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| 10:24 Uhr

Grundstück durchsucht
Schüsse in Straupitz: Polizei findet bei 52-jährigem Schützen Waffenarsenal

 Auf Höhe der Kreuzung Kirchstraße/Cottbuser Straße in Straupitz soll der Schuss abgefeuert worden sein, der Dienstagabend einen 42-jährigen Autofahrer leicht verletzte.
Auf Höhe der Kreuzung Kirchstraße/Cottbuser Straße in Straupitz soll der Schuss abgefeuert worden sein, der Dienstagabend einen 42-jährigen Autofahrer leicht verletzte. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Straupitz. In Straupitz wird am Dienstag ein Autofahrer beschossen und leicht verletzt. Nun weiß die Polizei: Der Vorfall begann mit einer Verfolgung. Von Ingvil Schirling

Den Schuss will keiner so richtig gehört haben. Aber der Hubschrauber, der am späten Dienstagabend anhaltend über Straupitz gekreist ist, der dürfte so manchen Oberspreewälder unruhig gemacht haben. Und dass das 1000-Einwohner-Dorf gleichzeitig voller Polizei stand, machte deutlich: Etwas Schlimmes war geschehen.

Warum laut Polizeibericht am Dienstag gegen 21 Uhr ein 52-jähriger Mann auf einen zehn Jahre jüngeren schoss und ihn dabei zum Glück nur leicht verletzte, ist noch immer teilweise offen. Die Kriminalpolizei hat umfangreich ermittelt, war vor Ort und befragte Anwohner.

Sagen ließ sich am Freitag: „Nach derzeitigen Erkenntnissen befand sich der 52-Jährige zum Tatzeitpunkt in einem psychischen Ausnahmezustand.“ Eine fachärztliche Begutachtung stehe noch aus. Doch das Amtsgericht Lübben habe gegen den Festgenommenen auf Antrag der Staatanwaltschaft Cottbus die vorläufige Unterbringung in einer Fachklinik angeordnet, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

 In diesem Haus nicht weit entfernt vom Tatort soll der Verdächtige gewohnt haben.
In diesem Haus nicht weit entfernt vom Tatort soll der Verdächtige gewohnt haben. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Keiner kennt ihn richtig

 Ganz in der Nähe des Tatorts befindet sich die Schinkelkirche.
Ganz in der Nähe des Tatorts befindet sich die Schinkelkirche. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Was mag den „psychischen Ausnahmezustand“ ausgelöst haben? Und wie kam es zu dem Schuss?

An einem sonnigen Vorfrühlings-Freitag sind in Straupitz viele Menschen auf der Straße: vor dem Einkaufsmarkt, im Kornspeicher, nahe der Schinkel-Kirche, beim Bäcker und im Blumenladen. Man harkt, kauft ein, trifft sich zum Mittagessen, hält einen Schwatz am Auto – auch zwischen der Bushaltestelle und der Kreuzung, die Schauplatz des Geschehens wurde.

Jeder der Angesprochenen weiß, dass Dienstagabend etwas vorgefallen ist. Einige wissen, wo der 52-Jährige wohnte und dass er erst vor einiger Zeit zugezogen war. Doch niemand kennt ihn wirklich. Seine Nachbarn, sagt eine Frau, hätten ihn, seit er dort wohnt, höchstens zweimal gesehen. Und keiner der Befragten hat den Schuss gehört.

Ein zurückgezogener Mensch also war es wohl, der – so hat es die Kripo ermittelt – den 42-Jährigen mit seinem Wagen verfolgte, dann in Straupitz verlor. Als er dessen Fahrzeug im Ort stehen sah, habe er „ohne ersichtlichen Grund“ darauf geschossen, heißt es in der Mitteilung, die die Erkenntnisse der vergangenen Tage zusammenfasst. „Das Projektil traf den Pkw und verletzte den Fahrer glücklicherweise nur leicht.“Dieser alarmierte dann die Polizei. Der Ruf ging um 21.15 Uhr ein. Die Fahndung begann.

Noch mehr Waffen im Haus

Polizisten aus mehreren Inspektionen rasten nach Straupitz. Ein Hubschrauber kreiste über dem Dorf. Der Beschuldigte wurde noch in der Nacht festgenommen. Und sein Grundstück wurde durchsucht. Dabei entdeckten die Einsatzkräfte mehrere Schusswaffen und Munition und fanden heraus, dass der Betreffende nicht für alle eine entsprechende Erlaubnis hatte. Der stille Nachbar war bewaffnet.

Zwei Tage später, am Donnerstag, kehrten die Ermittler zurück in den Oberspreewald. Wieder wurden sie fündig. „Bei der erneuten Durchsuchung des Grundstücks wurden zusätzlich zu den bereits sichergestellten Beweismitteln weitere Waffen, Munition und gefährliche Gegenstände aufgefunden“, heißt es. Diese müssen nun noch kriminaltechnisch untersucht werden.

Außerdem wurden im Lauf der Woche mögliche Zeugen und Anwohner befragt. All dies schlug hohe Wellen im Dorf. Die Frage, warum dies geschehen konnte, liegt auf der Hand. Antworten versuchten viele zu finden. Offen bleibt, warum es zur vorausgegangenen Verfolgungsjagd kam. Vor allem „ist es erschreckend und beunruhigend zu erfahren, dass jemand so viele Waffen hatte“, sagt eine Mitarbeiterin des Straupitzer Kornspeichers.

Dorfbewohner sind entsetzt

Dieses liebevoll gestaltete Heimatmuseum für Touristen und Einheimische liegt, wie so viele Straupitzer Sehenswürdigkeiten, nur einige Gehminuten entfernt vom Tatort. Das Geschehen wirkt überall in dem Dorf, dort aber besonders unwirklich: Alles ist österlich geschmückt, junge Familien trinken Kaffee und essen Kuchen an kleinen Tischen mit Blick aufs Wasser.

Kopfschüttelnd wird der Vorfall auch vor dem Einkaufsmarkt ausgewertet, der in anderer Richtung praktisch in Sichtweite der Kreuzung liegt, an der der Schuss fiel. Gelbe und rote Frühlingsblüher stehen vor den automatischen Türen, drinnen sorgt die Fleischerei für die Mittagsverpflegung. Ein älterer Herr sagt resigniert: „Es sind so viele Waffen im Umlauf. Wer gutes Geld hat, kriegt immer was.“ Beruhigend wirkt das nicht.

Die polizeilichen Ermittlungen sagen bisher, dass der Tatverdächtige und der Geschädigte sich nicht kannten. Eine Vorbeziehung sei „nicht erkennbar“, heißt es. Ermittelt wird weiter. Vielleicht tragen die Ergebnisse irgendwann doch zur Beruhigung bei.

 In fußläufiger Entfernung zum Tatort befinden sich auch ein Einkaufsmarkt sowie in Gegenrichtung eine Gaststätte.
In fußläufiger Entfernung zum Tatort befinden sich auch ein Einkaufsmarkt sowie in Gegenrichtung eine Gaststätte. FOTO: LR / Ingvil Schirling