig gemeinte Mitteilung der Partei Die Linke in Dahme-Spreewald hat zu heißen Diskussionen um die Landratswahl geführt. Die Linke, eigentlich SPD-nah, werde den Landratskandidaten Carsten Saß (CDU) unterstützen, hieß es darin. Es war ein Aprilscherz. Ingvil Schirling

Er war sehr, sehr gut gemacht, der Ulk der Linken. Thorsten Kleis, stellvertretender Kreisvorsitzender und einer der Urheber, sagt rückblickend unschuldig: "Ich dachte, ich mach das mal ein bisschen seriös."

Am 1. April hatte er den Scherz, getarnt als nachrichtliche Meldung, ins soziale Netzwerk Facebook gestellt. Die Linke legte später mit einer Presseinformation nach. Der Königs Wusterhausener Wochenspiegel druckte diese Woche unkommentiert die Ursprungs-Nachricht und heizte so die Diskussion erneut an. Das Datum war nun schon der 8. April, und die Leser erfuhren auf Seite 3: Kreisvorstand und Kreistagsfraktion der Linken hätten beschlossen, die Kandidatur des CDU-Kandidaten und Sozialdezernenten Carsten Saß zur Wahl des Landrates zu unterstützen. "Das Profil von Saß, als auch die lange Zusammenarbeit habe sowohl den Kreisvorstand, als auch die Fraktion überzeugt." Zitiert wird Stefan Ludwig als Kreisvorsitzender der Linken mit den Worten: "Wir haben so viele Gemeinsamkeiten, wenn es um die Sicht auf die Bedürfnisse der Menschen im Kreis geht. Dies ist für uns der einzig logische Schluss."

Kenner der aktuellen Kreispolitik in Dahme-Spreewald dürften bei der Lektüre Schnapp atmung bekommen haben, zumindest kurz. Eigentlich haben sich im Kreistag, nachdem eine Neuauflage der langjährigen Koalition zwischen CDU und SPD vom Tisch war, SPD und Linke einander weiter angenähert. Entsprechend startete die Facebook-Diskussion auf der Seite "Politik im Landkreis Dahme-Spreewald" mit dem Kommentar "Das haut mich jetzt vom Hocker." Der Lübbener Andreas Dommaschk (parteilos) enttarnte dagegen als Erster die Meldung als Aprilscherz. Benjamin Kaiser (CDU) aus Lübben zweifelte dennoch zunächst. Er "traue es einigen innerhalb der Linken zu, sich so zu entscheiden", kommentierte er auf der öffentlichen Seite. Thorsten Kleis sorgte am Abend des 1. April mit der Frage "Welchen Tag haben wir heute?" für Klarheit. Carsten Saß reagierte kurz darauf mit einem Foto, das seine Füße in einer schwarzen und einer pinkroten Socke zeigt (siehe oben), und der Notiz: "Die Vorbereitungen laufen."

Eingeweiht war er nicht. "Ich habe den Scherz nachmittags ,entdeckt' und wollte darauf gerade an diesem Tag so reagieren, wie wir seit Jahren miteinander umgehen", sagt er auf Nachfrage der LR: "Sachlich fair bei aller politisch unterschiedlichen Herangehensweise."

Gleichwohl freue ihn menschlich, dass Die Linke den Scherz aufklärte ohne negative Hinweise zu seiner Arbeit als Sozialdezernent und Vizelandrat der vergangenen zehn Jahre. "Es gibt so manche Überschneidung und Gemeinsamkeit, was die Politik des Dezernenten betrifft, auch abgesehen von der Person", sagt wiederum Linke-Politiker Thorsten Kleis. Damit nimmt er auf ernsthafter Ebene Stellung zur Doppelbödigkeit des Aprilscherzes, die Benjamin Kaiser so formulierte: "Mal ehrlich: Vom sozialen Profil passt das mit dem Kandidaten echt gut."

Saß nennt als konkrete Punkte seiner Sozialpolitik "die Gestaltung von Qualitätsprozessen in den Kitas und in der Jugendsozialarbeit, erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik, die Etablierung von mittlerweile sieben Mehrgenerationenhäusern im gesamten Landkreis als Ankerpunkte für vielfältige soziale Angebote und die Gestaltung einer Schullandschaft mit nahtlosen Bildungsübergängen". Konkret betrifft dies das neu geschaffene berufliche Gymnasium in Lübben, das einen unkomplizierten Übergang von Oberschülern zum Abitur ermöglicht. "Diese Gestaltung erfolgte gemeinsam mit dem Kreistag, zumeist auch mit der wohlwollenden Begleitung durch Die Linke. Insofern macht die sachliche Aussage der Linken Hoffnung auf einen fairen Wahlkampf", so Saß.

Die Linke wird sich unterdessen am 18. April in einer Klausurtagung mit der Frage beschäftigen, ob sie einen eigenen Kandidaten für die Landratswahl aufstellt "und wenn ja, wen", sagt Thorsten Kleis. Es ist eine gemeinsame Sitzung von Kreistagsfraktion und Kreisvorstand, die am Samstag in acht Tagen in Bestensee beginnen wird.

Es sei "nicht unwahrscheinlich", dass sich die Linke für die Unterstützung von Amtsinhaber Stephan Loge (SPD) entscheiden wird, der zur Landratswahl im Oktober antritt. Erstmals wird der künftige Landrat in Dahme-Spreewald direkt, also von den Einwohnern des Kreises, gewählt. Vorgreifen will Kleis der Tagung selbstverständlich nicht: "Die Entscheidung wird in der Klausur fallen."

Zur Debatte auf Facebook gehörten auch ablehnende Kommentare. Eine Nutzerin fand "Aprilscherze, die die Unterstützung eines Kandidaten zum Thema haben, nicht lustig" und sah darin eine Bestärkung der Nichtwähler. Thorsten Kleis von der Linken entgegnete: "Carsten Saß hatte Spaß damit, Stephan Loge und wir auch ... und eine ganze Menge Menschen ebenfalls."