Am 29. September 1786 erließ die Standesherrin von Groß Leuthen, Sophia Gräfin Hordt, eine Schulordnung für das Gebiet ihrer Herrschaft. In dem Dokument heißt es: „Außer dem gewöhnlichen Unterricht ist nöthig, mit ihnen (den Schülern) immer des Sonnabends das Evangelium des folgenden Sonntags, und Montags, nur nach ihrem Alter proportioniter Untersuchung vorzunehmen, was sie aus der Sonntags Predigt behalten haben, beschämt, und zur Liebe und Achtung des göttlichen Wortes ermahnet werden, damit es nicht allein in, sondern auch außer den Schulstunden an Zucht und Ordnung fehle.“
Dem Dokument zufolge haben die Schulmeister aus den Kindern jedes Dorfes auch immer das vernünftigste auszusuchen, „um demselben die Aufsicht über die andern bey ihrem Rückwege zu übertragen, und die Macht, daß es diejenigen, die sich nicht still und sittsam bewiesen, zur Ordnung zu ermahnen, und die nicht folgen wollen, den Tag darauf anzeigen, da dann die Gehorsamen gerühmet, die Ungezogenen bestraft und zur Beßerung angehalten werden müßen.“
Weiter weist die Gräfin an: „Die Aufsicht über beyde Schulen hat der Herr Prediger, nicht allein unter unserer Genehmigung, sondern auch die Direktion und er wird es nicht fehlen lassen, daß alles in Ordnung, wie es sich gebühret, verbleibe, wenn er von Zeit zu Zeit die Schulen besucht, welches auch herrschaftlicherseits geschehen wird, so muß allen Unordnungen und Nachläßigkeiten vorgebeuget werden, und Gottes Segen über diese Schulordnungen nicht ausbleiben. Sollte außer dieser Vorschriften noch eines und anderes zur Verbeßerung des Schulwesens und seiner inneren Einrichtung oder sonst zum Nutzen der Jugend nötig seyn und ausfindig gemacht werden, so werden die Schulhalters ermahnt, daß sie ihrer falls an nichts mangeln laßen, des Herrn Predigers Rath und Anordnung allenfalls darüber vernehmen und von uns alle nöthige Unterstützung zu erwarten haben. Daran vollbringen sie unsere Willensmeinung.“
Allmählich setzte sich in den Dörfern die allgemeine Schulpflicht durch, zunächst nur für die Wintermonate, da die Kinder im Sommer und Herbst mit auf den Feldern helfen mussten. Auch die Ausbildung der Lehrer besserte sich.
Das einzig verbliebene katholische Kloster der Niederlausitz Neuzelle wurde 1816 durch den König Friedrich Wilhelm III. aufgelöst. Der reiche Klosterbesitz wurde in eine Stiftung umgewandelt mit dem Zweck, dem Unterrichtswesen in der Niederlausitz zu dienen. Ein Lehrerseminar wurde eingerichtet. Fast alle Dorfschullehrer wurden von da an drei Jahre lang dort ausgebildet. Im Rückblick kann man nur bewundernd feststellen, was diese Lehrer in den meist einklassigen Schulen, bei sehr niedrigen Gehältern und fast immer im Kampf mit den Gemeindevertretungen um eine brauchbare Wohnung geleistet haben.
Langsam wuchs die Einsicht bei der ländlichen Bevölkerung, dass auch Schulgebäude ordentlich sein müssen. Schulen wurden gebaut. In unseren Dörfern findet man sie noch heute; oft aber in anderer Nutzung.