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Schulentwicklungsplanung nimmt nächste Hürde

Lübben/Königs Wusterhausen. Der Kompromiss in der kreislichen Schulentwicklungsplanung hält. Darauf weist zumindest das einstimmige Votum im Kreisausschuss vergangene Woche hin. Ingvil Schirling

Die Planung hatte sich als komplex mit Konfliktpotenzial erwiesen: Vor allem im Norden des Landkreises herrscht Zuzug, die Schülerzahlen explodieren regelrecht. Daher werden dort Schulen erweitert und ein ganz neues Gymnasium gebaut. Um den ländlichen Mittelteil des Landkreises zu stärken, beschlossen die Abgeordneten Ende 2016 ergänzend dazu die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe in Groß Köris, die dann zur Gesamtschule würde. Wenig später dazu entwickelte Königs Wusterhausen den Wunsch, zwei Oberschulen zusammenzulegen und eine Gesamtschule daraus zu machen. Zwei unvereinbare Ansinnen, die in einer Planung zusammengeführt werden mussten. Die entstandenen Kompromisse begrüßte SPD-Fraktionsvorsitzende Sylvia Lehmann im Kreisausschuss: "Es ist eine ausgewogene Schulentwicklungsplanung, die an schwierigen Stellen einen guten Kompromiss abbildet. Schön, dass sich auch Hinweise und Formulierungsvorschläge aus Gesprächen darin wiederfinden."

Die Kompromisse beinhalten, dass in Königs Wusterhausen die Zügigkeit begrenzt und die Zusammenlegung um ein Jahr verschoben wird. In Groß Köris kommt erschwerend hinzu, dass die benötigten Schülerzahlen bei weitem nicht erreicht werden. "Unabhängig davon halten wir an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe fest", erklärte Sylvia Lehmann als Kreistagsabgeordnete. Die Verwaltung legt in der Planung fest, dass die Schülerzahlen jährlich überprüft werden. Erfüllt Groß Köris dann die Voraussetzungen, können entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden - vorher nicht.

Doch was, wenn die geforderte Vierzügigkeit auf Dauer nicht erreicht wird? Diese Frage stellte Norbert Kleinwächter (AfD) nachdrücklich vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen, die gerade mal eine Zweizügigkeit ermöglicht. Die Fraktion schlug daher vor, einen Plan B in der Hand zu haben: Im Amt Schenkenländlichen oder einer der Gemeinden Bestensee oder Heidessee soll alternativ, falls die Schülerzahl nicht steigt, ein zweizügiges Gymnasium errichtet werden. Doch der Vorschlag traf auf Ablehnung. Lothar Treder-Schmidt (SPD/Grüne) sah dadurch das Gymnasium Lübben in Frage gestellt. Zudem würden dann diejenigen, "die zur Oberschule wollen, zum Pendeln verdammt". Sylvia Lehmann bevorzugte die Möglichkeit eines 13-jährigen Abiturs in dem Raum. Stefan Ludwig (Die Linke) und Landrat Stephan Loge kritisierten, dass sich die AfD in ihrem Gymnasiums-Antrag nicht auf einen Standort festgelegt hatten. Die Abstimmung über den Antrag fiel eindeutig aus: Es gab nur eine Ja-Stimme und eine Enthaltung, ansonsten Ablehnung.

Hin und Her wogte die Debatte aber auch zu den konkurrierenden Anträgen von Königs Wusterhausen und Groß Köris. Es gebe in dieser Frage keine "Sieger", sagte Sylvia Lehmann. Die SPD-Fraktion finde, "dass hier jeder eine Chance und Perspektive bekommen hat". Stephan Ludwig stellte fest: "Königs Wusterhausen plant die Gesamtschule nicht nur für den eigenen Bedarf" und bezog sich darauf, dass in Zeuthen viele Schüler abgelehnt würden. Eine Gefährdung anderer Schulstandorte durch die Königs Wusterhausener Pläne sieht er aber nicht. Lothar Treder-Schmidt wiederum sagte: "Wenn wir dem Raum Groß Köris eine Chance geben wollen, gehört dazu auch ein Schulstandort."

Michael Kuttner (CDU) bekannte sich zum Kreistagsbeschluss Ende 2016 mit der erweiterten Oberstufe in Groß Köris. "Davon weichen wir nicht ab. Durcheinandergeraten ist die Solidarität der Stadt Königs Wusterhausen mit anderen", sagte er. Das 13-jährige Abitur gebe es bereits in Königs Wusterhausen mit dem Oberstufenzentrum und der Blindenschule. Das sei doch eine Außenstelle von Zeuthen, eine Kooperation mit der Paul-Dessau-Schule, entgegnete Stephan Ludwig, musste sich aber korrigieren lassen. Das Vollabitur, das sich innerhalb von 13 Jahren am Standort der Blindenschule für Sehende und Beeinträchtigte ablegen lässt, ist seit zwei Jahren ein weiteres Angebot des Oberstufenzentrums. Ludwig argumentierte trotzdem, dass das 13-jährige Abitur für viele interessant sei. "Der Bedarf wächst. Diese Schulform ist extrem populär." Dem Solidaritäts-Vorwurf entgegnete er, dass die kommunale Selbstverwaltung schließlich von einem Mittelzentrum erwartet werde.

Landrat Stephan Loge wiederum betonte in Richtung Groß Köris, die Kreisverwaltung biete gern Unterstützung bei der Überarbeitung der Schulstrukturen an. Im Grundschulbereich könne man sich durchaus über Schulbezirke unterhalten, "was den Standort qualifizieren würde". Michael Kuttner empfahl, die Trägerschaft für die Schule auf das Amt zu übertragen und "viel mit anderen Schulen zu kooperieren".

Mit einer Enthaltung wurde die Schulentwicklungsplanung zur Beschlussfassung an den Kreistag weitergeleitet. Wird sie am 19. Juli bestätigt, gilt sie vom 1. August bis zum 31. Juli 2022. Mit der Option, bei jährlichem Schülerzahlmonitoring Anpassungen vorzunehmen.