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| 17:24 Uhr

Lernwerkstatt lobt Kooperation mit TEG
Schulverweigerer campen mit Kängurus

Maurice und seine Mitschüler der Alt Zaucher Lernwerkstatt durften ein Wochenende auf dem Campingplatz in Zaue verbringen. Dabei trafen sie auch ein paar Kängurus wieder.
Maurice und seine Mitschüler der Alt Zaucher Lernwerkstatt durften ein Wochenende auf dem Campingplatz in Zaue verbringen. Dabei trafen sie auch ein paar Kängurus wieder. FOTO: LR / Steven Wiesner
Zaue. Jugendliche des Schulverweigerer-Projekts Alt Zauche verbringen ein besonderes Wochenende auf dem Campingplatz. Von Steven Wiesner

Ein besonderes Wochenende liegt hinter den Schülern der Lernwerkstatt „Spreewälder Holzwürmer“ aus Alt Zauche. Die Tourismus-Entwicklungsgesellschaft (TEG) Lieberose/Oberspreewald hatte vier Teenager des seit 2001 bestehenden Schulverweigerer-Projektes der Ludwig-Leichhardt-Oberschule Goyatz von Freitag bis Samstag auf den Campingplatz nach Zaue eingeladen. Seit etwas mehr als einem Jahr kooperiert die TEG mit der Lernwerkstatt und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Lübben, der ebenso als Träger fungiert und das Projekt mitfinanziert. Im Zuge dieser Zusammenarbeit hatten Schüler der Lernwerkstatt zuvor die Patenschaft für zwei Kängurus vom Campingplatz übernommen und auch eine Sitzgelegenheit für das Camp eigenhändig angefertigt. Die Belohnung war nun ein bisschen Spaß auf Brandenburgs größtem und ältestem Campingplatz.

Jana Lopper, die Geschäftsführerin der TEG, hält eine ganze Menge von der Lernwerkstatt und der Arbeit, die die Einrichtung für und mit nicht immer einfachen Jugendlichen leistet. Deswegen war es ihr ein wichtiges Anliegen, die Gruppe samt Hausleiter Ronald Görick und Werkstattleiter Matthias Kettlitz auf den Campingplatz zu holen. „Das ist ein tolles Projekt“, sagt Lopper.

Die 14- bis 17-Jährigen, die an herkömmlichen Schulen vorerst gescheitert sind, können in der Lernwerkstatt Anschluss finden und vor allem an ihren handwerklichen Fertigkeiten arbeiten. Außerdem bekommen sie wichtige Parameter vermittelt, die ihnen das Leben bisher nicht vermitteln konnte. Das tut im Übrigen auch die Pflege der beiden Kängurus, die vom Campingplatz nach Alt Zauche in die Lernwerkstatt gezogen sind und nun von den Schülern betreut werden. „Die Schüler haben in unserer Holzwerkstatt eine Unterkunft für die Kängurus gebaut und pflegen sie quasi wie ihre Haustiere, stellen das Futter bereit und halten den Käfig sauber“, sagt Matthias Kettlitz. „All das schult Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein.“ Ronald Görick ergänzt: „Wir beschäftigen uns eben mit den Jugendlichen und gucken, wo klemmt die Geige?“

Für viele Jugendliche ist ein Wochenende auf dem Campingplatz vielleicht nichts Außergewöhnliches. Doch für junge Menschen, die aus teilweise schwierigen Verhältnissen kommen und womöglich sogar nie Ausflüge mit der Familie machen konnten, gehört ein Wochenende mit zelten, grillen und Radtour schon zu den besonderen Momenten. „Das ist eine super Kooperation mit der TEG“, schwärmt auch Görick und bedankt sich bei Menschen wie Amtsdirektor Bernd Boschan, Alt Zauches Bürgermeister Jens Martin oder ASB-Geschäftsführer Sven Meier, die diese Zusammenarbeit möglich gemacht und unterstützt haben.

Rainer Hilgenfeld, der ehrenamtliche Bürgermeister von Schwielochsee, ließ es sich nicht nehmen, auch persönlich vorbeizuschauen. Er schlüpfte sogar in ein etwas historisches Outfit und parodierte mit Karl-Leopold Hilgenfeld den Schwager vom berühmten Ludwig Leichhardt, dem der Campingplatz in Zaue seinen Namen zu verdanken hat. Mit seinem Vortrag machte Hilgenfeld einen kleinen Ausflug in die Geschichte und hatte für die Jugendlichen auch gleich noch Anerkennung parat: „Es freut mich, dass ihr in der Lernwerkstatt wieder den richtigen Weg eingeschlagen habt.“

In eben jener Werkstatt soll alsbald auch wieder das nächste Geschenk für den Campingplatz entstehen. „Es ist geplant, dass uns die Schüler eine Känguru-Torwand bauen“, sagt Jana Lopper. Gut möglich, dass dann wieder ein besonderes Wochenende für die Jugendlichen dabei herausspringt.