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Ludwig-Leichhardt-Oberschule
Die Druckpresse wartet schon

Dieter Klaue, Leiter der  Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz, geht in den Ruhestand. Seine letzte Unterrichtsstunde gibt er am Mittwoch.
Dieter Klaue, Leiter der  Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz, geht in den Ruhestand. Seine letzte Unterrichtsstunde gibt er am Mittwoch. FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Goyatz. Goyatzer Schulleiter Dieter Klaue geht in den Ruhestand und will Kunstprojekte fortsetzen.

Die Stimmung im Schulhaus der Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz ist wie immer: Mädchen und Jungen strömen mit dem Pausenklingeln auf den Schulhof, um ein bisschen Wintersonne zu tanken. Im Sekretariat ist gerade einiges zu besprechen, ein Kommen und Gehen. Auf dem Schreibtisch von Dieter Klaue sieht es nach Abschied aus. Er ordnet die Papiere, die er an Rica Otto übergeben will. Sie wird am Freitag offiziell im Kollegium als seine Nachfolgerin, als neue Schulleiterin, vorgestellt. Die Mathe- und Physiklehrerin gehörte bisher zum Team der Brandenburger Schulvisitation.

Dieter Klaue geht aus gesundheitlichen Gründen nach 25 Jahren als Schulleiter in den vorzeitigen Ruhestand. Dass er ein bisschen verschnupft wirkt, liegt daran, dass auch ihn die aktuelle Erkältungswelle nicht verschont hat und im Kollegium große Erkrankungslücken zu verzeichnen sind, die überbrückt werden müssen. Das erste Halbjahr hat er noch mitgestaltet, doch nicht nur die letzten Wochen und Monate haben dazu beigetragen, dass er sagen kann: „Ich gehe beruhigt, mit einem guten Gefühl von Bord.“  Denn bei der aktuellen Schulvisitation, die gerade erst vom 17. bis 19. Januar stattfand, habe die Goyatzer Oberschule sehr gute Ergebnisse erzielt. Die Kurzfassung liege bereits vor, im März soll dann die Auswertung vorgenommen werden, sagt er. Bei der Zufriedenheit mit der Schule habe es die höchste Punktzahl von Schülern, Eltern und Lehrkräften gegeben. „Das spricht doch für sich“, sagt Dieter Klaue. So sei es besonders ärgerlich, dass Schüler, die aus dem Nachbarlandkreis Oder-Spree (LOS), aus dem Bereich Tauche, gern nach Goyatz kommen wollen, nicht mehr hergebracht werden. Nur noch einzelne Schüler, die per familiärer Fahrgemeinschaft anreisen, sind weiterhin in der Goyatzer Schule. Das Amt Lieberose/Oberspreewald könne als Schulträger diese finanzielle Aufgabe nicht mehr leisten, bedauert Dieter Klaue.

Dass die Ludwig-Leichhardt-Oberschule inzwischen eine stabile Bildungseinrichtung ist, die weiter wächst, sei der Weitsicht der Kommunalpolitiker zu verdanken, sagt er. Das habe zum „Wunder von Goyatz“ geführt hat, wie es einst Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) formulierte. Goyatz war schon in der Schulentwicklungsplanung gestrichen. Doch dann habe es in der Region den Entschluss gegeben, die Gesamtschulen in Straupitz und Groß Leuthen zu schließen und alle Schüler im zentral gelegenen Goyatz zu unterrichten. „Die Politiker hatten den Standort schon aufgegeben. Ich ziehe heute noch den Hut vor allen, die diesen schweren Schritt mitgegangen sind“, betont Dieter Klaue. Doch die Zeit bestätigte die Richtigkeit dieses Schrittes. Gegenwärtig werden rund 200 Oberschüler in zehn Klassen, zwei davon in der Lehrwerkstatt Alt Zauche, unterrichtet. Dank der Unterstützung des Amtes Lieberose/Oberspreewald als Schulträger hat es in den vergangenen Jahren Investitionen in das Schulhaus gegeben. „Wenn es um die Kinder ging, wurde versucht, zu tun, was möglich ist. Der Amtsausschuss hat immer einstimmig für die Schule gestimmt “, sagt der scheidende Schulleiter. Gegenwärtig wird der Sportplatz gebaut, voraussichtlich im Mai soll er übergeben werden. Auch die Fachräume, die vor 20 Jahren eingerichtet worden sind, müssen erneuert werden.

„Sicher wird man mich in Zukunft öfter mit dem Fahrrad statt dem Auto sehen“, sagt Dieter Klaue mit Blick auf die dann nicht mehr so Termin getriebene Zeit. Die Druckpresse im Kunstraum der Schule, die noch aus der Konsumgüter-Produktion der DDR stammt, werden Schüler weiter für den Druck von Linolschnitten nutzen können. Er will sich zu Hause eine eigene Druckwerkstatt einrichten. „Es gibt viele angefangene Arbeiten, die ich fertigstellen will“, sagt der Kunsthistoriker, der für seine Diplom-Arbeit an der Humboldt-Universität Berlin damals dem Humboldt-Preis bekam. Kunstlehrer Alfred Weniger hatte einst an der EOS Beeskow Dieter Klaue bestätigt, den Weg als Lehrer für Kunst zu gehen.

In Lieberose wird beim Förderverein auf sein Engagement gesetzt, auf die Erforschung der Ortsgeschichte, auf weitere interessante Ausstellungen. Und schließlich wartet seine Familie darauf, dass Dieter Klaue mehr Zeit hat - für seine Frau, seine Kinder und Enkelkinder.