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Schülerzahl auf stabilem Niveau

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Lübben. Lust auf 270 Seiten Zahlen und Tabellen? Bitteschön: Die Fortschreibung der kreislichen Schulentwicklungsplanung bietet dies und noch viel mehr. Vor allem tiefe Einblicke in die Quadratur des Kreises. Ingvil Schirling

Extrem schwer zu bestimmen ist derzeit, wie viele Einwohner der Dahme-Spreewald-Kreis perspektivisch haben wird. Darauf fußen aber die Aussagen darüber, wie viele Schüler künftig welche Schulen besuchen werden. Die Antwort der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald darauf war, sich die Grundlagenzahlen direkt von den Kommunen zu holen - statt aus der Landesprognose, die deutlich unter der dynamisch wachsenden Entwicklung liegt.

Doch auch darin liegen Unwägbarkeiten, wie beispielsweise die Diskussion um die benötigten Kitaplätze in Lübben in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt hat. Darüber hinaus basieren die Zahlen zu den Übergangsjahrgängen in die weiterführenden Schulen auf Berechnungen und Schlüsseln wie der Gymnasialquote oder den regionalen Schülerströmen. Selbst, wenn alles richtig berechnet ist, kann das konkrete Anwahlverhalten der Eltern am Ende eine ganz eigene Sprache sprechen.

Beim Paul-Gerhardt-Gymnasium in Lübben beispielsweise liegt die tatsächliche Zahl der Siebtklässler für das neue Schuljahr deutlich unter den Prognosen für die Folgejahre. Rein statistisch berechnet werden dort für die Folgejahre zwischen 90 und 100 Siebtklässler, Tendenz steigend. Ganz konkret für das kommende Schuljahr sind es aber nur 58, wobei diese Zahl die voraussichtliche Aufnahme nach Zuweisungs-Verfahren wiedergibt und im März vom staatlichen Schulamt kam.

Über die künftige Schulentwicklungsplanung ist also festzuhalten: Sie reicht zwar vom 1. August 2017 bis ins Jahr 2022, soll aus genannten Gründen aber durch ein jährliches Monitoring der Schülerzahlen flankiert werden - kurzfristige Korrekturen inklusive. Zweitens: So sehr von Einwohnerzuwachs und boomendem Landkreis die Rede ist, die Schülerzahlen im Südkreis spiegeln das bisher nicht. Die Tendenz bei den Einschülern ist auf dem vorgelegten Papier zwar absolut stabil, aber eben nicht steigend.

Trotz aller Unwägbarkeiten gibt es zuvorderst eine gute Nachricht: Im südlichen Dahme-Spreewald ist weiterhin keine Schule in Gefahr. Auch die Förderschulen sind "in ihrem Bestand gesichert", hieß es am Dienstagabend im kreislichen Bildungsausschuss. "Von Seiten des Ministeriums werden die Förderschulen in Trägerschaft des LDS nicht in Frage gestellt. Die Eltern sollen auch weiterhin die Wahl haben zwischen einer inklusiven Beschulung an den Regelschulen sowie einer Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt." Daher werden die vorübergehend auf Eis gelegten Investitionen an den Förderschulen wieder aufgenommen, auch in Lübben.

Für Unruhe in der südlichen Schullandschaft hatte im Vorfeld gesorgt, dass die Oberschule Schenkenland in Groß Köris einen Antrag stellte, sich zur Gesamtschule mit Abitur zu erweitern. Es gab Befürchtungen, dass das Schüler aus dem nördlichen Unterspreewald und der Märkischen Heide anziehen und somit die Lübbener Standorte schwächen könnte. Zwar entscheidet letztlich das Bildungsministerium über solche Anträge, die Kreisverwaltung aber lehnt dieses Ansinnen ab. Im Bildungsausschuss wurde deutlich: Die damit verbundene Stärkung des mittleren, ländlichen Raums im Kreis würde zwar sehr begrüßt werden, doch die Schülerzahlen geben es aktuell nicht her. Nun soll die Schule erst einmal inhaltlich gestärkt und attraktiver werden.

Dass es über ein gutes Konzept durchaus gelingen kann, eine Schule auf dem Lande zu stabilisieren und auszubauen, zeigt das Beispiel Ludwig-Leichhardt-Schule in Goyatz. Die Oberschule stand vor Jahren vor dem Aus und ist jetzt eine sichere Bank mit prognostisch stabiler Zweizügigkeit. "Sie arbeitet mit einem sehr guten, pädagogisch wirkungsvollen Integrationskonzept", lobt die Kreisverwaltung. Dadurch könnten Kinder aus Heimen erfolgreich mit unterrichtet werden, und zwar zu einem großen Anteil. Durchschnittlich sind es 25 bis 28, aktuell sogar 30 Schüler aus acht Einrichtungen.