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| 01:52 Uhr

Schönwalder wollen keine weiteren Windräder

Das Windrad an der Bundesstraße 101 bei Elsterwerda mit der beschädigten Flügelspitze. Foto: M. Claus
Das Windrad an der Bundesstraße 101 bei Elsterwerda mit der beschädigten Flügelspitze. Foto: M. Claus FOTO: M. Claus
Schönwalde. Die Einwohner von Schönwald wollen keine weiteren Windkraftanlagen (WKA) vor ihrer Haustür. Zumindest nicht in der von der Regionalplanung vorgesehenen Größenordnung und schon gar nicht am geplanten Standort an der Autobahn. Andreas Staindl

Dieses Votum einer Einwohnerversammlung nehmen Gemeindevertreter mit in ihre Sitzung am Montag, dem 26. Oktober, um 19 Uhr im Waldower Feuerwehrhaus. Dort soll ihre Stellungnahme zum Entwurf des Teilregionalplans Windkraftnutzung beschlossen werden. „Dafür wollen wir die Mehrheit der Bürger hinter uns wissen“, sagte Bürgermeister Roland Gefreiter.

Wie er erklärte, sollen die neuen Anlagen zwischen der Autobahn und Schönwalde eine Leistung von drei Megawatt sowie eine Nabenhöhe von 150 Meter haben. Damit seien sie deutlich höher als die WKA auf der gegenüberliegenden Autobahnseite.

Bisher haben die Unterspreewälder sehr zurückhaltend auf den Entwurf der Regionalplanung reagiert. Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) zufolge gab es bis Mitte dieser Woche 70 Zuschriften zur vorgesehenenWindparkerweiterung, jedoch nur von drei Bürgern des Amtes Unterspreewald. Derzeit sehe es so aus, als ob die Gemeindevertretung den Planentwurf ablehnt, die Bürger jedoch nicht.

Dieser Eindruck hat sich zumindest während der Einwohnerversammlung nicht bestätigt. Im Gegenteil: „Wenn der Windpark Waldow jenseits der Autobahn auf die Schönwalder Seite gespiegelt wird, wäre diese Fläche nur noch eingeschränkt nutzbar, etwa für die Jagd“, sagte Alfred Wagner. „Zudem wollen wir die ursprüngliche Landschaft für unsere Kinder aufpeppen. Das haben wir schon angeschoben.“

Verlockende Pachthöhe

Georg Gratzias, Vorsitzender der Agrargenossenschaft in Schönwalde befürchtet, „dass bei den horrenden Summen, die für die Flächen geboten werden, deren Eigentümer einknicken“. Die Eigentümer würden mit einer jährlichen Pacht von 50 000 Euro für die Dauer von 20 Jahren gelockt.

Bürgermeister Gefreiter sagte, dass er die schwarzen Autos mit den Aufkäufern fast täglich in Schönwalde sehe: „Mit mir hat von denen noch niemand gesprochen.“ Wie Rainer Kleemann sagte, gebe es schon Optionsverträge zwischen Investoren und Flächeneigentümern. „Wenn wir der Planung zustimmen“, sagte der Amtsausschussvorsitzende, „stehen bald 45 Anlagen zwischen Waldow und Schönwalde.“ Das wolle er verhindern.

„Kreuz zeigen“

Auch Waldows Ortsvorsteher Waldemar Lehmann ist dafür, „Kreuz zu zeigen. Es ist doch keine Demokratie, wenn wir mit noch mehr Windrädern belastet werden und andere Gemeinden fein raus sind.“ Schönwalds Gemeindevertreterin Karin Weber (Die Linke) sagte, dass sie die Eigentümer verstehen könne, die ihre Flächen verkaufen: „Welcher Landwirt verdient schon 50 000 Euro pro Jahr mit einer so kleinen Fläche?“ Sie animiert dennoch die Bürger, sich gegen die massive Bebauung mit Windrädern zu wehren: „Wer keine Einwände geltend macht, hat auch kein Rederecht während des folgenden Erörterungstermins der Landesplanung.“

Gemeindevertreter Steffen Drannaschk regte eine Unterschriftenliste an: „Vor dem Bau des Windparks Waldow hatte ich in 14 Tagen weit über 100 Unterschriften zusammen“, erzählte er. „Viele waren also schon damals gegen weitere Anlagen.“

Nach Ansicht von Jens-Hermann Kleine sind „Unterschriften zwar gut, Argumente aber besser“. Die Verwaltung werde der Gemeindevertretung am Montag eine Stellungnahme mit Argumenten für einen Verzicht der Spiegelung des Windparks Waldow auf die Schönwalder Autobahnseite und für die maßvolle Erweiterung nach Süden vorlegen. Andreas Staindl